Teldafax-Skandal Verivox wehrt sich gegen Vorwurf unsauberer Geschäfte

Die Pleite des Stromanbieters Teldafax rückt auch das Vergleichsportal Verivox ins Zwielicht. Das Unternehmen soll laut Presseberichten mit Teldafax gemeinsame Sache gemacht und schon früh von den Zahlungsschwierigkeiten des Stromanbieters gewusst haben. Verivox weist die Vorwürfe zurück.

Teldafax-Zentrale in Troisdorf bei Bonn: Im Juni meldete das Unternehmen Insolvenz an
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Teldafax-Zentrale in Troisdorf bei Bonn: Im Juni meldete das Unternehmen Insolvenz an


Hamburg - Das Internetportal Verivox nennt sich unabhängig. Es gilt als seriöse Quelle für den Vergleich von Energiepreisen verschiedener Anbieter. Die Stiftung Warentest kürte es zum besten Vergleichsportal für Stromtarife. Und auch SPIEGEL ONLINE nutzte Berechnungen von Verivox bei der Berichterstattung.

Doch nun bekommt das Image des Unternehmens Risse. Zwei Zeitungen berichten über schwere Vorwürfe gegen Verivox. Die Heidelberger Firma soll den Stromanbieter Teldafax bevorzugt haben, der mittlerweile Insolvenz angemeldet hat.

Laut "Handelsblatt" soll Verivox geplante Preisänderungen von Konkurrenten an Teldafax weitergegeben haben. Auf diese Weise habe Teldafax seine eigenen Preise so anpassen können, dass es in den Ranglisten von Verivox fast permanent die obersten Plätze belegte. Dies habe ein ehemaliger Teldafax-Manager der Zeitung an Eides statt versichert.

"Alle Stromanbieter mussten Preisänderungen mit zwei Wochen Vorlauf an Verivox melden, damit die Infos in die Vergleichssoftware eingepflegt werden konnten", zitiert das "Handelsblatt" den Ex-Manager von Teldafax. "Der zuständige Mitarbeiter von Verivox sprach regelmäßig mit unserer Führung. So wussten wir, wann Konkurrenten Sonderangebote starten würden. Dann haben wir die Preise angepasst und standen im Verivox-Ranking weiter oben." Diesen "Sonderservice" habe sich Verivox gut bezahlen lassen. Bis zu 130 Euro seien für jeden Kunden, der über das Vergleichsportal zu Teldafax kam, an Verivox geflossen - mehr als das Doppelte der üblichen Provision.

Verivox weist die Vorwürfe zurück: "Wir behandeln alle Partner gleich", sagte eine Sprecherin auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE. Man habe den zuständigen Mitarbeiter befragt. Dieser habe schriftlich versichert, keine Informationen über Preisänderungen anderer Anbieter an Teldafax weitergereicht zu haben. Auch habe man von Teldafax keine höheren Provisionen verlangt als von Konkurrenten. Im Schnitt habe man pro Teldafax-Vertrag weniger als die Hälfte der genannten 130 Euro verdient.

Verivox wittert die Rache verärgerter Energieanbieter

"Wir haben ein einheitliches Provisionsschema, das allen Anbietern bekannt ist", sagte die Verivox-Sprecherin. Bei komplizierteren Tarifen verlange Verivox mehr Geld als bei einfachen, weil die Mitarbeiter auch Beratungsleistungen erbringen müssten. Das gelte zum Beispiel für die Vorauskasse-Tarife, bei denen Kunden zum Beispiel ein Jahr im Voraus ihre Energierechnungen zahlen müssen.

Mit solchen Tarifen hat auch Teldafax gearbeitet. Durch die Vorauszahlungen der Kunden hatte das Unternehmen seine Verluste im laufenden Geschäft ausgleichen können, die durch die oft extrem billigen Stromtarife angefallen waren. Dieses System war darauf angewiesen, dass immer neue Kunden kamen, die bereit waren, Vorauskasse zu leisten.

Als die Kundenzahl nicht mehr schnell genug stieg, geriet Teldafax in Zahlungsschwierigkeiten. Im Juni dieses Jahres musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Bis zu 750.000 Kunden sind betroffen. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Bereits im Herbst 2010 gab es kritische Presseberichte über das fragwürdige Geschäftsmodell von Teldafax. Laut "Financial Times Deutschland" könnte Verivox aber noch deutlich früher von Zahlungsschwierigkeiten bei dem Unternehmen gewusst haben.

Bereits im Spätsommer 2009 sei die Zahlung von Provisionen an Verivox und andere Vertriebspartner über Wochen ausgesetzt gewesen, sagte ein früherer Teldafax-Manager der Zeitung. Dennoch habe Verivox weiter Kunden an den klammen Stromanbieter geschleust.

