Preiskampf in Großbritannien Aldi und Lidl brocken Tesco Rekordverlust ein

Die Billigkonkurrenz aus Deutschland macht der britischen Supermarktkette Tesco zu schaffen: Immer häufiger kaufen die Kunden bei Aldi und Lidl ein. Tesco schreibt acht Milliarden Euro Verlust.

Filiale des britischen Einzelhändlers Tesco: "Ein sehr schlechtes Jahr"
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Filiale des britischen Einzelhändlers Tesco: "Ein sehr schlechtes Jahr"


Der Preiskampf mit Aldi und Lidl hat dem britischen Einzelhändler Tesco Chart zeigen den höchsten Verlust in seiner 96-jährigen Firmengeschichte eingebracht. Das angeschlagene Unternehmen machte im vergangenen Geschäftsjahr, das bis Ende Februar lief, ein Minus von 5,7 Milliarden Pfund (knapp acht Milliarden Euro). Das teilte das Unternehmen mit.

"Das war ein sehr schweres Jahr für Tesco", sagte der erst im Herbst angetretene Konzernchef Dave Lewis. Die Zahlen spiegelten wider, dass sich der Markt verschlechtert und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in den vergangenen Jahren nachgelassen habe.

Zu dem Minus des angeschlagenen Konzerns trugen Wertberichtigungen auf Konzernimmobilien bei sowie außerplanmäßige Kosten durch Verluste auf dem Aktienmarkt, durch Restrukturierungen und erfolglose Investitionen in China.

Der britische Einzelhandel liefert sich derzeit einen harten Wettbewerb, besonders seit auch deutsche Discounter wie Aldi und Lidl auf dem dortigen Markt mitmischen. Immer häufiger gehen britische Kunden bei der Billigkonkurrenz einkaufen. Erst im Januar kündigte Tesco darum an, 43 unrentable Filialen schließen zu wollen, dadurch fallen rund 2000 Arbeitsplätze weg.

Aldi und Lidl sind in Großbritannien derzeit auf Expansionskurs und jagen der britischen Konkurrenz Marktanteile ab. Bis 2022 will Aldi die Zahl seiner Filialen im Land auf mehr als 1000 verdoppeln. Zuletzt hatte Tesco gegen eine Werbekampagne von Aldi Beschwerde eingelegt. Darin erzählte eine Kundin, wie viel Geld sie spare, seit sie bei Aldi einkaufe. Weil Informationen zu diesem Preisvergleich fehlten, hatte die zuständige britische Wettbewerbsbehörde den Spot verboten.

Nicht nur Tesco hat Probleme mit den Rivalen aus Deutschland, auch die Supermarktketten Sainsbury's und Morrisons fahren unter dem Preiskampf Verluste ein. Neben der deutschen Billigkonkurrenz machen auch der boomende Onlinehandel sowie der wachsende Markt mit Bio-Lebensmitteln den traditionellen Supermärkten zu schaffen.

kpa/Reuters/AFP

insgesamt 15 Beiträge
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ingenör79 22.04.2015
1. Bei Tesco fallenJobs weg,
dafür entstehen neue bei ALDI und LIDL, so funktioniert halt die Marktwirtschaft.
Rain In The Face 22.04.2015
2. Discounting the future
Wenn Aldi und Lidl in einem Land Platz greifen ist das immer ein untrügliches Zeichen, dass man auf dem Weg in die Pathologie einer Niedriglohnökonomie ist. Als Student musste ich auch immer dort einkaufen, weil man jeden Groschen zusammenhalten musste. Es ging einfach nicht anders. Hoffentlich kann Tesco sich erholen. Es gibt nichts schlimmeres als ständig die ewig gleichen Produkte in der Minnimalauswahl kaufen und essen! zu müssen.
franko_potente 22.04.2015
3. rain in the Face
Minimalauswahl? Wann waren Sie denn das letzte Mal bei Lidl? 10 Sorten Frischfisch, > 100 Sorten Wurst, > 30 Sorten Käse + Aktionsprogramme. 25 Sorten Joghurt AUSWAHL ohne Ende, nur 40% günstiger als ReWe. Wo ist Ihr Problem?
spon-1280943165745 22.04.2015
4. Vermutlich eher Managementfehler
Ich glaube nicht das der Verlust im wesentlichen im Lebensmittelverkauf entstanden sind. Eher wohl durch Fehler im Management im Bericht allerdings nur mit einem Satz thematisiert. Die Verlustzahlen der Investitionen in China und den Börsenverlusten wären sicher interessanter. Der Hinweis auf Verluste durch die Konkurrenz Lidl/Aldi scheint mir eher eine Ausrede zu sein.Noch eine Bemerkung zu Beitrag 3: Lidl und auch Netto sind sicher billiger als Rewe mit einem Angebot für den täglichen Bedarf ähnlich wie bei Rewe, aber 40 Prozent günstiger dürfte doch etwas übertrieben sein.
franko_potente 22.04.2015
5.
Zitat von spon-1280943165745Ich glaube nicht das der Verlust im wesentlichen im Lebensmittelverkauf entstanden sind. Eher wohl durch Fehler im Management im Bericht allerdings nur mit einem Satz thematisiert. Die Verlustzahlen der Investitionen in China und den Börsenverlusten wären sicher interessanter. Der Hinweis auf Verluste durch die Konkurrenz Lidl/Aldi scheint mir eher eine Ausrede zu sein.Noch eine Bemerkung zu Beitrag 3: Lidl und auch Netto sind sicher billiger als Rewe mit einem Angebot für den täglichen Bedarf ähnlich wie bei Rewe, aber 40 Prozent günstiger dürfte doch etwas übertrieben sein.
Nun, Angebotsware gegen Normalpreis. Sicherlich Statistikbetrug, aber so wirds gemacht ,-)
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