Tarifeinigung Stahlarbeiter erhalten vier Prozent mehr Lohn

Nach vier Verhandlungsrunden haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt: Stahlarbeiter bekommen vier Prozent mehr Lohn. Die Erhöhung erfolgt in zwei Schritten.

Arbeiter am Hochofen bei Salzgitter: Vier Prozent mehr für Stahlarbeiter
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Arbeiter am Hochofen bei Salzgitter: Vier Prozent mehr für Stahlarbeiter


Gelsenkirchen - Weitere Warnstreiks oder gar ein unbefristeter Streik in der nordwestdeutschen Stahlindustrie sind abgewendet, denn Arbeitgeber und IG Metall haben ihren Tarifstreit beigelegt. Die rund 75.000 Beschäftigten erhalten ab diesem Juli für die nächsten 17 Monate in zwei Schritten mehr Geld. In den ersten zehn Monaten gibt es 2,3 Prozent mehr, ab 1. Mai 2015 für sechs Monate 1,7 Prozent. Damit erhalten die Stahlkocher von ThyssenKrupp, Salzgitter & Co. insgesamt vier Prozent mehr Lohn.

Zudem verständigten sich beide Seiten darauf, dass die unbefristete Übernahme der Auszubildenden bis Januar 2018 verlängert wird und Azubis monatlich 36 Euro mehr bekommen. Auch zur Altersteilzeit und den von den Gewerkschaften häufig als Lohndrückerei kritisierten Werkverträgen gab es eine Übereinkunft.

"Es ist ein Kompromiss an der Grenze dessen, was wir verkraften können", sagte Arbeitgeber-Präsident Helmut Koch. Die IG Metall hatte fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert. Der vergangene Tarifvertrag war Ende Mai ausgelaufen. Die Tarifkommission der IG Metall muss die Annahme des neuen Tarifvertrags noch absegnen. Er gilt für die Beschäftigten der Eisen- und Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen.

"Damit können unsere Kollegen gut leben", sagte IG Metall NRW-Chef Knut Giesler zur neuen Vereinbarung. Bei der Altersteilzeit sei erreicht worden, dass die Ansprüche der Beschäftigten auch nach der Einführung der Rente ab 63 erhalten blieben. Wegen des neuen Gesetzes zur Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren hätten zahlreiche Stahlarbeiter mit finanziellen Einbußen bei ihren Altersteilzeitverträgen, die bis zum 65. Lebensjahr laufen, rechnen müssen.

Standards bei Werkverträgen vereinbart

Bei den Werkverträgen vereinbarte die Gewerkschaft mit den Arbeitgebern Standards zur Einhaltung von Tarifverträgen, Sicherheitsbestimmungen und Arbeitszeiten. Die Entscheidungshoheit über die Einführung von Werkverträgen bleibe aber bei den Unternehmen, betonte Arbeitgeberchef Koch.

Die Gewerkschaft hatte in der vergangenen Woche auch mit Warnstreiks Druck gemacht, an denen sich 16.000 Stahlkocher beteiligt hatten. Sogar einen unbefristeten Streik hatte die IG Metall vor der vierten Verhandlungsrunde ins Gespräch gebracht. In der nordwestdeutschen Stahlindustrie hatten die Beschäftigten zuletzt zur Jahreswende 1978/79 unbefristet gestreikt. In dem sechswöchigen Arbeitskampf war es um die Einführung der 35-Stunden-Woche gegangen.

mmq/Reuters/dpa



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aurichter 08.07.2014
1. Augenwischerei
Die Stahlarbeiter bekommen nicht 4% mehr Lohn, sondern 2,3% und dann im zweiten Schritt einen weiteren Inflationsausgleich und eben nicht mehr. Selbst die Gewerkschaften benutzen diesen ver*rschenden Sprachgebrauch, hier wird der Arbeitnehmer für sehr dumm verkauft.
marthaimschnee 08.07.2014
2.
Hey, das ist ja eine reale Lohnerhöhung! Leider nicht durch einen guten Tarifabschluß, sondern lediglich durch den Umstand, daß die Inflation zu Boden getrampelt wurde. Ansonsten wäre es wieder nur ein Inflationsausgleich!
Joern-Michael 08.07.2014
3. Jammern auf hohem Niveau
Zitat von sysopDPANach vier Verhandlungsrunden haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt: Stahlarbeiter bekommen vier Prozent mehr Lohn. Die Erhöhung erfolgt in zwei Schritten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/tarifvertrag-in-der-stahlindustrie-lohnerhoehung-von-vier-prozent-a-979799.html
Wer unzufrieden mit dem Tarifabschluß ist und meint, "mal wieder nur den Inflationsausgleich" zu bekommen, sollte sich mal diese Tabellen (http://oeffentlicher-dienst.info/vergleich/entwicklung1/) in Ruhe zu Gemüte führen; insbesondere im Vergleich Metall-Tarife zur Teuerungsrate. Quelle ist die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.
Logical 08.07.2014
4. Armrechnerei
Die Inflationsrate ist innerhalb eines Jahres um ca. 6% gesunken. Mit Tarifverhandlungen und anderen Muskelspielereien pochen die Gewerkschaften natürlich auf ihre Existenzberechtigung und ziehen ihre Jünger in die Blase der Gleichgültigkeit. Keiner denkt darüber nach, dass die Goldenen Zeiten irgendwann mal vorbei sind und der globale Wirtschaftsmarkt zum Tigerkäfig wird. Allein der öffentliche Dienst kann weiterhin in die Gemeinschaftskasse greifen. Verlierer wie den Niedriglohnsektor, Rentner, Leistungsempfänger wird es immer geben. Danke DGB.
ingenör79 08.07.2014
5. Wer jammert
Zitat von Joern-MichaelWer unzufrieden mit dem Tarifabschluß ist und meint, "mal wieder nur den Inflationsausgleich" zu bekommen, sollte sich mal diese Tabellen (http://oeffentlicher-dienst.info/vergleich/entwicklung1/) in Ruhe zu Gemüte führen; insbesondere im Vergleich Metall-Tarife zur Teuerungsrate. Quelle ist die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.
denn? IG Metall sagt doch, das die Kollegen gut damit leben können!!! Das finde ich auch.
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