Mehr Gehalt für Bankangestellte Ver.di und Arbeitgeber einigen sich im Tarifstreit

Einigung nach fünf Verhandlungsrunden: In der Bankbranche haben Gewerkschaft und Arbeitgeber den Tarifstreit beendet. Die Angestellten bekommen in diesem und kommenden Jahr jeweils zwei Prozent mehr Gehalt.

Warnstreik von Bankangestellten in Hannover (am 18. Juni): Vier Prozent mehr binnen 29 Monaten
DPA

Warnstreik von Bankangestellten in Hannover (am 18. Juni): Vier Prozent mehr binnen 29 Monaten


Rund 200.000 Bankbeschäftigte in Deutschland können nun planen: Bei den Tarifverhandlungen für die Branche haben sich die Gewerkschaft Ver.di und die Arbeitgeber in der fünften Runde geeinigt. Demnach sollen die Beschäftigten im privaten und öffentlichen Bankgewerbe in zwei Schritten vier Prozent mehr Gehalt bekommen, wie Arbeitgeber und Gewerkschaft mitteilten.

Konkret sollen die Gehälter ab September 2019 und dann ab November 2020 um jeweils zwei Prozent steigen. Auszubildende erhalten ab September 2019 eine Gehaltserhöhung um 60 Euro pro Monat. Der neue Gehaltstarifvertrag hat eine Laufzeit von 29 Monaten und gilt rückwirkend ab dem vergangenen Februar. Außer den Gehaltserhöhungen vereinbarten die Tarifpartner auch einige neue Regelungen zur Qualifizierung, Arbeitszeit, Ausbildung und Gesundheitsschutz. So hat nun jeder Mitarbeiter zum Beispiel ein Recht auf ein jährliches Qualifizierungsgespräch.

Die Gewerkschaft zeigte sich in einer Mitteilung zufrieden: "Nach fünf Verhandlungsrunden mit 45 Verhandlungsstunden haben wir ein umfangreiches Gesamtpaket ausgehandelt, das eine deutliche Verbesserung gegenüber dem letzten Arbeitgeberangebot darstellt", sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Meister.

Der Verhandlungsführer sprach von 12.000 Angestellten, die sich in den vergangenen Wochen an Warnstreiks beteiligt hätten. Bereits im April hatten Tausende Bankangestellte in Hamburg die Arbeit niedergelegt. Bevor die Einigung in Kraft treten kann, wird die Gewerkschaft noch in einer Mitgliederbefragung über sie abstimmen lassen.

Ursprünglich hatte Ver.di mit sechs Prozent bezogen auf ein Jahr deutlich mehr Geld sowie sechs Gesundheits- und Entlastungstage gefordert.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
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Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