Verivox weist auch diesen Vorwurf zurück. Erst 2010 habe das Unternehmen von Problemen bei Teldafax erfahren, sagte die Sprecherin. Damals habe man sich umgehend bei der zuständigen Behörde, der Bundesnetzagentur, erkundigt. Es habe aber keine belastenden Beweise gegeben.

Das Vergleichsportal vermutet hinter den Presseberichten einen gezielten Angriff verärgerter Energieversorger. In der Branche würden anonyme Anschuldigungen gegen Verivox gestreut, sagte die Sprecherin. "Wir arbeiten mit Verbraucherschützern zusammen und verschärfen regelmäßig unsere Richtlinien." Gerade im August habe man erneut strengere Regeln für die Energieanbieter eingeführt. Das habe offenbar zu Unmut geführt.

stk



insgesamt 19 Beiträge
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Walther Kempinski, 16.09.2011
1. Ja das ist ein Skandal
Auch wir haben einige hundert Euro verloren. Wir haben zwar keine Kaution hinterlegt gehabt, jedoch waren unsere Abschlagszahlungen für 2010 zu hoch. Wir haben weniger verbraucht als durch die Abschlagszahlungen angesetzt wurden. Man hatte uns daher versprochen, die Differenz zurück zu zahlen. Soweit so gut, doch dann kam die Insolvenz. Wahrscheinlich kriegen wir als kleine Gläubiger 23 Euro fuffzig zurück, nachdem die großen Riesen das Aas teldafax zerlegt haben.
qranqe, 16.09.2011
2. Verwunderung
Mich wundert schon lange, dass Verivox dauernd von anderen Medien als Verbraucherportal herangezogen wird. Seit jeher empfiehlt es den Anbieter FlexStrom, obwohl dort allergrößte Vorsicht geboten ist und von verschiedenen Seiten immer wieder gewarnt wird!
pj-hh 16.09.2011
3. Abschläge sind nicht in Stein gemeisselt.
Zitat von Walther KempinskiAuch wir haben einige hundert Euro verloren. Wir haben zwar keine Kaution hinterlegt gehabt, jedoch waren unsere Abschlagszahlungen für 2010 zu hoch. Wir haben weniger verbraucht als durch die Abschlagszahlungen angesetzt wurden. Man hatte uns daher versprochen, die Differenz zurück zu zahlen. Soweit so gut, doch dann kam die Insolvenz. Wahrscheinlich kriegen wir als kleine Gläubiger 23 Euro fuffzig zurück, nachdem die großen Riesen das Aas teldafax zerlegt haben.
Niemand muß den Abschlag in der vom Anbieter verlangten Höhe bezahlen. Wenn man sich sicher ist, weniger zu verbrauchen, einfach Kontakt mit dem Anbieter aufnehmen und die Reduzierung des Abschlags verlangen. Klappt (zumindest bei mir und mehreren Anbietern) immer. Oder, bei der Benutzung der Vergleichsportale: Erst mit dem echten erwarteten Verbrauch vergleichen, dann mit einem geringeren nochmal "vergleichen" und mit diesem dann den "Wechseln" Knopf drücken. Nachzahlen kann man ja immer noch. Der Abschlag dient nur dazu, dem Kunden eine "große" Zahlung abzunehmen und durch die Abschläge erträglicher zu machen. Und dem Unternehmen einen stetigen Geldfluß zu ermöglichen und ggf. davor zu bewahren, sich mit insolventen Kunden bei der "großen" Forderung herumzuschlagen.
oldharold 16.09.2011
4. Geiz ist Geil, ...
... Gehirn ist Geiler. Bei Verivox gibt es einen Button, mit dem man Anbieter, die Vorkasse, oder Kaution verlangen, aus dem Preisvergleich ausschließen kann. Wer diesen Button nicht nutzt, um noch mehr zu sparen, um einen noch billigeren Anbieter zu finden, muß halt Lehrgeld bezahlen.
karlscha 16.09.2011
5. ja ist ein Riesen-Skandal
wenn eine vermeindlich neutrales Vergleichsportal in solche Machenschaften verwickelt ist, sollte mit aller Härte durchgegriffen werden. Ich werde auf alle Fälle anzeige erstatten. Wir haben im Dezember 5500kwh gekauft und bis zur Zahlungseinstellung an den Ndtzbetreiber ldgl. 2000kwh bezogen. Wir entwickeln uns immer mehr zu einer Bananenrepublik, nicht nur die Politiker bedienen sich maßlos, auch das Geschäftsgebahren ist ohne Moral.
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