Treffen mit GDL und EVG Spitzengespräch der Bahn-Gewerkschafter scheitert

Die Belegschaft der Deutschen Bahn bleibt gespalten. Ein Spitzengespräch der Gewerkschaften über die Frage, wer künftig welche Berufsgruppe vertreten darf, endete ergebnislos. Die EVG gibt der GDL die Schuld.

Hauptbahnhof in Frankfurt am Main: Streit um Zugpersonal geht weiter
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Hauptbahnhof in Frankfurt am Main: Streit um Zugpersonal geht weiter


Berlin - Der Machtkampf zwischen der Deutschen Bahn und den zerstrittenen Bahngewerkschaften geht weiter. Ein Spitzengespräch zwischen dem Konzern, der Lokführergewerkschaft GDL und der Eisenbahnergewerkschaft EVG ging ohne Lösung zu Ende. Das teilte die EVG nach dem Treffen mit. Sie gab die Schuld für das Scheitern der Gespräche der konkurrierenden GDL. "Wir hatten die Chance, die Spaltung der Belegschaft zu verhindern, das ist am Widerstand der GDL gescheitert", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner.

Die EVG drohte bereits vor den Gesprächen mit Streiks. Bislang hatte nur die GDL zu diesem Mittel gegriffen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Die GDL will für das gesamte fahrende Personal verhandeln. Die EVG hingegen sieht die Zugbegleiter als ihre Klientel an und beansprucht die Verhandlungsführung für diese Mitarbeiter für sich. Bei dem Gespräch am Dienstagabend wollten die Parteien ausloten, ob eine Lösung des Streits in Form von zwei inhaltlich identischen Tarifverträgen der Bahn mit EVG und GDL herbeigeführt werden kann.

Die Ziele, die beide Gewerkschaften für Lokführer und Zugpersonal erreichen wollen, unterscheiden sich nur in Nuancen. Die EVG fordert sechs Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 150 Euro. Die GDL fünf Prozent und eine Arbeitszeitverkürzung um zwei auf 37 Stunden pro Woche und eine spürbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Dass die Auseinandersetzung trotzdem so unerbittlich geführt wird, liegt am Alleinvertretungsanspruch, den beide Gewerkschaften für ihre Mitglieder erheben. Besonders GDL-Chef Claus Weselsky pocht darauf mit Hinweis auf die Koalitionsfreiheit im Grundgesetz. Kritiker werfen ihm jedoch vor, das Argument nur vorzuschieben, um seine Machtbasis zu erweitern - auf Kosten der anderen Mitarbeiter der Bahn.

Die Bahn steht der Auseinandersetzung beinahe ohnmächtig gegenüber. Denn sie hat praktisch keine Handhabe, gemeinsame Verhandlungen mit beiden Gewerkschaften zu erzwingen - oder gar deren Unterschrift unter einen gemeinsamen Tarifvertrag. Klar ist auch, dass jede Eskalation auf ihre Kosten geht. Wenn beide Gewerkschaften in gegenseitiger Konkurrenz immer höhere Forderungen stellen, um ihre Attraktivität in den Augen der Bahn-Mitarbeiter zu steigern, wird das am Ende teuer für die Bahn.

Nur Opfer der Situation ist die Bahn indes auch nicht. Mit der Rosskur im Vorfeld des geplanten Börsengangs hatte der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn die Arbeitsbedingungen verschärft. Der massive Personalabbau hatte zur Folge, dass Lokführer, Zugbegleiter und Stellwärter massenweise Überstunden anhäuften. Das haben die Mitarbeiter dem Unternehmen bis heute nicht vergessen und zeigen sich entsprechend kompromisslos.

Überblick: Der Tarifkonflikt bei der Bahn
Was will die GDL?
Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn bei kürzeren Arbeitszeiten. Zusammengerechnet ergibt sich eine Steigerung von 15 Prozent. Weselsky will zudem künftig nicht nur Tarife für die rund 19.000 Lokführer aushandeln, sondern auch für die Zugbegleiter und Rangierführer unter den GDL-Mitgliedern. Bislang wurden diese von der Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten.
Was bietet die Bahn?
Die Bahn bietet eine dreistufige Einkommenserhöhung um fünf Prozent, verteilt auf 30 Monate. Dazu eine Einmalzahlung von rund 325 Euro. Konkurrierende Tarifverträge innerhalb einer Berufsgruppe will der Konzern aber in jedem Fall vermeiden. Die Bahn hatte angeboten, bei Tarifgesprächen künftig parallel mit GDL und EVG zu verhandeln. Sollte dann nur eine Gewerkschaft einem Kompromiss zustimmen, soll dieser auch nur für ihre Mitglieder gelten. Die andere Gewerkschaft soll nach Willen der Bahn dann aber nicht mehr streiken dürfen.
Was kosten Bahnstreiks die Wirtschaft?
Streiks bei der Deutschen Bahn kosten die Wirtschaft nach Prognose von Forschern schnell einen dreistelligen Millionenbetrag, abhängig von Länge und Intensität. "Bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen sind in der Industrie Produktionsunterbrechungen zu erwarten", schreibt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). "Die Schäden können dann schnell auf mehr als 100 Millionen Euro pro Tag steigen."

jbe/AFP/dpa

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Seite 1
jamguy 19.11.2014
1. Teurungsrate
Scheiss drauf der Kunde zahlt letztendlich die erhöhte Zeche!
sag-geschwind 19.11.2014
2. Kleine Korrektur
"Die Bahn steht der Auseinandersetzung beinahe ohnmächtig gegenüber. " Das stimmt so nicht. Die Bahn kann einfach die Forderungen akzeptieren und das Personal entsprechend bezahlen. Die "Tarifeinheit" ist nur vorgeschoben, da die Bahn selbst mit Werkverträgen und Sub-Sub-Unternehmern keinerlei Probleme mit vielfachen Tarifen hat.
markzwanzig 19.11.2014
3.
Der Belegschaft des Deutschen Bahn bleiben gespaltet. Also wenn schon denn schon, und Stellwärter gibts zwar, aber ich denke mit Bezug auf das Problem in Mainz vor gut nem Jahr werden doch Stellwerker (Fahrdienstleiter) gemeint sein oder?
raeggaegandalf 19.11.2014
4. Vergessen...
Wenigstens mal ein objektiver Artikel zu diesem Thema. Vergessen zu erwähnen wird nur dass die EVG als gekaufter Arbeitgeberverein gilt, und viele Bahner verständlicherweise einen Wechsel zur GDL begrüßen.
Rammsteiner73 19.11.2014
5. Hintergrund
Jetzt geht das arbeitgeberfreundliche Bashing der GDL gleich wieder los. Schon mal drüber nachgedacht, dass die GDL die Interessen ihrer Mitglieder vertreten muss?! Nicht ohne Grund hat die GDL immer mehr Mitglieder auch in anderen Bereichen! Endlich wieder eine Gewerkschaft, die auch für Ihre Mitglieder da ist und kämpft! Nicht wie die weichgespülten, arbeitgeberfreundlichen DGB und Hausgewerkschaften z. B. die EVG! Diese zahnlosen Bürokratie- und Papiermonster sehen ihre Felle davonschwimmen und machen mit der NRO der BRD und den Arbeitgeber Verbänden gemeinsame Sache in Richtung Tarifeinheit - das gab's übrigens schon in der DDR mit nur 2 Gewerkschaften landesweit... FDGB und VDGB... Meine Unterstützung hat die GDL jedenfalls! Hart und konsequent bei der Sache. Möge eure Streikkasse immer gut gefüllt sein!
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