Tarifkonflikt Lufthansa erwägt Ver.di-Ausstieg

Lufthansa setzt in der Küche den Rotstift an: Der Konzern soll Stellen- und Lohnkürzungen in der Cateringsparte planen. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es zudem Überlegungen, Ver.di zugunsten einer für Lufthansa günstigeren Gewerkschaft zu verlassen.


Frankfurt am Main - Der Lufthansa droht erneut ein massiver Konflikt mit wichtigen Teilen der Belegschaft. Diesmal geht es unter anderem um die Bodenbediensteten und Mitarbeiter der Technik- , IT- und Frachtsparte.

Anfang Juni sickerte am Rand von Tarifverhandlungen für die insgesamt rund 50.000 Beschäftigten durch, dass sich der Konzern im Rahmen seines großangelegten Sparprogramms "Climb 2011" angeblich von Teilen seiner Cateringtochter LSG in Deutschland trennen will. Parallel dazu sollen die LSG-Mitarbeiter Lohneinbußen von bis zu 30 Prozent hinnehmen. Andernfalls, so Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer, könnten auch die übrigen Beschäftigten nicht mit Verbesserungen bei Arbeitszeit- und Ruhestandregelungen oder ihrer Gewinnbeteiligung rechnen.

Nach Darstellung von Sitzungsteilnehmern erwägt der Konzern sogar, mit der LSG aus dem Arbeitgeberverband auszutreten und zur Konkurrenzgewerkschaft NGG (Nahrung Genuss Gaststätten) zu wechseln. Dort sind die Löhne meist deutlich niedriger. "Uns wird das Messer auf die Brust gesetzt", empört sich der zuständige Ver.di-Beauftragte Erhard Ott. Ein Lufthansa-Sprecher wollte sich zu dem Vorgang unter Verweis auf die laufenden Tarifverhandlungen nicht äußern.

Die größte deutsche Fluggesellschaft sieht sich derweil mit ihrem "Climb 2011"-Plan auf Kurs. Von dem Einsparziel von 300 Millionen Euro im laufenden Jahr seien im Juni bereits 70 Prozent gesichert, sagte Projektleiter Thomas Klühr am Freitag der Mitarbeiterzeitung des Konzerns, "Lufthanseat". Er zeigte sich optimistisch, wie vorgesehen bis Ende 2011 die jährlichen Kosten im Lufthansa-Bereich Passage um eine Milliarde Euro drücken zu können.

Vergangenes Jahr war der Konzern erstmals seit 2003 in die roten Zahlen gerutscht. Bei 22,3 Milliarden Euro Umsatz stand unter dem Strich ein Verlust von 112 Millionen Euro.

Mit Material von dpa



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