Tarifstreit Lokführer starten neue Warnstreiks

Die Lokführer bleiben hart - auf Kosten der Bahnfahrer: Die Gewerkschaft GDL will den Zugverkehr am Freitagvormittag drei Stunden lang lahmlegen. Die Arbeitgeber fürchten jedoch, dass es zu unbefristeten Streiks kommt.

Anzeigetafel am Hamburger Hauptbahnhof: "Stück aus dem tarifpolitischen Tollhaus"
dpa

Anzeigetafel am Hamburger Hauptbahnhof: "Stück aus dem tarifpolitischen Tollhaus"


Berlin - Bahnfahrer müssen am Freitagvormittag viel Geduld haben: Drei Stunden lang will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bundesweit streiken, die S-Bahn Berlin ausgenommen. Die Arbeitsniederlegung von 08.30 bis 11.30 Uhr sei eine Antwort auf ein Angebot der Arbeitgeber, "das unter dem liegt, was die Lokführer bereits haben", sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky.

Es ist der dritte Warnstreik der Lokführer im seit Monaten andauernden Tarifstreit über einen einheitlichen Rahmentarifvertrag. Bislang ist eine Einigung mit den Arbeitgebern nicht in Sicht: So läuft eine halbe Stunde nach dem voraussichtlichen Ende des Warnstreiks ein Ultimatum des Arbeitgeberverbands Move an die Lokführergewerkschaft GDL aus. Move vertritt die Deutsche Bahn AG und ihre Tochterunternehmen in den laufenden Tarifverhandlungen.

In einem Schreiben an Weselsky, das der Nachrichtenagentur dapd vorliegt, wurde die Gewerkschaft aufgefordert, bis Freitagmittag, alle Arbeitskampfmaßnahmen einzustellen. Zudem solle die GDL die laufende Urabstimmung für unbefristete Streiks aussetzen, deren Stimmenauszählung für Montag vorgesehen ist. "Für solche Maßnahmen hat bisher keine Rechtfertigung bestanden", schrieb Move-Verhandlungsführer Werner Bayreuther.

Er berief sich im Wesentlichen auf die von beiden Tarifparteien unterschriebene Vereinbarung vom Juli vergangenen Jahres, wonach die Vertreter der Bahn AG einen Bundesrahmentarifvertrag für Lokführer erst unterschreiben, wenn so viele weitere Privatbahnen inhaltsgleiche Tarifverträge unterschrieben haben, "dass mehr als die Hälfte der nicht im Bahnkonzern beschäftigten Lokführer von diesen Regelungen erfasst sind".

Bahn-Arbeitgeber wollen "vorbehaltlos verhandeln"

Die GDL vertritt rund 26.000 Lokführer, von denen rund 20.000 bei der DB AG beschäftigt sind. Es müssten also Unterschriften unter Tarifverträge gesetzt werden, die für mehr als 3000 Lokführer außerhalb des DB-Konzerns gelten. Zugleich erklärte der Verband seine Bereitschaft, "über alle Einzelheiten des Entwurfs vorbehaltlos zu verhandeln".

Mit dem Tarifvertrag, für den die GDL am 10. Januar 2011 einen Entwurf vorgelegt hat, sollen einheitliche Arbeitsbedingungen für alle bei der Deutschen Bahn AG und den Privatbahnen beschäftigten Lokomotivführer hergestellt werden.

Weselsky wies die Forderungen der Arbeitgeber am Donnerstag zurück: "Das ist ein Stück aus dem tarifpolitischen Tollhaus." Das heiße im Klartext, dass die GDL Gremienbeschlüsse und damit die Meinung ihrer Mitglieder ignorieren solle, schimpfte er: "Auf diese Dreistigkeit werden unsere Mitglieder an diesem Freitag die passende Antwort mit einem zusätzlichen Warnstreik geben."

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber appellierte in Leipzig zugleich öffentlich an die Gewerkschaft, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Mit einem Arbeitskampf sei es unmöglich, zu einer Einigung im Tarifstreit zu kommen.

yes/dapd/dpa

insgesamt 1202 Beiträge
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Seite 1
kdshp 25.10.2010
1.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Hallo, nicht die Gewerkschaften profilieren sich hier auf kosten der kunden sondern die bahn/der arbeitgeber.
08154711, 25.10.2010
2. Kein Titelzwang.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Was bezwecken Sie eigentlich mit dieser tendenziösen Fragestellung? Der SPON sollte mehr Unabhängigkeit zeigen oder sponsert die Bahn irgendwelche Anzeigen?
murrle01 25.10.2010
3. Bin gegen jeden Streik.....
der Andere beeinträchtigt. In diesem Fall würde von einem Erfolg aber sogar die DB Vorteile haben. Da bei Ausschreibungen fast immer die privaten Betreiber den Zuschlag bekamen, den sie auch durch geringere Lohnkosten erreichten. Wenn die Privaten die gleichen Kosten hätten, käme die DB wieder in den "Genuss" mehr Strecken bedienen zu können. murrle01
Tom der Dino 25.10.2010
4. hmmmpf
Zitat von 08154711Was bezwecken Sie eigentlich mit dieser tendenziösen Fragestellung? Der SPON sollte mehr Unabhängigkeit zeigen oder sponsert die Bahn irgendwelche Anzeigen?
In meinem Geschichtsunterricht habe tendenziöse Fragen zu regen Diskussionen geführt und damit die Entwicklung selbstständig denkender Menschen gefördert. In einem Diskussionsforum ist das absolut in Ordnung, in einem Zeitungsartikel dagegen nicht.
Michael Giertz, 25.10.2010
5.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Und wie soll sonst ein Streik wirken, wenn er niemandem wehtut? 'n Streik ohne wirtschaftliche Folgen ist so sinnvoll wie ein Kühlschrank in der Antarktis. Es wäre nur sinnvoller, wenn die Gewerkschaft kommuniziert, warum gestreikt wird - und Missstände aufzeigen. Eben das mit den Reinigungskräften bei der Bahn. Wenn der Kunde sieht, dass eben nicht wegen 5% mehr Lohn gestreikt wird, sondern damit sich die Arbeitsbedingungen bessern, hat er vielleicht auch mehr Verständnis für den Streik.
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