T-Mobile-Chef in den USA und das Trump-Hotel Der Einchecker

T-Mobile möchte in den USA mit Konkurrent Sprint fusionieren. Seit der Ankündigung nächtigen Manager der Telekom-Tochter auffällig häufig im Trump-Hotel in Washington. Das riecht nach Korruption, meinen Demokraten.

John Legere
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John Legere

Von , Washington


Nächsten Dienstag wird T-Mobile-Chef John Legere mal wieder in Washington erwartet. Der Justizausschuss des US-Kongresses will von ihm wissen, welche Folgen die Fusion des Mobilfunkanbieters mit dem Konkurrenten Sprint hätte. Manchen Abgeordneten dürfte allerdings etwas ganz anders interessieren: In welchem Hotel steigt Legere ab?

Der schrille Topmanager, unter dessen Ägide die lange kränkelnde US-Tochter der Telekom wieder durchgestartet ist, ist in den Ruch geraten, sich die Zustimmung der Behörden zur Fusion erkaufen zu wollen. Denn seit T-Mobile und Sprint ihren Hochzeitsbeschluss erklärt haben, häufen sich die Aufenthalte von T-Mobile-Managern in Trumps Luxushotel in Washington auffallend. "Das riecht nach Korruption", kritisiert die Senatorin und demokratische Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren auf Twitter.

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Tatsächlich hat Legere, der mit seinem schulterlangen Haar, magentafarbenem T-Shirt und sonntäglicher Kochshow als der Paradiesvogel der Managerkaste auftritt, seine Vorliebe für den Protzkasten an der Pennsylvania Avenue 1100 erst spät entdeckt. Genauer gesagt: am Tag nach der Fusionsankündigung, die aus der Nummer drei und vier der Branche einen neuen Riesen mit 100 Millionen Handykunden schmieden würde.

Die Neuigkeit war kaum raus, da checkten nach Recherchen der "Washington Post" neun T-Mobile-Manager im Trump International fußläufig vom Weißen Haus ein. Und ab dann immer wieder.

Mindestens 52 Nächte stiegen Legere und Kollegen in dem Hotel ab

Mindestens 52 Nächte schliefen Legere und seine Kollegen seit dem 29. April 2018 in Trumps Bettwäsche - und bescherten dem Familienimperium einen Umsatz von 195.000 Dollar, wie das Unternehmen selbst erklärt. In der Summe enthalten seien auch Ausgaben für Catering, Saalmieten und Ähnliches, schreibt T-Mobile in einem Brief an Warren - den diese trotz dringender Bitte um Vertraulichkeit gleich in Umlauf brachte.

Nun könnte es vollkommen irrelevant sein, wer aus dem Konzern wann wo nächtigt, wenn nicht gerade die Behörden darüber zu entscheiden hätten, ob die Fusion genehmigt wird oder nicht. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass T-Mobile mit seiner plötzlichen Vorliebe für das Trump-Hotel die Entscheider darüber gewogen stimmen will.

Der Netzbetreiber betont, dass nur ein Bruchteil seiner Washingtoner Spesen von insgesamt 1,4 Millionen Dollar im Jahr 2018 im Trump-Hotel hängengeblieben sei. Allerdings: Vor den Fusionsplänen scheint die Magenta-Truppe geradezu einen Bogen um das Fünf-Sterne-Etablissement gemacht zu haben. Ein einziges Mal logierten Legere und einer seiner Manager 2017 dem Unternehmen zufolge bei Trump.

Kein Wunder, schließlich sind der Hausherr und sein Gast - beides extrovertierte Persönlichkeiten - in der Vergangenheit heftig aneinandergeraten. Auf Twitter lieferten sie sich vor vier Jahren einen Schlagabtausch, der darin gipfelte, dass der eine (Trump) den Service von T-Mobile als "schrecklich" verunglimpfte, während der andere (Legere) mit Twittergetöse aus dessen Hotel abreiste: Hashtag #checkingout. Er sei "froh, in einem Hotel aufzuwachen, wo nicht jeder einzelne Gegenstand den Schriftzug 'Trump' trägt", schob Legere in einem inzwischen gelöschten Tweet später nach.

Inzwischen allerdings ist der narzisstische Immobilientycoon Präsident und Legere scheint Gefallen an dessen Label gefunden zu haben. Das Trump-Hotel sei für ihn "zu einem Ort geworden, wo ich mich sehr wohlfühle", sagte Legere der "Washington Post", die im Januar zum ersten Mal über die merkwürdige Häufung berichtete. Es biete feinen Service und gute Sicherheit, lobte der Turnschuh-Manager, der der Zeitung zufolge dem Loyalitätsprogramm "Trump Card" beitrat. "Klingt anrüchig? Genau", kritisiert Warren.

