Tarifkonflikt Bahn sammelt sich für die letzte Runde mit der EVG

Auch wenn die Züge bei der Deutschen Bahn derzeit ohne Streik-Behinderung rollen: Der Tarifstreit mit den zwei konkurrierenden Gewerkschaften ist noch keineswegs beigelegt. Die erste Etappe soll heute gelingen.

EVG-Vize Rusch-Ziemba, Personalchef Weber: Streik unwahrscheinlich
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EVG-Vize Rusch-Ziemba, Personalchef Weber: Streik unwahrscheinlich


An diesem Mittwoch könnte es einen großen Fortschritt geben - wenn es den Unterhändlern der Bahn gelingt, sich mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu einigen. Dann könnte der Konzern die nächste große Aufgabe angehen, sich mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in einer Schlichtung auf ein neues Tarifwerk zu verständigen.

Was passiert an diesem Mittwoch?

Zunächst treffen sich morgens in Berlin die Verhandlungsdelegationen von Bahn und EVG. Die Gewerkschaft möchte unbedingt, dass diese 13. Runde die letzte ist. Sie dringt auf einen Tarifabschluss. Auch die Bahn ist daran interessiert. Der Konzern wird am selben Tag außerdem in die Schlichtung mit der Lokführergewerkschaft GDL einsteigen. Ort und Uhrzeit wurden nicht mitgeteilt.

Wie stehen die Einigungschancen zwischen Bahn und EVG?

Sie sind ziemlich groß. Denn "in wesentlichen Punkten ist Einvernehmen erzielt worden", so die EVG. Dennoch gelang am vorigen Freitag noch kein Abschluss. Nun sollen die letzten Hürden genommen werden. EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba hat am Vortag den Druck noch einmal zu erhöhen versucht: "Bis zum frühen Nachmittag sollten wir Klarheit haben - so oder so." Das heißt: Entweder Tarifeinigung oder Arbeitskampf. Die EVG will für rund 160.000 Bahn-Beschäftigte mehr Geld herausholen. Das jüngste Bahn-Angebot von 3,4 Prozent und 1,5 Prozent Einkommenserhöhung in zwei Schritten bei 28 Monaten Vertragsdauer ist ihr zu wenig.

Ist in nächster Zeit wieder mit Streiks bei der Bahn zu rechnen?

Wahrscheinlich nicht. Für das Schlichtungsverfahren mit der GDL ist eine dreiwöchige Friedenspflicht vereinbart. Die bei der GDL organisierten Lokführer dürfen deshalb bis zum 17. Juni nicht streiken. Seitens der EVG sind erste Warnstreiks zu erwarten, wenn der Tarifabschluss am Mittwoch doch nicht zustande kommt.

Auf welcher Grundlage beginnt die Schlichtung?

Die Details der Schlichtungsvereinbarung wurden nicht veröffentlicht. Dennoch ist klar, dass es auch in den heiklen Streitfragen keine Vorbedingungen gibt. Das bedeutet: Die Bahn hat akzeptiert, dass die GDL eigenständige Tarifverträge für alle Berufsgruppen aushandeln darf. Die GDL erkennt umgekehrt an, dass die Bahn für ein und dieselbe Berufsgruppen mit EVG und GDL möglichst die gleichen Tarifergebnisse erzielen will. In der Schlichtung muss ausgehandelt werden, wie die Berufsgruppen in das komplexe Tarifwerk mit Flächen- und Haustarifvertrag eingebunden werden. Schließlich streitet die GDL für höhere Einkommen und eine geringere Arbeitsbelastung.

Wer schlichtet?

Die Bahn hat den früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) als Schlichter benannt, die GDL den Thüringer Regierungschef Bodo Ramelow (Linke). Sie sollen zwischen den gleich großen Delegationen von Bahn und GDL vermitteln.

Hängt die EVG-Tarifrunde mit der GDL-Schlichtung zusammen?

Ja. Zwar werden die Verhandlungen mit der EVG einerseits und die Schlichtung zwischen Bahn und GDL andererseits getrennt geführt. Da aber die GDL nun auch für Zugbegleiter, Bordgastronomen, Lokrangierführer und Planer Tarifverträge aushandeln will, besteht ein Zusammenhang. Denn bei dieser Berufsgruppe hatte bislang die EVG die Federführung. Sollte wie erwartet zuerst ein Vertrag mit der EVG unterzeichnet sein und später die GDL günstigere Konditionen für ihre Leute herausholen, will die EVG ein Sonderkündigungsrecht. Das heißt, ein guter GDL-Abschluss zöge weitere Verhandlungen mit der EVG nach sich.

mik/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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hevopi 27.05.2015
1. Die können gerne noch Monate verhandeln,
bitte aber nicht mehr auf Kosten der Nutzer, die durch die grenzenlosen Forderungen und anschließenden Streiks der GDL genug gelitten haben. Diese Gewerkschaft hat die Möglichkeiten übertrieben und wird von keinem vernünftigen Menschen (außer Mitgliedern) mehr akzeptiert.
rkinfo 27.05.2015
2. Absurde Situation ohne Tarifeinheit
Es ist völlig chaotisch wenn die Tarifeinheit fehlt. Der Gedanke dass eine Gewerkschaften gerade Schlichtungpause macht und die Andere streikt ist Gaga pur.
Stäffelesrutscher 27.05.2015
3.
Zitat von rkinfoEs ist völlig chaotisch wenn die Tarifeinheit fehlt. Der Gedanke dass eine Gewerkschaften gerade Schlichtungpause macht und die Andere streikt ist Gaga pur.
Gaga pur ist es, wenn ein Unternehmen in zig Teile aufgesplittert wird, um nach unterschiedlichen Tarifen oder teilweise ohne Tarif bezahlen zu können (und nebenbei Betriebsräte aushebeln zu können). Ich habe noch nicht erlebt, dass der Gesetzgeber sich da mit Wutgebrüll »Tarifeinheit!« den Eigentümer vorgeknöpft hätte.
a_robert 27.05.2015
4. Schlichtungsvereinbarung
Wo kann ich diese "Schlichtungsvereinbarung Bahn – GDL" nachlesen? Die hier schreibenden GDLer tun ja immer so, als hätten sie alle Infos direkt von Weselsky.
zick-zack 27.05.2015
5. kein Problem
Mit den Ja-Sagern von der EVG gibts keine Probleme. Das ist doch nur ne Pseudo-Gewerkschaft. Ich frage mich, wieso die Mitglieder das nicht merken. Naja, Fahrdienstleiter halt... Die sind ja auch der Meinung, SIE fahren die Züge.
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