Tankflugzeug-Ausschreibung Pentagon will Airbus zweite Chance geben

Im Bieterwettbewerb um den Milliardenauftrag über 179 Tankflugzeuge könnte sich EADS nun doch gegen Boeing durchsetzen. Das Pentagon will offenbar die Frist für die Einreichung eines Angebots verlängern - damit hätte der Konzern Zeit, sich einen neuen Partner zu suchen oder einen Alleingang zu planen.

EADS-Chef Gallois: "Unmöglich, bis Mai ein Angebot vorzulegen"
AP

EADS-Chef Gallois: "Unmöglich, bis Mai ein Angebot vorzulegen"


Washington - Neue Chance für EADS: Im Streit um die Vergabe eines Milliardenauftrags für US-Tankflugzeuge will das US-Verteidigungsministerium offenbar die Frist für die Einreichung der Angebote verlängern. Das Pentagon sei vom Airbus-Mutterkonzern EADS darüber informiert worden, dass EADS nicht ausschließe, wieder in das Bieterverfahren einzusteigen, teilte Ministeriumssprecher Geoff Morrell am Donnerstag in einer E-Mail mit. "Wenn nötig, können wir eine Verlängerung der Frist für die Angebote in Erwägung ziehen", hieß es darin. Ein solcher Schritt sei ohnehin "nicht unüblich".

Derzeit läuft die Abgabefrist bis zum 10. Mai. Nach Ansicht von EADS-Chef Louis Gallois ist die Zeitspanne zu kurz, um im Alleingang ein Gebot einzureichen oder noch einen Partner dafür zu finden.

EADS-Chef Louis Gallois hatte am Donnerstag vor Journalisten in New York erklärt, der Konzern habe noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob er erneut ein Angebot vorlegt, dies aber auch nicht ausgeschlossen. In jedem Fall sei es EADS "unmöglich", bis Mitte Mai ein Angebot einzureichen. Diese Frist blieb EADS, nachdem sich sein Partner Northrop Grumman zurückgezogen hatte.

Auftrag ist Riesenchance für EADS

Das von deutschen und französischen Anteilseignern dominierte Unternehmen EADS und sein US-Partner Northrop Grumman hatten Anfang des Monats ihren Rückzug aus dem Bieterwettbewerb über 179 Tankflugzeuge für das US-Militär im Wert von 35 Milliarden Dollar verkündet.Beide Konzerne begründeten dies mit unfairen Wettbewerbsbedingungen und beklagten, dass die Ausschreibung voll auf den Konkurrenten Boeing zugeschrieben worden sei.

Eigentlich hatten Northrop Grumman und EADS den Auftrag 2008 bereits in der Tasche, Boeing ging aber erfolgreich dagegen vor: Der Rechnungshof des Kongresses erklärte das Vergabeverfahren für fehlerhaft und empfahl dem Pentagon die Neuausschreibung.

Der Auftrag für die Tankflugzeuge ist eine Riesenchance für EADS, denn damit könnte der Luftfahrtkonzern eine Produktionsstätte in den USA errichten - ein enormer strategischer Vorteil.

Der Grund liegt in den Währungsrisiken, mit denen EADS kämpft. Flugzeuge werden von den Airlines normalerweise in Dollar bestellt. Da der Dollar in jüngster Zeit an Wert verloren hat, die Löhne in europäischen Werken aber in Euro bezahlt werden, bedeutet eine schwache US-Währung für EADS immer einen Verlust. Bei einem eigenen Werk in den USA wäre das anders. Der Konzern könnte sein Dollar-Risiko erheblich senken.

fro/dpa/AFP

insgesamt 207 Beiträge
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medienquadrat, 09.03.2010
1. ...
wäre das umgekehrt zugunsten Airbus passiert, würden wir doch alle jubeln.
Fangio 09.03.2010
2. Weltfremde Frage
Darauf hätte man Geld setzen sollen, dass das so ausgeht. Glaubt jemand, hierzulande wäre ausschreibungstechnisch anders verfahren worden, mit dem Blick auf unsere eigene Arbeitsmarktsituation? Die Jacke ist nunmal näher als die Hose, nicht schön aber so läuft das eben.
sitiwati 09.03.2010
3. yes, we can
Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hatten vier europäische Regierungschefs im Dezember zudem US-Präsident Barack Obama schriftlich um einen fairen Wettbewerb bei der Tanker-Neuausschreibung gebeten. Doch "der Präsident hat noch nicht einmal eine Antwort für erforderlich erachtet", sagte ein Insider der Zeitung. "Das ist einmalig in der Geschichte der Nato und die Botschaft ist, dass diese US-Regierung nicht an einer offenen und fairen Zusammenarbeit in der Rüstungsbeschaffung interessiert ist."
E. Bär, 09.03.2010
4.
Zitat von sysopTransatlantischer Krach mit Ansage: Nach dem Ausstieg des Airbus-Konsortiums aus dem Wettbewerb um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Air-Force sind die Europäer verstimmt. Sie werfen der US-Regierung Protektionismus und mangelnde Fairness vor. Zurecht?
Fairness im allseits gepriesenen Wettbewerb? Haha.
Eppelein von Gailingen 09.03.2010
5. Regierung wirft USA Protektionismus vor
Zitat von sysopTransatlantischer Krach mit Ansage: Nach dem Ausstieg des Airbus-Konsortiums aus dem Wettbewerb um den milliardenschweren Tankflugzeug-Auftrag der US-Air-Force sind die Europäer verstimmt. Sie werfen der US-Regierung Protektionismus und mangelnde Fairness vor. Zurecht?
Es ist doch nicht das erste Mal, dass die überheblichen, selbsternannten Weltdirigenten ihre Vorteile nutzen. Wozu regen sich unsere Politiker überhaupt so gekünstelt auf. Sie können sich nur über ihre eigene Dummheit eschoffieren, weil sie z.B. der GM und ihrem Kreditbegehren entgegenkommen wollen. Wer aber nicht clever ist, kann die trickreichen Yankees nicht hinters Licht führen.
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