Deutsche Telekom US-Arbeitsministerium prangert T-Mobile an

Die Telekom-Tochtergesellschaft T-Mobile USA hat Ärger mit dem US-Arbeitministerium. Angeblich hat der Mobilfunkbetreiber falsche Angaben zum Arbeitsplatzabbau gemacht.

T-Mobile USA: "Fall von Offshoring amtlich bestätigt"
dapd

T-Mobile USA: "Fall von Offshoring amtlich bestätigt"


Hamburg - Die Deutsche Telekom baut in Deutschland 10.000 Arbeitsplätze ab - jährlich. Das Prozedere verläuft inzwischen nahezu geräuschlos: Abfindungen, Angestellte, die sich freiwillig für den Vorruhestand entscheiden - "sozialverträglich" nennen der Bonner Konzern und die Gewerkschaften einvernehmlich den schleichenden Schrumpfkurs.

Mag zu Hause das Verhältnis der Telekom Chart zeigen zu den Arbeitnehmervertretern noch so entspannt sein, in den USA führt der Konzern mit den dortigen Gewerkschaften seit Jahren einen zermürbenden Kleinkrieg - der nun einen für den deutschen Konzern peinlichen Höhepunkt erreicht hat.

Die Telekom-Tochter T-Mobile USA wurde öffentlich überführt, US-Behörden offenbar falsch informiert zu haben. Dabei geht es um die Frage, ob T-Mobile bei der Schließung von sieben seiner insgesamt 24 Callcenter Arbeitsplätze ins Ausland verlagert.

Nichts schadet schließlich dem Ruf eines Unternehmens in den von Arbeitslosigkeit geplagten USA derzeit so sehr wie eben dieses Offshoring. Und genau das hatte die Communications Workers of America, CWA, dem T-Mobile-Management bei seinem jüngsten Sparkurs vorgeworfen: Das Aus von 1900 Stellen und sieben US-Callcentern geschehe im Zusammenhang mit entsprechend günstigeren Leistungen, die der Konzern im Ausland beziehe.

US-Arbeitsministerium bekräftigt Offshoring-Vorwürfe

Das US-Arbeitsministerium hat sich in dieser Woche in einer spektakulären Entscheidung der Meinung der Gewerkschafter angeschlossen: Das Unternehmen habe Dienstleistungen im Ausland in Anspruch genommen, die "genauso oder direkt im Wettbewerb" zu der von der Schließung betroffenen Arbeitsplätze stünden, schrieb das US-Labor Department auf seiner Homepage. Ein klassischer Fall von Offshoring eben.

Larry Myers, Executive Vice President von T-Mobile USA, und für Personal zuständig, hatte noch am 17. Mai in einem Brief an Abgeordnete des Repräsentantenhauses in Washington beteuert: "Wir haben die Callcenter nicht geschlossen, um die Arbeit ins Ausland zu verlagern". Vielmehr sei die Schließung der Überkapazitäten geschuldet, die T-Mobile in seinen Callcentern aufgebaut habe, seit die Kundenzahl des Unternehmens schrumpft. Das Schreiben liegt manager magazin online vor.

"Um seine Reputation zu bewahren, hat T-Mobile USA die eigenen Mitarbeiter und die Öffentlichkeit belogen", wirft Lothar Schröder, stellvertretender Telekom-Aufsichtsrat und Verdi-Bundesvorstand, dem Konzern vor. Es sei nun "amtlich bestätigt, dass es sich hier um einen Fall von Offshoring" handle, sagte Schröder weiter.

Besonders pikant: Werden in den USA Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, stehen den Betroffenen höhere staatliche Leistungen zu. T-Mobile weist die Vorwürfe von sich: "Die zur Verfügung gestellten Fakten weisen nicht unterstützend darauf hin, dass die Arbeit der betroffenen Beschäftigten ins Ausland verlagert wurde", zeigte sich ein T-Mobile-USA-Sprecher über die Entscheidung des Labor Departments überrascht. Das Unternehmen nehme schließlich schon seit Langem ausländische wie inländische Callcenter in Anspruch.



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