Swatch-Erbin Nayla Hayek hält Frauenquote für diskriminierend

Gier auf schnelles Geld und schlechte Beratung: Im Gespräch mit dem SPIEGEL geht Nayla Hayek, Erbin des Swatch-Uhren-Imperiums, hart mit der Finanzbranche ins Gericht und kritisiert die Forderung nach einer Frauenquote.
Swatch-Uhren: Keine Frauenquote in dem Schweizer Erfolgsunternehmen

Swatch-Uhren: Keine Frauenquote in dem Schweizer Erfolgsunternehmen

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Nayla Hayek, Verwaltungsratspräsidentin der Schweizer Swatch Group, übt scharfe Kritik an der Bankenbranche: "Seit geraumer Zeit scheint die Gier nach dem schnellen Geld doch eher dazu geführt zu haben, dass man als Kunde in Geschäfte gedrängt wird, von denen die Banker selbst zu wenig verstehen", sagte die 60-Jährige in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. Hayek gilt als eine der mächtigsten und reichsten Frauen der Schweiz.

Im Grunde plage sie als Unternehmerin "der gleiche Ärger wie wohl viele Kleinsparer: Wir wollen korrekt beraten werden." Die zurzeit oft diskutierte Trennung klassischer Geschäftsbanken vom Investmentbanking halte sie für "absolut sinnvoll. Da könnten manche Gefahren und Risiken vielleicht eher beherrschbar werden". Die Swatch Group hat die Schweizer Großbank UBS vor geraumer Zeit wegen vermeintlicher Falschberatung verklagt. Das Verfahren läuft noch.

Dass ein Londoner UBS-Händler jüngst 2,3 Milliarden Euro verzockt hat, erfülle sie nicht mit Schadenfreude, "weil solche Skandale letztlich die Schweiz als Ganzes treffen", sagte Hayek und fügte hinzu: "Das kann mich nicht glücklich machen. Es ist doch grauenhaft, sich vorstellen zu müssen, dass solche Desaster vielen Instituten jeden Tag widerfahren können".

Hayek misstraut indes nicht nur den Banken, sondern auch den Debatten um Frauenquoten: "Ich halte eine Frauenquote, ehrlich gesagt, für diskriminierend. Wo hört das mit den Quoten dann auf? Mir kommen die immer ein bisschen vor wie - verzeihen Sie - Behindertenhilfe." Die Swatch Group habe "von jeher viele Frauen beschäftigt - auch in Führungspositionen". Schon ihr Vater, der im vergangenen Jahr verstorbene Unternehmer Nicolas Hayek, habe "nie nach Geschlecht unterschieden, sondern nur nach Leistung".

Die Geschäftsaussichten ihres Uhrenkonzerns sieht Hayek im SPIEGEL-Interview positiv: "Aktuell läuft das Geschäft mit allen unseren Marken wieder sehr gut" - auf allen Märkten.

mak