Tesla-Chef Musk zu Gigafactory-Plan bei Berlin "Müssen höheres Tempo vorlegen als der Flughafen"

Der US-Elektroautohersteller Tesla plant eine neue Großfabrik südlich von Berlin. Tausende Arbeitsplätze sollen nahe dem Flughafen entstehen. Doch der dürfte für Konzernchef Musk eher abschreckendes Beispiel sein.

Tesla-Fabrik in Kalifornien: Nahe Berlin soll bald ein Konkurrent für die BMW-3er-Reihe entstehen
Mason Trinca/ The Washington Post/ Getty Im

Tesla-Fabrik in Kalifornien: Nahe Berlin soll bald ein Konkurrent für die BMW-3er-Reihe entstehen


Auf Twitter rahmte Elon Musk seine Ankündigung einer Großfabrik nahe Berlin mit schwarz-rot-goldenen Herzen. Auf einer Preisverleihung in Berlin sagte der Tesla-Chef zudem: "Deutschland baut großartige Autos." So viel Lob dürfte der in der Dieselkrise steckenden deutschen Autoseele schmeicheln - und die Ankündigung des neuen Werks durch den Elektroautobauer stößt in der Region auf Begeisterung.

"Das ist eine hervorragende Nachricht für unser Land. Wir haben uns dafür seit Längerem in intensiven Gesprächen und mit guten Argumenten eingesetzt", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke. "Ich bin glücklich, dass sich Elon Musk für unseren Standort Brandenburg entschieden hat", sagte der SPD-Politiker. Berlins grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop wiederum twitterte: "Wer Visionen hat, kommt nach Berlin! Willkommen in der Metropolregion, Tesla!"

Elon Musk in Berlin: "Deutschland baut großartige Autos"
CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX

Elon Musk in Berlin: "Deutschland baut großartige Autos"

Musk hatte am Abend überraschend angekündigt, die erste europäische Tesla-Fabrik in Deutschland zu errichten. Bei der Preisverleihung zum "Goldenen Lenkrad" von "Bild" und "Auto Bild" sagte der Tesla-Chef, die Gigafabrik solle in der Nähe des neuen Berliner Flughafens BER gebaut werden. In Anspielung auf dessen um Jahre verzögerte Eröffnung sagte Musk aber auch: "Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen."

Standort soll eigentlich für BMW vorgesehen gewesen sein

In der Gigafabrik südlich von Berlin will Tesla Batterien, Antriebsstränge und Fahrzeuge bauen. "Gestartet wird mit dem Model Y", teilte Musk mit. Teslas Model Y soll ab 2020 auf den Markt kommen. Auf der Internetseite von Tesla waren am Abend bereits Stellen ausgeschrieben, als Standort war Deutschland angegeben. Die Fabrik in Deutschland soll nach bisherigen Angaben voraussichtlich Ende 2021 in Betrieb gehen. Zusätzlich zu dem Werk vor den Toren Berlins plane seine Firma auch ein Ingenieurs- und Designzentrum in der Hauptstadt, sagte Musk.

Beim Model Y handelt es sich um einen Kompakt-SUV auf Basis des jetzigen Tesla-Hoffnungsträgers Model 3. Er könnte nach Einschätzung von Experten zum meistverkauften Fahrzeug der Firma werden. Mit dem Model 3, das in Deutschland aktuell ab einem Preis von gut 44.000 Euro zu haben ist, will Tesla sich einen breiteren Markt erschließen. Das Model 3 wird bisher im Stammwerk in Fremont im Silicon Valley gebaut. Die Fabrik ist so überlastet, dass Musk eine Fertigungslinie in einem Zelt neben den Werkshallen aufbauen ließ.

Die neue Fabrik in Deutschland soll laut "Tagesspiegel" auf einer Industriefläche im brandenburgischen Grünheide im Landkreis Oder-Spree südöstlich von Berlin entstehen. Dort sei bereits einmal die Ansiedlung eines BMW-Werks angedacht gewesen. Nun könnte hier künftig bald ein direkter Konkurrent zu BMWs beliebter 3er-Reihe entstehen - mit deutscher Technik. Denn bereits vor drei Jahren hatte Tesla den deutschen Maschinenbauer Grohmann gekauft, der auf Fertigungslinien spezialisiert ist.

