Medienbericht Waffenfähige Chemikalien sollen aus Deutschland nach Syrien gelangt sein

Der syrische Machthaber Assad soll bereits Giftgas eingesetzt haben. An der Lieferung von Chemikalien, mit denen der Nervenkampfstoff Sarin hergestellt werden kann, sollen laut einem Bericht deutsche Firmen beteiligt gewesen sein.

Chemiewerk
Ryan Tong /DPA

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Einem Medienbericht zufolge sollen deutsche Unternehmen trotz des Bürgerkriegs in Syrien am Export waffenfähiger Chemikalien in das Land mitgewirkt haben. "Süddeutsche Zeitung", Bayerischer Rundfunk und das Schweizer Tamedia-Medienhaus berichten, der Essener Chemiegroßhändler Brenntag habe die Stoffe Isopropanol und Diethylamin an ein syrisches Pharmaunternehmen verkauft, das Verbindungen zum Regime von Machthaber Baschar al-Assad unterhalte.

Die genannten Chemikalien können laut dem Bericht zur Fertigung von Medizin, aber auch zur Herstellung von Chemiewaffen mit dem Nervenkampfstoff Sarin dienen. Die Staatsanwaltschaft Essen prüfe, Strafermittlungen aufzunehmen, heißt es unter Berufung auf die Anklagebehörde. Der Brenntag-Konzern teilte dem Bericht zufolge mit, die Lieferung durch die Konzerntochter Brenntag Schweizerhall AG sei "in Einklang mit dem geltenden Recht" abgewickelt worden.

An dem Vorfall sollen nach den Recherchen auch die Unternehmen Sasol Solvents Germany GmbH in Hamburg sowie BASF am belgischen Standort Antwerpen beteiligt gewesen sein. Dort seien Isopropanol beziehungsweise Diethylamin hergestellt worden. Beide Firmen gaben laut dem Bericht an, keine Kenntnis über den vorgeworfenen Verkauf der Chemikalien nach Syrien gehabt zu haben.

Das Regime von Baschar al-Assad in Syrien soll wiederholt Giftgas gegen Zivilisten in Rebellenhochburgen eingesetzt haben. Mehrere Angriffe sind dokumentiert. Assads Regierung streitet den Einsatz trotz erdrückender Beweislage ab.

apr

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Hokuspokus 25.06.2019
1. Also mit Isopropanol putz ich mir die Brille...
..im Volksmund wird es auch als Alkohol bezeichnet. Also da kann man alles und nix mit machen.... Dürfte schwer werden da einem Unternehmen einen Vorwurf zu machen, den Iso ist in unzähligen Putzmitteln, medizinischen Produkten etc. enthalten.
Msc 25.06.2019
2.
Diethylamin ist schon etwas spezieller, aber Isopropanol? Ich bitte sie. Völlig gängiges Lösungsmittel. Können sie bei Amazon kaufen. Da kontrolliert sie keiner. Die Schwierigkeit an Sarin ist nicht Isopropanol, sondern die Phosphorkompenente.
ChemBro 25.06.2019
3.
Isopropanol und Diethylamin sind doch absolut gängige Chemikalien in der pharmazeutisch-chemischen Industrie. Dann müsste es ein prinzipielles Handelsverbot mit regierungsnahen Unternehmen in Syrien geben. Aus den beiden Chemikalien lassen sich unzählige Produkte herstellen, wobei chemische Synthesen im übrigen nur ein Anwendungsgebiet darstellen.
christine.rudi 25.06.2019
4. Das (Überschrift) war schon zu Zeiten des IraK - Krieges bekannt !
Frage: Ist die ganze Bundesregierung jetzt eine hochkriminelle Waffenhändler-Vereinigung ? ... Antwort: natürlich. Wir reden über Völkerrecht. Da gibt es nichts anderes als Staaten; es gilt das "Recht des Stärkeren". ... Jetzt aber ist "Globalisierungs"-Zeit = "Alle Staaten sind gleich". Das verträgt sich nicht mit einem Hegemonie-Anspruch. Früher war der Ost-West Konflikt: der hoch-agressive Kolonialismus des Westens konnte nur dadurch gestoppt werden, daß der Osten Atomwaffen entwickelt hatte. Heute gibt es mindestens 5 "Supermächte". Die USA haben nicht verstanden, daß sie sich 4 gegnern genüber sehen und nicht nur einem. ... In Kurz: die USA sind am Ende und NIEMAND, wirklich niemand von den Eliten (das Volk versteht es) will diese Realität akzeptieren: also versuchen diese Eliten davon zu überzeugen, in ihrer virtuellen "Parallelwelt" zu leben (siehe Boris Johnson und Brexit). Aber das Volk hat verstanden: es ist zu Ende (bzw.: der Westen IST am Ende): Wir erleben gerade den Brexit der USA (aus der Weltordnung).
Atheist_Crusader 25.06.2019
5.
Ich zitiere mal aus Wikipedia: (1) "Diethylamin wird zur Herstellung von Kautschuk-, Textil-, Flotationschemikalien, von Kunstharzen, Farb- und Arzneistoffen, Insektiziden, galvanischen Bädern und Polymerisationsverzögerern sowie als pH-Wert-Regler und Puffersubstanz verwendet. " (2) "Isopropanol, Verwednung: Lösungsmittel für Fette, Harze, Lacke, Tinte, Extraktion und Reinigung von Naturprodukten, [...], Reinigungsmittel (Fettlöser) in Industrie und Haushalt, Lösungs- und Verdünnungsmittel in kosmetischen und pharmazeutischen Zubereitungen, Zusatz zu Frostschutzmitteln [...], Bestandteil von Türschloss- und Autoscheibenenteisern, [...], Herstellung von Desinfektionsmitteln, Zur Reinigung optischer Flächen (Objektive und Okulare), insbesondere in der Mikroskopie, Reinigung von gelöteten Platinen, [...]" Ich bin jetzt kein Chemiker, aber das klingt doch nach einem ziemlich breiten Anwendungsgebiet mit jeder Menge legitimer, friedlicher Anwendungen. Na klar kann es zu weniger lauteren Zwecken missbraucht werden, aber ich frage mich: Wenn da ein Exportverbot bestand, was war denn noch alles verboten? Und was für Konsequenzen hat so ein Verbot waffenfähiger Chemikalien dann auf die zivile Wirtschaft? Ist das beabsichtigt?
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