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Schockbilder: Anti-Raucher-Kampf in den USA

Foto: REUTERS/ FDA

Tabak-Streit Konzerne klagen gegen Ekelbilder auf Zigarettenschachteln

Eine Leiche mit zugenähtem Brustkorb, schwarze Raucherlungen: Tabakkonzerne in Amerika müssen künftig solche Motive auf Zigarettenschachteln drucken. Jetzt schlägt die Milliarden-Dollar-Industrie zurück - und verklagt die US-Regierung.

Columbia - Der Streit um Ekelbilder auf Zigarettenschachteln eskaliert: Vier der fünf größten US-Tabakfirmen haben am Dienstag eine Klage gegen die US-Regierung eingereicht.

Nie zuvor in den USA seien Hersteller eines legal produzierten Produkts verpflichtet worden, auf ihrer eigenen Verpackung und in ihrer Werbung eine emotional aufgeladene Botschaft der Regierung zu übermitteln, mit der erwachsene Verbraucher dazu gedrängt werden, ihre Produkte zu meiden, heißt es darin.

Die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA verlangt von den Konzernen, dass sie künftig neue Warnungen auf die Packungen aller Zigarettenschachteln drucken. Es sind drastische Bilder : Sie zeigen unter anderem einen Mann mit einem Loch im Hals, aus dem Rauch herausquillt, schwarzgefärbte Raucherlungen oder eine Leiche mit zugenähtem Brustkorb (Beispiele: siehe oben).

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Zigarettenschachteln: Abstoßende Bilder statt bunter Logos

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Insgesamt neun solcher Motive hat die FDA Anfang Juni bestimmt. Sie wurden aus einer größeren Auswahl von Ekelbildern ausgewählt. Nach Plänen der FDA sollen die Etiketten jeweils die Hälfte der Vorder- und Rückseite einer Zigarettenpackung bedecken. Spätestens ab Oktober 2012 sollen alle Schachteln in den USA mit Warnbildern versehen sein. Nach Zahlen der FDA sterben jedes Jahr rund 443.000 Amerikaner an den Folgen des Tabakkonsums.

Wenig Chancen für ähnliche Fotos in Deutschland

Die Unternehmen protestieren - mit teils kruden Begründungen. Sie machen geltend, dass die neuen Aufdrucke Millionen Dollar kosten. Sie erforderten neue Maschinen, um die Warnungen häufig wechseln zu können. Mit den neuen Hinweisen seien sie zudem gezwungen, Warnungen der Regierung vor dem Rauchen besser sichtbar anzubringen als ihren eigenen Markennamen. Obendrein verstoße die Vorschrift gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Zu den Klägern gegen die US-Regierung gehören R.J. Reynolds, Lorillard, Commonwealth Brands, Liggett Group und die Santa Fe Natural Tobacco Company. Die Altria Group, Mutterkonzern des größten US-Zigarettenherstellers Philip Morris, hat sich der Klage nicht angeschlossen.

In anderen Ländern sind solche Ekelbilder längst gang und gäbe. Unter anderem müssen Raucher in Belgien, Großbritannien, Rumänien oder Lettland damit leben. Die australische Regierung will Tabakkonzernen sogar verbieten, ihre Markenlogos auf Zigarettenschachteln abzudrucken - und stattdessen Bilder verfaulter Zähne und erkrankter Lungen zeigen.

Auch in Deutschland wurde das Thema lange debattiert. Eigentlich sollten Schreckensbilder längst auf Zigarettenschachteln zu sehen sein. Im Mai 2009 hatte die damalige Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) angekündigt, die abschreckenden Fotos spätestens 2010 einzuführen. Doch diese Pläne sind inzwischen Makulatur.

ssu/dapd
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