Per Boot über den Königssee Die letzte Reise der letzten gelben Telefonzelle

Früher gab es mehr als 100.000 öffentliche Telefone, in Bayern ist nun das einzige verbliebene gelbe Telefonhäuschen abgebaut worden. Es verabschiedete sich vor spektakulärer Kulisse.

Per Boot geht es über den Königssee: Einst gab es Zehntausende gelbe Telefonzellen
Deutsche Telekom

Per Boot geht es über den Königssee: Einst gab es Zehntausende gelbe Telefonzellen


Bis der Strom abgeklemmt ist, die Arbeiter beauftragt sind und die Zelle tatsächlich weg ist, rechnet Josef Linner mit acht bis zehn Wochen. Rund 300 Telefonhäuschen ließ der Telekom-Beschäftigte 2018 in Bayern abbauen - am Königssee im Berchtesgadener Land musste nun die letzte Telefonzelle Deutschlands in der auffälligen gelben Farbe weichen.

Auf einem Video, das die Deutsche Telekom Chart zeigen vom Abtransport veröffentlicht hat, ist zu sehen, wie Arbeiter das Häuschen zunächst auf einen Lkw verladen. Dann geht es per Boot vor spektakulärer Kulisse über den Königssee, denn der Standort auf der Halbinsel Hirschau kann nicht per Straße erreicht werden.

Zu Spitzenzeiten, erinnert sich Günter Nerlinger, gab es mehr als 100.000 öffentliche Telefone in Deutschland. Mit dem Siegeszug der Handys werden sie laut dem Projektleiter bei der Telekom nach und nach abgebaut - und zwar immer dann, wenn der Umsatz pro Telefon dauerhaft unter 50 Euro pro Monat sinke. Zu den Kosten gehörten Reparaturen, Reinigung sowie Strom- und Telefonanschluss.

Die letzte gelbe Telefonzelle war ein Kunststoffhäuschen, wie sie ab dem Jahr 1978 verbreitet aufgestellt worden waren. Die letzte ihrer Art im äußersten Zipfel Bayerns hatte sich gut versteckt: Sie war eingelassen in die Fassade eines Bootshauses, um das Ensemble am Wallfahrtsort St. Bartholomä am Königssee nicht allzu sehr zu stören.

Demontage der letzten gelben Telefonzelle Deutschlands
Deutsche Telekom

Demontage der letzten gelben Telefonzelle Deutschlands

Das erste Telefonhäuschen war laut Telekom 1881 in Betrieb genommen worden, seit 1899 waren Münzfernsprecher im Umlauf. Von 1946 an war für Telefonzellen Gelb als Farbe vorgeschrieben - bis Mitte der Neunzigerjahre. Fortan wurden grau-magentafarbene Häuschen installiert. Ein Telefonat kostete mindestens zwei Groschen.

apr



insgesamt 8 Beiträge
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brooklyner 24.04.2019
1.
Da hilft es, den Film "Die Quereinsteigerinnen" zu schauen. Feinsinnig, lustig und intelligent, auch wenn Weingartner den Stoff für sein "die fetten Jahre sind vorbei" geklaut hat.
aviation1988 24.04.2019
2. Die letzte Telefonzelle?
In Buxtehude in der Altstadt steht noch eine gelbe Telefonzelle. Sie dient als Bücherbörse. Man kann sich dort Bücher mitnehmen oder abgeben. Von außen sieht sie aber dennoch so aus wie eine Telefonzelle von der hier die Rede ist. Ist hier in dem Artikel die Rede von der letzten funktionstüchtigen Telefonzelle?
spon_8264137 24.04.2019
3.
Zitat von aviation1988In Buxtehude in der Altstadt steht noch eine gelbe Telefonzelle. Sie dient als Bücherbörse. Man kann sich dort Bücher mitnehmen oder abgeben. Von außen sieht sie aber dennoch so aus wie eine Telefonzelle von der hier die Rede ist. Ist hier in dem Artikel die Rede von der letzten funktionstüchtigen Telefonzelle?
Buxtehude, die nördlichste Stadt Bayern?
frenchie3 24.04.2019
4. @3 Wenn es nach,den Bayern ginge
dann ja :-)
NauMax 24.04.2019
5.
Zitat von aviation1988In Buxtehude in der Altstadt steht noch eine gelbe Telefonzelle. Sie dient als Bücherbörse. Man kann sich dort Bücher mitnehmen oder abgeben. Von außen sieht sie aber dennoch so aus wie eine Telefonzelle von der hier die Rede ist. Ist hier in dem Artikel die Rede von der letzten funktionstüchtigen Telefonzelle?
Es ging aber um Telefonzellen, die ihren zugedachten Zweck als Telefonzellen und öffentliche Toilette für Antisoziale noch erfüllten.
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