Neuer Tarifvertrag IG Metall und Arbeitgeber einigen sich auf Pilotabschluss in der Metall- und Elektroindustrie

In der Metall- und Elektroindustrie haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf eine Coronaprämie sowie jährliche Sonderzahlungen verständigt. Dieser Pilotabschluss für NRW dürfte deutschlandweit übernommen werden.
Warnstreik der IG Metall in Leipzig: Neuer Tarifvertrag soll bis 30. September 2022 gelten

Warnstreik der IG Metall in Leipzig: Neuer Tarifvertrag soll bis 30. September 2022 gelten

Foto: Peter Endig / imago images/Peter Endig

In der Metall- und Elektroindustrie gibt es nach zehn Stunden Verhandlung von IG Metall und Arbeitgebern eine Einigung auf einen neuen Tarifvertrag. Sie vereinbarten für die Betriebe in Nordrhein-Westfalen eine Coronaprämie in Höhe von 500 Euro bis Ende Juni und eine prozentuale Entgeltsteigerung in Form eines neu geschaffenen Transformationsgeldes, wie beide Seiten mitteilten. Die Einigung gilt als Pilotabschluss, dessen Kernbestandteile voraussichtlich in den anderen Regionen und für die insgesamt rund 3,8 Millionen Beschäftigten übernommen werden.

Die Übereinkunft für die rund 700.000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen sieht zudem um 2,3 Prozent höhere Löhne und Ausbildungsvergütungen ab Juli vor. Diese Erhöhung wird allerdings zunächst für acht Monate angespart und dann im Februar 2022 in Form von 18,4 Prozent als Summe an die Beschäftigten ausgezahlt. Hierbei handelt es sich um den Einstieg in eine jährlich wiederkehrende Zahlung, die ab Februar 2023 dann 27,6 Prozent eines monatlichen Bruttoeinkommens entspricht. In Verbindung mit anderen Tarifelementen kann dieses Transformationsgeld dazu verwendet werden, die Arbeitszeit auf eine Viertagewoche zu verkürzen, ohne dass dies wesentliche Auswirkungen auf das monatliche Bruttoentgelt hat.

IG Metall: »Richtungsweisendes Ergebnis«

Der neue Tarifvertrag gilt rückwirkend zum 1. Januar 2021, hat eine Gesamtlaufzeit von 21 Monaten und endet am 30. September 2022. Der nordrhein-westfälische Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler, bezeichnete die Einigung als »richtungsweisendes Ergebnis«. Mit dem Abschluss bestehe die Möglichkeit, »eine Arbeitszeitverkürzung bei Beschäftigungsproblemen ohne wesentlichen Entgeltverlust zu finanzieren, wenn die Betriebsparteien sich darauf im Rahmen einer freiwilligen Betriebsvereinbarung verständigen«. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann zufolge sei erreicht worden, »dass die Krisenfolgen fair verteilt und nicht einseitig bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern abgeladen werden.«

Die IG Metall hatte für die mitarbeiterstärkste deutsche Industrie vier Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr gefordert. Trotz Pandemie hatte sie ihre Forderungen zuletzt mit einer Welle von Warnstreiks unterstrichen. Die Metallarbeitgeber hatten immer wieder betont, dass es wegen der Coronakrise wenig Spielraum für Lohnerhöhungen gebe. Sie forderten zudem die Einführung eines automatisch wirkenden tariflichen Entlastungsmechanismus für von der Krise besonders betroffene Betriebe. Es gehe vor allem darum, Arbeitsplätze zu sichern.

Dennoch zeigten sich auch die Arbeitgeber mit der nun getroffenen Einigung zufrieden. »Wir haben nicht nur eine lange Nacht hinter uns, sondern auch einen langen Weg. Aber es hat sich gelohnt. Wir haben unter den schwierigen Bedingungen von Rezession und Coronapandemie eine gute Lösung gefunden«, sagte Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf.

Gehaltstabelle bleibt unangetastet

Wolf verwies zudem auf eine sogenannte Pforzheim-Regelung, nach der freiwillige Betriebsvereinbarungen zur Abweichung von den tariflichen Regelungen vereinbart werden könnten, um beispielsweise einen Strukturwandel zu stemmen. Für Arbeitszeitabsenkungen seien die bestehenden Regelungen um eine ebenfalls durch eine freiwillige Betriebsvereinbarung einführbare Option ergänzt worden, nach der die Arbeitszeit für bis zu 36 Monate abgesenkt werden könne.

»Es gibt keine zusätzlichen Belastungen der Unternehmen in diesem Jahr, es gibt keinen Einstieg in eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung in unserer Branche, und wir haben mit der automatischen Differenzierung ein neues Prinzip eingeführt«, sagte Wolf. Und: »Wir haben unsere Ziele dieser Tarifrunde erreicht.«

Der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen, Arndt G. Kirchhoff, bezeichnete den Tarifkompromiss als »ein von Fairness, Vernunft und Weitsicht geprägtes Ergebnis«. Für die Unternehmen sei wichtig, dass sie »wie schon im Jahr 2020 auch im Jahr 2021 keine Erhöhung der Tabellenentgelte verkraften müssen«.

apr/dpa/Reuters