"Gute Arbeit für sehr viele Menschen"

In dem neuen Werk sollen laut "Bild"-Zeitung etwa 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Ministerpräsident Woidke sagte: "Die Gigafabrik wird Brandenburg als innovativen und internationalen Standort einen weiteren Schub und sehr vielen Menschen gute Arbeit geben."

Im Gespräch für die neue Tesla-Fabrik waren zunächst auch andere Bundesländer - unter anderem das Saarland und Niedersachsen. Mit dem Großraum Berlin-Brandenburg hatte kaum jemand gerechnet. Bisher werden alle Modelle am Stammsitz des Unternehmens in Freemont, Kalifornien, hergestellt. Im US-Bundesstaat Nevada errichtete Tesla die erste sogenannte Gigafactory, in der die Batterien für die E-Autos hergestellt werden. Eine zweite Fabrik hat Tesla im US-Bundesstaat New York gebaut, eine dritte entsteht derzeit in der Nähe von Shanghai - dementsprechend wäre der neue Standort die Gigafactory 4.

Tesla gilt als Vorreiter bei der Elektromobilität, kämpfte angesichts teurer und verzögerter Produktionsanläufe aber immer wieder mit hohen Verlusten - konnte das dritte Quartal aber überraschend mit einem Gewinn von 143 Millionen Dollar abschließen. Die Debatte, ob die Nachfrage nach Elektroautos generell stark genug ist, um Musks ambitionierte Wachstumspläne zu tragen, könnte sich damit abflauen. Allerdings gibt es Konkurrenz aus China, wo Elektrofahrzeuge massiv vom Staat gefördert werden.

apr/dpa/AFP



insgesamt 221 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
so-long 13.11.2019
1. Wieviel
Subventionen streicht Musk zu welchen Bedingungen ein? Schweigen im Wald? TSLA ist eine gigantische Subventionsmachine.
rbu 13.11.2019
2. Nicht auf der grünen Wiese
... dafür mitten im Wald? Schade, dass Der Spiegel hier offenbar nur Pressemitteilungen kopiert. Wo soll das Werk denn gebaut werden und was befindet sich jetzt an dieser Stelle?
clubmate 13.11.2019
3.
Hoffe mal, es wird bekannt wieviel Subventionen hier aufgewendet wurden um den vermeintlichen Imageträger ins Land zu bringen. Wobei Tesla schon in den USA als der Autohersteller mit der schlechtesten Bezahlung und den schlechtesten Arbeitsbedingungen (Arbeitsunfallquote, Überstunden) bekannt ist. Hätte tatsächlich mit einem Zuschlag für Rheinland-Pfalz gerechnet das ja bekannt für die freigiebige Ausgabe von Subventionen (Nürburgring, Flughafen Hahn) ist. Aber Brandenburg hat da auch schon einen großen Erfahrungsschatz (Solarindustrie, Cargolifter), insofern passt das auch.
Remotesensing 13.11.2019
4. Honey pot
ist doch offensichtlich, dass Tesla Subventionen und Fördergelder abgreifen will. Und um vermeintliche Erfolge verkünden zu können, werden Merkel & Scholz diese auch genehmigen. Irgendeine verschwurbelte Begründung wird den Beiden schon einfallen, wie Synergieeffekte usw.
roby111 13.11.2019
5. habe ne andere Interpretation:
Musk sucht nur schon nach einer plausiblen Ausrede für das Scheitern von Tesla und dafür wäre Deutschland, insb. Deutschlands Osten ja die perfekte Wahl! Ob BER oder einfach Fremdenfeindlichkeit, die starke eigene Autoindustrie oder politische Differenzen, ALLES liesse sich passend ausschlachten, um die Totgeburt Tesla würdig zu Grabe zu tragen. Musk hat schliesslich einen Ruf zu verlieren, da ist ihm sicherlich jedes Mittel recht und Trump hat ja auch noch mehr als eine Rechnung offen mit "good old germany" und insb. der aktuellen Regierung dort in Berlin!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.