Klammer Konzern Telefónica startet Börsengang von deutscher Tochter O2

Der spanische Telekom-Konzern Telefónica versilbert seine deutsche Tochter O2. Noch im Oktober soll der Mobilfunkanbieter an die Börse. Der klamme Mutterkonzern will mit dem Gang aufs Parkett bis zu 1,7 Milliarden Euro einnehmen.

O2-Logo an Bürohaus in München: Mehr als eine Milliarde Euro Einnahmen
DPA

O2-Logo an Bürohaus in München: Mehr als eine Milliarde Euro Einnahmen


Frankfurt am Main/München - Telefónica ist hochverschuldet, nun will der spanische Telefonkonzern seine angespannte Finanzlage durch den Börsengang seiner deutschen Tochter Telefónica Germany mit der Mobilfunkmarke O2 ein wenig lindern. Geplant ist, am 30. Oktober bis zu 23,2 Prozent der Aktien zu platzieren und damit mehr als eine Milliarde Euro einzunehmen, teilte Telefónica mit. Eine Mehrheit von fast 77 Prozent wollen die Spanier behalten.

Investoren können die Aktien von 17. bis zum 29. Oktober erwerben. Die Aktien sollen 5,25 bis 6,50 Euro kosten. In der Mitte der Preisspanne und bei voller Ausübung der Mehrzuteilung würde Telefonica Chart zeigen 1,52 Milliarden Euro einnehmen, bei Preisen am oberen Rand der Spanne würden 1,68 Milliarden Euro in die Kasse gespült.

Die Gesamtbewertung von O2 läge damit leicht unter der Marke von 7,5 Milliarden Euro, die Telefónica laut einem Insider ursprünglich für seine Tochter anstrebte. Dennoch wäre es der größte Börsengang in Deutschland seit fünf Jahren. Im November 2007 war die Hamburger Hafen- und Logistik-AG HHLA das letzte deutsche Unternehmen, das mehr als eine Milliarde Euro mit einem ´Gang aufs Parkett erlöst hatte.

Das Geld aus dem Börsengang geht komplett an den Mutterkonzern in Madrid - und Telefónica braucht dringend frisches Geld. Telefónica kämpft mit einer Schuldenlast von mehr als 58 Milliarden Euro. Außer dem Erlös des Börsengangs kann die Mutter zudem mit ihrem Anteil an der in Aussicht gestellten Dividende von Telefónica Germany über 500 Millionen Euro für 2012 rechnen. In der Zukunft sollen die Ausschüttungen sogar noch höher ausfallen. Zudem braucht O2 selbst viel Geld, um den Ausbau des Netzes oder den Start des neuen LTE-Angebots für schnelleres Internet via Mobilfunk zu finanzieren.

Derzeit lockt O2 viele neue Kunden an. Dennoch verdiente Telefónica Germany im ersten Halbjahr mit den Marken O2 und Fonic lediglich 55 Millionen Euro. Im gesamten vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von 71 Millionen Euro bei einem Umsatz von fünf Milliarden Euro.

Unter den Mobilfunkern in Deutschland ist O2 mit 18,8 Millionen Kunden die Nummer vier hinter E-Plus, das zur niederländischen KPN Chart zeigen gehört. Zudem betreibt das Unternehmen ein Festnetzgeschäft. An der Spitze der Mobilfunkbranche in Deutschland liefern sich Vodafone Chart zeigen mit 35,8 und die Deutschen Telekom Chart zeigen mit 35,4 Millionen Kunden ein enges Rennen.

fdi/Reuters/dpa/AFP



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tripleeight 16.10.2012
1. Wem ist o2 soviel Geld wert??
Ich verstehe nicht wer die Einschätzung teilen sollte, dass o2 Deutschland 7,5 Mrd. Euro wert sein sollte. Wie man lesen kann, gewinnen sie zwar Kunden, aber die generieren kaum gewinnbringenden Umsatz. Es handelt sich also um Scheinverträge, bei denen eher die gesponsorte Playstation interessant war als der Mobilfunk oder es sind die Allnetflats mit iPhone, die so billig sind, dass die Kunden die bescheidene Netzabdeckung trotzdem irgendwie tolerieren und sich schön reden. Und dazu geht es in den nächsten Jahren noch schlimmer weiter. Es sprudeln jetzt schon keine Gewinne, der LTE Ausbau ist aber noch nicht mal begonnen. Trotzdem will der Mutterkonzern für die Schuldentilgung Dividenden. Das sind ja schlimmere Bedingungen als bei der T-Aktie und die kauft schon keiner...
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