Telekom-Prozess Ricke weist Spitzelvorwürfe zurück

Im Prozess um die Spionageaffäre bei der Telekom weist Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke jede Schuld von sich. Mit der Sicherheitsabteilung habe er zwar über die Suche nach dem Datenleck im Unternehmen gesprochen. Über die Methoden habe er sich aber keine Gedanken gemacht. 

Ex-Telekom-Vorstandsvorsitzender Ricke: "Keine Gedanken gemacht"
dapd

Ex-Telekom-Vorstandsvorsitzender Ricke: "Keine Gedanken gemacht"


Bonn - "Ich bin kein Spezialist für das Thema": Der ehemalige Vorstandschef Kai-Uwe Ricke hat im Telekom-Spitzelprozess jede Mitverantwortung für illegale Spionageaktionen abgelehnt. Bei seiner Zeugenaussage vor dem Landgericht Bonn gab Ricke an, er habe zwar mit Mitarbeitern der Konzernsicherheit darüber gesprochen habe, wie man die undichte Stelle im Unternehmen finden könne. Im Jahr 2005 waren immer wieder vertrauliche Informationen an die Presse geraten. Ricke betonte jedoch: "Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen, dass wir über irgendwelche illegalen Methoden gesprochen haben."

Ricke sagte als Zeuge, nicht als Beschuldigter in dem Prozess aus. Angeklagt ist einer der Chefs der Konzernsicherheit. Dieser hat zugegeben, den Auftrag zur Abgleichung von Telefonverbindungsdaten erteilt zu haben. Dies sei eigenmächtig geschehen - also ohne Beteiligung des Vorstandsvorsitzenden Ricke.

Mitarbeiter der Konzernsicherheit hatten während Rickes Amtszeit von 2002 bis 2006 Aufsichtsräte, Betriebsräte und Journalisten ausspioniert. Im Frühjahr 2008 flog der Datenmissbrauch auf. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ricke und den Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel waren später eingestellt worden, da ihnen kein Verstoß gegen Datenschutzbestimmungen oder das Post- und Fernmeldegeheimnis nachgewiesen werden konnte. Dagegen sind zahlreiche Beschwerden eingegangen, über die noch nicht entschieden ist.

Das Gericht versuchte am Freitag klarzustellen, ob Ricke dieses illegale Vorgehen nicht zumindest in Kauf genommen hat. Ricke verneinte dies mehrfach. Er habe die Konzernsicherheit nur beauftragt, herauszufinden, wer aus dem Unternehmen Geschäftsgeheimnisse an die Presse weitergegeben habe.

Zumwinkel blieb der Verhandlung fern

Der Vorsitzende Richter Klaus Reinhoff wählte teils deutliche Worte: "Was haben Sie denn eigentlich gedacht, was die Konzernsicherheit macht, um Ihren Auftrag zu erfüllen?" Ricke antwortete darauf, er habe sich über die Methoden nicht wirklich Gedanken gemacht.

Zumwinkel, der ebenso wie Ricke vor dem Landgericht aussagen sollte, berief sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht und erschien deshalb nicht.

Für zwei Angeklagte ist der Prozess bereits glimpflich ausgegangen. Das Verfahren gegen sie wurde Anfang Oktober gegen Zahlung einer Geldstrafe vorläufig eingestellt. Nun bleibt nur noch der Hauptangeklagte Klaus T., einer der früheren Chefs der Konzernsicherheit der Telekom. Er hatte bereits zu Prozessbeginn die Verantwortung für die Spionageaktionen übernommen.

Die "Umstände der Datenerhebung" seien aber spätestens im September 2005 sowohl Ricke als auch Zumwinkel bekannt gewesen, erklärte Klaus T. vor Gericht. Die Rechtmäßigkeit des Vorgehens sei von ihnen "nicht in Zweifel gezogen worden".

jok/dpa/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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Bre-Men, 22.10.2010
1. Ach
Zitat von sysopIm Prozess um die Spionage-Affäre bei der Telekom weist Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke jede Schuld von sich. Mit der Sicherheitabteilung habe er zwar über die Suche nach dem Datenleck im Unternehmen gesprochen. Über die*Methoden habe er sich aber keine Gedanken gemacht.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,724626,00.html
Son Chef hätte ich auch gerne mal gehabt, der sich über nichts Gedanken macht. Sofort ne Leistungszulage für diesen Gehirnakrobaten.
citizen_kane 22.10.2010
2. Ricke nicht haltbar in so einer Position
Ricke trägt Verantwortung für solche Vorgänge. Wenn er von ihnen wirklich nichts weiss heißt das, dass er seinen Laden nicht im Griff hat(te). Dann ist er in so einer Position auch nicht zu halten und empfiehlt sich für keine neue in ähnlicher Position. Da braucht man Leute mit deutlich mehr Kompetenz.
arioffz 22.10.2010
3. Das ist in
Zitat von sysopIm Prozess um die Spionage-Affäre bei der Telekom weist Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke jede Schuld von sich. Mit der Sicherheitabteilung habe er zwar über die Suche nach dem Datenleck im Unternehmen gesprochen. Über die*Methoden habe er sich aber keine Gedanken gemacht.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,724626,00.html
gewissen Kreisen das erste was man lernt, wenn es Schei.e gelaufen ist zu sagen: "Daran habe ich keine Erinnerung"! Ach ja toller Chef, wenn der nicht mal weiß was in seinem Laden abläuft.
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