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Wahlkampfhilfe: Tengelmann wirbt für die CDU

Foto: Tengelmann

Raute statt Stinkefinger Tengelmann schaltet Anzeige für Merkel

Unparteiisch ist anders: Mit einer großen Zeitungsanzeige versucht die Unternehmensgruppe Tengelmann, den Wahlkampf zu beeinflussen - und macht damit eindeutig Stimmung für Angela Merkel. Sogar der Stinkefinger von Peer Steinbrück kommt zum Einsatz.

Hamburg - Ein stilisierter Stimmzettel, auf der linken Seite ein Stinkefinker, auf der rechten die berühmte Merkel-Raute, darunter ein Kreuz und der Aufruf in großen Buchstaben: "Im Zweifel für die Raute. Treffen Sie Ihre Wahl!"

Was auf den ersten Blick wie normale Wahlwerbung der CDU aussieht, kommt nicht etwa von der Partei, sondern aus der Privatwirtschaft: von der Unternehmensgruppe Tengelmann. Mit der Zeitungsanzeige ruft der Mülheimer Konzern die Leser zwei Tage vor der Bundestagswahl ziemlich unzweideutig dazu auf, Angela Merkel zur Wiederwahl zu verhelfen.

Hinter der ungewöhnlichen Aktion steckt eine Familiendynastie, zu der die Kaiser's-Supermärkte ebenso gehören wie die Baumarktkette Obi und der umstrittene Textildiscounter Kik. Außerdem ist Tengelmann an Netto, Tedi und Woolworth beteiligt.

"Im Zweifel für eine Frau"

An der Spitze der Holding steht der 53-jährige Karl-Erivan Haub, der die Führung im Jahr 2000 von seinem Vater Erivan Haub übernommen hat. Beide, Vater wie Sohn, machten nie einen Hehl daraus, dass sie der CDU nahestehen. Schon vor der Bundestagswahl 1994 schaltete der Familienkonzern eine Anzeige mit einer Waage und einem Blumenkohl: "Im Zweifelsfall für Kohl", hieß es damals. Im Jahr 2005 unterstützte der Haub-Clan die Kandidatur von Angela Merkel: "Im Zweifel für eine Frau."

Ist so viel politische Parteinahme nicht problematisch für einen Konzern, der als Kunden doch Wähler aller Parteien gewinnen will? Der Eigentümer habe "keine Sorgen, dass Kunden pikiert sein könnten", sagt eine Unternehmenssprecherin SPIEGEL ONLINE. "Negative Reaktionen nimmt er einfach in Kauf." Eigentlicher Zweck der Anzeige sei ohnehin der allgemeine Aufruf, wählen zu gehen. "Im Zweifel sollte man sich für die Raute entscheiden."

Persönlich hat die Haub-Familie allen Grund, sich vor einem Regierungswechsel zu fürchten. Die Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linke propagieren allesamt höhere Steuern für Reiche - und zu denen darf man die Haubs gerne zählen. Mit einem Vermögen von 3,5 Milliarden Euro gehörte die Familie im vergangenen Jahr laut manager magazin zu den 30 reichsten in Deutschland.

Die Anzeige der Tengelmann-Gruppe ist auch im laufenden Wahlkampf nicht der erste Fall von Parteinahme. Auch einige private wie gesetzliche Krankenkassen haben in Briefen an ihre Versicherten Stimmung für die amtierende schwarz-gelbe Regierung gemacht. Im Fall der gesetzlichen Hanseatischen Krankenkasse (HEK) ermittelt inzwischen das Bundesversicherungsamt.

stk