Tarifstreit IG Metall startet Warnstreiks trotz Coronakrise

In der Nacht will die IG Metall trotz Pandemie bundesweite Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie beginnen. Die Arbeitgeber warnten vor einer Gefahr für die sich gerade etwas erholende Industrie.
IG Metall-Fahne an Auto: Tausende Teilnehmer bei Protesttag

IG Metall-Fahne an Auto: Tausende Teilnehmer bei Protesttag

Foto: Thomas Frey / dpa

In der Nacht läuft die Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie mit ihren rund 3,8 Millionen Beschäftigten aus. Und die IG Metall hat sich im Tarifstreit mit den Arbeitgebern mit Aktionen in Hunderten Betrieben bereits für Warnstreiks warmgelaufen.

Geplant sind nächtliche Arbeitsniederlegungen unter anderem im Bremer Daimler-Werk, in Hamburg bei Airbus Operations oder in Regensburg bei Mahle-Behr. Sie sollen unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht in der Nacht beginnen, wie der Gewerkschaftsvorstand ankündigte. Vergangenen März hatten sich die Tarifpartner in der Metallindustrie noch auf eine Nullrunde geeinigt, damit die Unternehmen gut durch die Coronakrise kommen.

Unter den Bedingungen der Covid-19-Pandemie wurden nun zunächst bei dem Aktionstag alternative Protestformen erprobt. Hierzu wurden Tarifhelden als Pappfiguren aufgestellt, es gab Lichtinstallationen, man setzte auf Fahrrad- und Autodemos. Auch mit »virtuellen Mittagspausen« und abstandsreichen Versammlungen vor den Werkstoren artikulierten Gewerkschafter diesen Montag ihren Protest. Die Gewerkschaft sprach von Tausenden Teilnehmern. Am Abend wurden die Aktionen im Rahmen eines Internetevents zusammengeführt.

Arbeitgeber kritisieren Warnstreiks als »nicht sinnvoll«

Die Arbeitgeber hatten die angekündigten Warnstreiks in der vergangenen Woche als »nicht sinnvoll« kritisiert. »Manche IG-Metaller-Seelen brauchen wohl ein bisschen Geklapper, aber sinnvoll ist das angesichts der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Lage unserer Industrie nicht«, sagte Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf dem »Handelsblatt«. Es gebe in der aktuellen wirtschaftlichen Situation nichts zu verteilen. »Wir sollten die leichte Erholung der Industrie, die wir zum Glück sehen, jetzt nicht durch Warnstreiks gefährden.«

Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, verteidigte nun die Streiks. »Was die Arbeitgeber uns bisher vorgelegt haben, sind Wundertüten ohne Inhalt«, sagte er. »Krisenbewältigung einseitig auf Kosten der Beschäftigten ist mit uns nicht zu machen.«

Protest am Mercedes-Werk Ludwigsfelde

Protest am Mercedes-Werk Ludwigsfelde

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Hofmann bekräftigte, dass es in dieser Tarifrunde vor allem um die Sicherung der Jobs gehe. »Wir lassen mit uns nicht Schlitten fahren in der Tarifrunde«, sagte er bei einer Kundgebung im schwäbischen Crailsheim. Die Lasten der Krise müssten gerecht verteilt werden.

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten vier Prozent mehr Lohn – wo es in einem Betrieb schlecht läuft, in Form von Lohnausgleich bei einer auf vier Tage abgesenkten Arbeitszeit. Die Arbeitgeber haben bislang Lohnerhöhungen frühestens für das Jahr 2022 in Aussicht gestellt und wollen automatische Abweichungen vom Tarifniveau für schwächere Betriebe.

apr/dpa/Reuters