Lange Hängepartie Tengelmann-Chef klagt über Millionenverlust

Der Tengelmann-Deal hat 15.000 Arbeitsplätze gerettet - für die Firma aber war er teuer. Unternehmenschef Haub zufolge haben die Verzögerungen einen dreistelligen Millionenverlust verursacht.

Karl-Erivan Haub
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Karl-Erivan Haub


Nach dem Ende des langen Übernahmeprozesses um Kaiser's Tengelmann beklagt Unternehmenschef Karl-Erivan Haub horrende Kosten durch die Verzögerung des Deals. "Die zweijährige Hängepartie hat dem Unternehmen einen Millionenverlust in dreistelliger Höhe beschert", sagte Haub der "Süddeutschen Zeitung".

Eine Alternative dazu habe es trotzdem nicht gegeben. Kein Interessent sei bereit gewesen, alle Filialen zu übernehmen. "Ein Einzelverkauf wäre die reinste Rosinenpickerei geworden. Deswegen waren 8000 Arbeitsplätze in Gefahr. Die Abwicklungskosten wären sehr hoch gewesen, noch höher als der Verkauf es jetzt gewesen ist."

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, kritisierte den Verkauf von Kaiser's Tengelmann an den Branchenführer Edeka, der Dutzende Filialen an Rewe weiterreicht. "Nicht nur für die Verbraucher, auch für die Nachfrageseite, also die Beziehung der Händler zu den Herstellern und Lieferanten, bringt der Vorgang Verschlechterungen", sagte Mundt der Zeitung. "Wir müssen auch in Zukunft dafür sorgen, dass Handelskonzerne keine unbotmäßigen Forderungen gegenüber den Herstellern durchsetzen können. Wir werden die großen Händler also weiter im Blick haben."

Haub hatte vor zwei Jahren beschlossen, die defizitäre Supermarktkette an Edeka zu verkaufen. Der Plan stieß jedoch bei Wettbewerbshütern auf heftigen Widerstand. Im April 2015 untersagte das Bundeskartellamt den Zusammenschluss.

Zwar gelang es Tengelmann und Edeka nach monatelangem Ringen, das Veto der Wettbewerbshüter durch eine Ministererlaubnis von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auszuhebeln. Doch wurde die Ausnahmegenehmigung auf Antrag von Rewe sowie der Wettbewerber Markant und Norma gerichtlich gestoppt. Erst unter Vermittlung von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gelang es den Konzernen schließlich, einen Kompromiss zu erzielen.

nck/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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Käpten Ahab 16.12.2016
1. Mit weniger Mauscheln....
zwischen dem Tengelmann-Chef und den Genossen von Verdi und der SPD wäre es ja auch billiger geworden. außerdem ist die eigentliche Ursache doch immer noch das schlechte Management der letzten Jahre. also: aufhören mit Jammern und in Zukunft besser führen - da mache ich mir aber wenig Hoffnung.
Buggybear 16.12.2016
2. Damit ich das richtig verstehe...
Herr Haub beklagt sich darüber, dass er die Sache falsch angepackt hat und versucht hat mit Kumpeleien den Bockmist, den er verbrochen hat entgegen geltender Gesetze und Vorschriften zu beseitigen, was dann zum Glück schief ging, und dass er auf diese Weise einen Haufen Geld verbrannt hat? Soviel Selbsteingeständnis hört man selten. Ich denke wir haben einen würdigen Nachfolger für Thomas Middelhoff gefunden. Bin gespannt, in welchem Konzern Herr Haub künftig tätig sein wird und diese Aktien dann abstossen oder besser noch leer verkaufen.
tomymind 16.12.2016
3.
Schreibt er doch sowieso bei der Steuer ab.
klauspeterstuder 16.12.2016
4. Realitätsverlust?
Zitat von BuggybearHerr Haub beklagt sich darüber, dass er die Sache falsch angepackt hat und versucht hat mit Kumpeleien den Bockmist, den er verbrochen hat entgegen geltender Gesetze und Vorschriften zu beseitigen, was dann zum Glück schief ging, und dass er auf diese Weise einen Haufen Geld verbrannt hat? Soviel Selbsteingeständnis hört man selten. Ich denke wir haben einen würdigen Nachfolger für Thomas Middelhoff gefunden. Bin gespannt, in welchem Konzern Herr Haub künftig tätig sein wird und diese Aktien dann abstossen oder besser noch leer verkaufen.
Wieso schief gegangen? Die Filialen und die Arbeitsplätze wurden gerettet. Die Mitarbeiter können nichts dafür, dass der Konzern Verluste einfährt. Die Banken hatten Milliarden erhalten. Arbeitsplätze wurden trotzdem vernichtet. Die Einzigen die davon profitieren sind die Manager und die Spekulanten. Die auch noch die Dreistigkeit aufgebracht hatten und vor Gericht gezogen sind. Weil sie die staatlich garantierten Gewinne nicht erzielt haben.
globaluser 16.12.2016
5. ?
"Die Abwicklungskosten wären sehr hoch gewesen, noch höher als der Verkauf es jetzt gewesen ist." Wo sind denn dann die Verluste? (Ja, ich weiß, hätte man früher..., dann hätte an anderer Stelle Umsatz und Wachstum generiert werden können... So ist das Kaffeesatzleserei, eine Rechnung, die ohne jeden Beleg ist, also fake.
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