Verbraucherschützer und Politiker sehen Fusion kritisch

Das Unternehmen aber mag darin nichts Anstößiges erkennen. Übernachtungen in Trump-Immobilien "mögen die einen positiv und die anderen negativ sehen", schreibt Vizepräsident Anthony Russo. Man sei aber zuversichtlich, dass die zuständigen Behörden über die 26-Milliarden-Dollar-Fusion sachgerecht entscheiden würden. Eine SPIEGEL-Anfrage ließ das Unternehmen zunächst unbeantwortet.

Viele Verbraucherschützer und Politiker allerdings bezweifeln, dass der Zusammenschluss der Konkurrenten den amerikanischen Konsumenten nutzen würde. Sie fürchten Preiserhöhungen und den Abbau von Jobs. Die Fusion "könnte den Wettbewerb in der Telekombranche strangulieren. Kleine Unternehmen, Gründer und arbeitende Familien leiden, wenn die Macht bei einer Handvoll gigantischer Firmen konzentriert wird", warnt Warren.

Schon einmal, 2014, hatten die US-Behörden einen Zusammenschluss verhindert. T-Mobile hält nun dagegen, dass es den Ausbau des zukunftsweisenden 5G-Netzes vorantreiben werde und zudem keine Technologie von Huawei oder ZTE nutzt, die die Amerikaner für verkappte Einfallstore chinesischer Spionage halten.

Wenn Legere am Dienstag im magentafarbenen T-Shirt im vornehm holzgetäfelten Saal des Kongresses Platz nimmt, dürfte ihm jedenfalls die volle Aufmerksamkeit des Publikums sicher sein. Auch wenn er sich selbst erstaunt gibt, welche Aufregung seine Bettenwahl erregt: "Ich vertraue darauf, dass die Regulierung ihre Entscheidung auf Basis der Vorteile trifft, die sie (die Fusion von T-Mobile und Sprint) den USA bringen wird, nicht aufgrund einer Hotelwahl", twitterte er.



insgesamt 31 Beiträge
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bakiri 07.03.2019
1. Wo liegt das Problem?
Warum sollte das Verhalten der Manager problematisch sein? Sie bewegen sich in einem System, dass von den vom US-Wähler legitimierten Vertretern aufgebaut wurde. Wenn es anstößig wäre oder mit Korruption zu tun hat, wieso darf dieses Hotel dann mit diesem Betreiber existieren? Es ist doch nur logisch sich den Gegebenheiten anzupassen. Es zu tun ist vielleicht nicht direkt ein Vorteil, es nicht zu tun wäre aber bestimmt ein Nachteil. Wem es nicht passt sollte die politischen Volksvertreter austauschen und strengere Regelungen erlassen.
Garak 07.03.2019
2. Echt jetzt? 195.000 Umsatz?
Netto machen erfolgreiche Hotels 15% Gewinn auf den Umsatz. Das heißt im besten Fall könnte sich Trump ca. 30.000 U.S Dollar Gewinn einstreichen. Das glaubt doch nicht einmal Liz Warren das sich Trump mit 30.000 Dollar bestechen lässt. Aber es macht sich natürlich gut zu sagen 195.000 U.S Dollar das ist anrüchig!
multi_io 07.03.2019
3.
Tja, genau wegen sowas gibt's die Auflage, dass angehende Präsidenten sich von ihren Geschäften trennen müssen. Warum nochmal sollte das nicht für Trump gelten?
sven2016 07.03.2019
4. Genau wegen derartiger Konflikte
gibt es die Regel, dass ein Präsident sich aus den Geschäften komplett zurückzuziehen hat. Um eben nicht aufwendig ermitteln zu müssen, welche Entscheidungen seine Regierung nur aus finanziellem Eigeninteresse trifft. Aber für die Trump-Kushner-Familie gilt das nicht. Da beschwert man sich dann über eine weitere Hexenjagd. Der T-Mobile-Fuzzy streitet den Versuch ja überhaupt nicht ab. Krass.
hansgustor 07.03.2019
5. Reingefallen
Da sind die Demokraten aber auf den Trick reingefallen. Richtig wertvoll wird die Aktion für Trump ja erst durch die Berichterstattung. 52 Übernachtungen hören sich jetzt nicht besonders viel an, bei 263 Räumen.
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