Britische Supermarktkette Preiskampf mit Aldi und Lidl kostet Tesco-Chef den Job

Ihm fehlte ein Rezept gegen die starke Discounter-Konkurrenz: Der Chef der britischen Supermarktkette Tesco ist seinen Job los. Am Dienstag hätte es eine Party zu seinem 40-jährigen Firmenjubiläum geben sollen.

Tesco-Markt in London (Archivbild): Schwieriges Marktumfeld
Getty Images

Tesco-Markt in London (Archivbild): Schwieriges Marktumfeld


Cheshunt - Die Nachricht sorgte am Montag für gute Stimmung bei Anlegern, die Tesco-Aktie legte zu. Das zeigt, wie groß der Druck auf die britische Supermarktkette gewesen sein muss, bei der kurz zuvor ein Chefwechsel bekannt geworden war. "Das ermöglicht dem Unternehmen einen Neuanfang", sagte ein Händler.

Der bisherige Unilever-Manager Dave Lewis werde ab Oktober den Posten von Philip Clarke übernehmen, teilte Tesco am Montag im englischen Cheshunt mit. Bei dem niederländisch-britischen Konsumgüterhersteller leitet der 49-jährige Lewis bislang das Geschäft mit Pflegeprodukten.

Tesco steht zu Hause in Großbritannien stark unter Druck von Discountern - allen voran die deutschen Unternehmen Aldi und Lidl, die auch den anderen etablierten Einzelhändlern schwer zu schaffen machen. Nach Angaben des Einzelhandel-Forschungsinstituts IGD kauft inzwischen mehr als die Hälfte bei den Discountern ein, die die Preise der einheimischen Händler im Schnitt deutlich unterbieten.

Das Geschäft laufe schwächer als zuletzt gedacht. Umsatz und Gewinn dürften im ersten Geschäftshalbjahr unter den eigenen Erwartungen liegen, warnte Tesco nun erneut vor enttäuschenden Zahlen. Die Kette nennt als Gründe das "schwierige Marktumfeld" und Investitionen, die Kunden halten sollen. Im vergangenen Geschäftsjahr ging der Gewinn bei Tesco um sechs Prozent auf 3,3 Milliarden Pfund (4,2 Milliarden Euro) zurück, in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahrs hatte die Kette den größten Umsatzschwund seit fast vier Jahrzehnten verkünden müssen.

Es ist das erste Mal, dass der Konzern für den Spitzenposten nicht auf Personal aus den eigenen Reihen zurückgreift. Der 54-jährige Clarke hatte seit 2011 an der Spitze des Konzerns gestanden. Am Dienstag hätte es eine Party zu seiner 40-jährigen Zugehörigkeit zum Unternehmen geben sollen. Eine Tesco-Sprecherin sagte, die Feier sei abgesagt.

yes/dpa



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Kudi 21.07.2014
1. Wenn schon, dann Lidl
Wenn den etablierten Supermarktketten in GB eine ernsthafte Konkurrenz erwachsen kann, dann von Lidl. Wir haben die uns nächstgelegene Aldi-Filiale zweimal besucht. Beide Male sah der Laden so aus, als sei er von Vandalen heimgesucht worden. In jedem Gang herrste Unordnung. Im Kühlregal lag Fleisch nicht nur in den falschen Abteilen; zum Teil lagen die Packungen so da, dass eine vorschriftsgemäße Kühlung wohl kaum möglich gewesen wäre. Mein Eindruck ging dahin, dass man Piercings, Tätowierungen und irre Haarschnitte braucht, um bei Aldi arbeiten zu dürfen. Einzelhandelskenntnisse oder -erfahrungen sind wohl nicht gefragt.
blob123y 21.07.2014
2. Wundert mich nicht
ich geh fast jeden Tag in einen Tesco-Lotus Supermarkt hier in Phuket. Der Laden ist derart schlecht organisiert und hat eine miserable Belegschaft die noch nie auch nur die geringste Ausbildung hatte. Auf der anderen Seite ist 5 Minuten weiter weg ein aehnlich grosser Laden "Villmarket" das ist Deutsch / Schweiz der ist nehezu perfekt auch in der Praesentation. Englaender koennen solche Sachen nicht weiss nicht warum.
dr.-pangloss 21.07.2014
3. Kauft teuer
Schade, jetzt werden bei TESCO vermutlich die Daumenschrauben angezogen. Preisdruck auf Lieferanten, Löhne runter, Sortiment ausdünnen, lange Schlangen an nur einer Kasse etc. etc. Die Pathologie einer Niedriglohnökonomie, in deren Umfeld Aldi und Lidl nur gedeihen können. Obwohl Lidl hat ja zumindest noch einige Markenartikel im Sortiment. Bei Aldi sieht diesbezüglich Düster aus, insb. bei Obst und Gemüse.
henryb_de 21.07.2014
4. Süden oder Westen ?
Zitat von dr.-panglossSchade, jetzt werden bei TESCO vermutlich die Daumenschrauben angezogen. Preisdruck auf Lieferanten, Löhne runter, Sortiment ausdünnen, lange Schlangen an nur einer Kasse etc. etc. Die Pathologie einer Niedriglohnökonomie, in deren Umfeld Aldi und Lidl nur gedeihen können. Obwohl Lidl hat ja zumindest noch einige Markenartikel im Sortiment. Bei Aldi sieht diesbezüglich Düster aus, insb. bei Obst und Gemüse.
Ich vermute Sie wohnen im Süden oder Westen der Republik. Im Osten gleicht die Lidl-Gemüseabteilung eher einer Abfallverwertung. Und die Chance nach 17:00 Uhr noch etwas von dem "Abfall" abzubekommen ist sehr gering. Ich weiss aus Lieferantenquelle, dass Lidl West bevorzugt beliefert wird. Und ob Lidl in GB das Fleisch der freilaufenden Schweine anbieten wird, bleibt abzuwarten. Vermutlich gelten dort auch die deutschen Standards. Hochgestyltes Drecksfleich fürs einfache Volk. Aber wie gesagt, Schuld sind die Kunden/Käufer die dort Einkaufen (müssen).
dasbeau 21.07.2014
5. Ist das Ihr Ernst?
Zitat von blob123yich geh fast jeden Tag in einen Tesco-Lotus Supermarkt hier in Phuket. Der Laden ist derart schlecht organisiert und hat eine miserable Belegschaft die noch nie auch nur die geringste Ausbildung hatte. Auf der anderen Seite ist 5 Minuten weiter weg ein aehnlich grosser Laden "Villmarket" das ist Deutsch / Schweiz der ist nehezu perfekt auch in der Praesentation. Englaender koennen solche Sachen nicht weiss nicht warum.
Sie vergleichen einen Supermarkt in Phuket mit Tesco im UK ? Oh Mann... Ich hoffe, dass Tesco die jetzige Krise durchsteht, ohne großartig sein Konzept und Philosophie ändern zu müssen. (Die meisten) Tesco Märkte in UK sind paradiesisch im Vergleich zu den meisten deutschen Supermärkten (von wegen "Engländer können solche Sachen nicht"). REWE ist seit einiger Zeit dabei, das Konzept zu kopieren, z.B. mit ihren REWE-City Märkten, aber auch mit deutlich vergrößerten Frische-Abteilungen in einigen Märkten. Ich hätte gern einen britischen Tesco in meiner Nähe. Kaufe dort immer gerne ein.
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