fdi/AFP

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Seite 1
haarer.15 04.07.2019
1. Bankbranche - ein zäh erreichtes Ergebnis
Eine Branche mit den fast schon geringsten Gehaltszuwächsen. Mit Fairness hat das eigentlich nichts mehr zu tun. Die kleinen Angestellten, die sich wachsendem Arbeitsdruck ausgesetzt fühlen, baden nur das aus, was ihre gierige Führungselite, die Manager in der Vergangenheit angerichtet haben. Jetzt darf nicht gemault werden. Liegt auch daran, dass sich die Beschäftigten in dieser Branche einfach zuwenig organisieren. Das Ergebnis ist bescheiden, aber dadurch auch nachvollziehbar.
Kurt-C. Hose 04.07.2019
2. Letzte Runde
Angesichts der Digitalisierung werden die nächsten Verhandlungsrunden von Gewerkschaftern mit Banken sich nur noch um den Resterhalt von Arbeitsplätzen drehen. Den Geschäftsbanken steht wegen der Niedrigzinsen wirtschaftlich das Wasser außerdem eh bis zum Hals.
tomjoad70 04.07.2019
3. Zuwachsraten allein ist wenig aussagekräftig
Zitat von haarer.15Eine Branche mit den fast schon geringsten Gehaltszuwächsen. Mit Fairness hat das eigentlich nichts mehr zu tun. Die kleinen Angestellten, die sich wachsendem Arbeitsdruck ausgesetzt fühlen, baden nur das aus, was ihre gierige Führungselite, die Manager in der Vergangenheit angerichtet haben. Jetzt darf nicht gemault werden. Liegt auch daran, dass sich die Beschäftigten in dieser Branche einfach zuwenig organisieren. Das Ergebnis ist bescheiden, aber dadurch auch nachvollziehbar.
Nicht unbedingt falsch, jedoch blendet es einen signifikanten Teil der Realität aus. Dass der Bankensektor in den letzten Jahren massiv Filialen geschlossen und in den verbliebenen Filialen Personal eingespart hat, ist unbestreitbar. Trotzdem bleibt Bankkaufmann ein Beruf, in dem jemand auch ohne Studium noch überdurchschnittlich viel Geld verdienen kann. Das Einstiegsgehalt (ohne Studium) hört sich mit 28.000 bis 30.000 Euro brutto p.a. noch recht bescheiden an. Als Hochschulabsolvent verdient man zum Einstieg bereits 52.924 Euro brutto p.a. Erzählen Sie das mal einem wissenschaftlichen Mitarbeiter im akademischen Mittelbau (mir z.B.). Von Angestellten im Einzelhandel oder Handwerk ganz zu schweigen. Sie haben natürlich recht, der Unterschied zwischen einfachen Angestellten und mittlerem Management oder gar Führungspositionen ist geradezu lächerlich. Doch das ist beinahe überall in der Wirtschaft so. Und außerdem: Zuwachs errechnet sich von dem, was bereits da ist. Und da ist die Berechnungsbasis im Bankenwesen dann doch überdurchschnittlich hoch. Ein wenig jammern Banker da schon auf hohem Niveau.
yvowald@freenet.de 04.07.2019
4. An den Vorstandsbezügen orientieren
Zitat von haarer.15Eine Branche mit den fast schon geringsten Gehaltszuwächsen. Mit Fairness hat das eigentlich nichts mehr zu tun. Die kleinen Angestellten, die sich wachsendem Arbeitsdruck ausgesetzt fühlen, baden nur das aus, was ihre gierige Führungselite, die Manager in der Vergangenheit angerichtet haben. Jetzt darf nicht gemault werden. Liegt auch daran, dass sich die Beschäftigten in dieser Branche einfach zuwenig organisieren. Das Ergebnis ist bescheiden, aber dadurch auch nachvollziehbar.
Frage: Warum orientieren sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Bankgewerbe nicht einfach an den Gehaltserhöhungen der Bankenvorstände? Die geben sich mit mageren Zuwächsen niemals zufrieden und erhöhen ihre Vorstandsbezüge um wenigstens 20 Prozent oder mehr. Warum haben die Gewerkschaften nicht den Mut, sich an diesen Größen zu orientieren? Besser noch wäre eine Gehaltserhöhung - für alle gleich - von monatlich 250 EURO. Dann würde es die Scherenbewegung zwischen den kleinen und großen Einkommen nicht mehr geben. Also, nur Mut in den jeweiligen Tarifkommissionen.
Kurt-C. Hose 05.07.2019
5.
Zitat von yvowald@freenet.deFrage: Warum orientieren sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Bankgewerbe nicht einfach an den Gehaltserhöhungen der Bankenvorstände? Die geben sich mit mageren Zuwächsen niemals zufrieden und erhöhen ihre Vorstandsbezüge um wenigstens 20 Prozent oder mehr. Warum haben die Gewerkschaften nicht den Mut, sich an diesen Größen zu orientieren? Besser noch wäre eine Gehaltserhöhung - für alle gleich - von monatlich 250 EURO. Dann würde es die Scherenbewegung zwischen den kleinen und großen Einkommen nicht mehr geben. Also, nur Mut in den jeweiligen Tarifkommissionen.
Ein Vorstand kann sich nicht selbst die Bezüge erhöhen. Vorstandsbezüge werden vertraglich vom Aufsichtsrat festgelegt und sind das üblicherweise für 4 Jahre. Offensichtlich verhält sich Ihr Hang zur Polemik umgekehrt proportional zum Verständnis simpelster wirtschaftlicher Zusammenhänge.
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