Tesla-Chef Musks Privatisierungsplan Kein Bock auf brav

Erst ein Tweet, dann die offizielle Erklärung: Tesla-Chef Elon Musk will den E-Autokonzern privatisieren. Die unkonventionelle Art und Weise, auf die er das bekanntgab, wäre dafür auch das beste Argument.
Tesla-Chef Elon Musk

Tesla-Chef Elon Musk

Foto: Joshua Lott/ Getty Images

Was Donald Trump kann, kann Elon Musk schon lange. Mit einem einzigen, ebenso kurzen wie kryptischen Tweet schockierte der Tech-Milliardär die Wall Street - so wie der US-Präsident mit seinen Tweets gerne die Politik aufmischt.

"Erwäge Tesla für 420 Dollar zu privatisieren", schrieb der Vorstandschef des US-Elektroautoherstellers am Dienstag an seine 22,3 Millionen Twitter-Follower. "Finanzierung gesichert." Daraufhin folgte eine halbe Stunde lang nichts mehr.

In dieser halben Stunde - und in den Stunden danach - herrschte ziemliches Chaos. Privatisieren? Tesla ist seit 2010 an der Techbörse Nasdaq notiert, zum Kurs von 343 Dollar. Jedenfalls war das der Kurs vor Musks Tweet. Danach schlingerte er herum, bis die Aktie ausgesetzt wurde, damit sich das Durcheinander klären ließ.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Elon Musk, 47, weiß, wie man Schlagzeilen macht. Der Mitbegründer, CEO und größte Aktionär von Tesla, der auch den Raumfahrtkonzern SpaceX managt, sorgte zuletzt im Juli für Wirbel, mit seiner kontroversen Einmischung in die Rettungsaktion für die in einer thailändischen Höhle eingeschlossenen Teenager.

Drei Wochen später knöpft sich Musk nun die eigene Firma vor - und deren Shareholder. Die durften erst mal rätseln, was es mit dem mysteriösen Tweet auf sich hatte. Denn der warf anfangs ja viel mehr Fragen auf, als er beantwortete.

  • Erstens: Geht das? Musk kann Tesla nicht einfach so "privatisieren", also auf eigene Faust von der Börse nehmen, er bräuchte die Zustimmung der Aktionäre - darunter zwei Investmentfirmen und neuerdings der saudi-arabische Staatsfonds.
  • Zweitens: Ist so ein Tweet legal? "Wenn seine Äußerungen den Zweck hatten, den Aktienkurs zu bewegen, könnten sie Manipulation sein oder sogar Börsenbetrug", warnte Harvey Pitt, der Ex-Chef der Börsenaufsicht SEC, im Wirtschaftssender CNBC.
  • Drittens: Was bezweckt Musk? "Musk will keinen Aktienkonzern führen", vermutete der Tech-Analyst Gene Munster. "Er hat eine langfristige Mission für Tesla, was es erschwert, die Quartalserwartungen der Investoren zu erfüllen."
Fotostrecke

15 Jahre Tesla: Vom E-Auto-Hype zum Hyperloop

Foto: TESLA

So ging es und her, in Newssendern, auf Börsenblogs und auf Musks Lieblingsmedium Twitter. Und wie bei Trump, dessen Team seine Tweets nachträglich in Politik verwandeln muss, folgte schließlich auch bei Tesla eine etwas offiziellere Erklärung.

Ja, er überlege, Tesla zu privatisieren, schrieb Musk in einer E-Mail  an seine fast 40.000 Angestellten, die er auf dem Firmenblog veröffentlichte. Er halte das für den besten Weg, um ohne Druck von Quartalszahlen, "Angriffe" von Spekulanten und "wilde Kurssprünge" - wie er sie ja selbst gerade verursacht hatte - langfristig operieren zu können.

Die Shareholder könnten verbleiben, was er selbst am liebsten sähe - oder sich ihre Aktien zum besagten Preis von 420 Dollar abkaufen lassen. Wie die von ihm erwähnte "gesicherte" Finanzierung dafür aussehen soll, verschwieg Musk aber. "Eine endgültige Entscheidung", fügte er überflüssigerweise hinzu, "ist noch nicht gefallen."

Aber der Stein ist ins Rollen gekommen. Kurz darauf wurde die Aktie wieder freigeschaltet, eine Viertelstunde vor Feierabend. Sie schloss mit fast elf Prozent plus.

Musks Argumente sind aus seiner Sicht schlüssig. Mit einem Marktwert von fast 64 Milliarden Dollar ist Tesla wertvoller als alle anderen US-Autokonzerne - GM kommt auf 54 Milliarden, Ford auf 40 Milliarden und Fiat Chrysler auf 26 Milliarden Dollar.

Elon Musk

Elon Musk

Foto: Joe Skipper/ REUTERS

Doch die Zukunft ist eine Zitterpartie. Gewinne bleiben selten, obwohl Tesla viel Schweiß und Geld in sein vielgerühmtes Model 3 investiert hat, das den Massenmarkt erobern soll. Die Wall Street ist bekanntlich launisch - und Musk lässt keinen Zweifel daran, wie sehr er es verabscheut, vor Analysten katzbuckeln zu müssen.

"Langweilig", grunzte er bei einer Konferenzschaltung im Mai, als ein Analyst mehr über die Kapitalaufwendungen erfahren wollte. "Dumme Fragen sind nicht cool. Der Nächste, bitte!"

Musk passt nicht in das Korsett eines konventionellen Konzernchefs. Das beweist er auch dauernd auf Twitter.

Fotostrecke

Oberklasse: Pro Auto verdient Ferrari 69.000 Euro - Tesla verliert 11.000

Foto: FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Auf dem Kurznachrichtendienst kündigte er mal - als Aprilscherz - Teslas "totalen Konkurs" an, trotz "Massenverkaufs von Ostereiern im letzten Moment". Und er beschimpfte einen der thailändischen Taucher als "Pädo", nachdem sich seine eigene Rettungsaktion als PR-Stunt entpuppt hatte. Spätestens da fragten sich nicht nur an der Wall Street einige, ob er noch der Richtige an Teslas Spitze sei.

Vielleicht ist eine Privatisierung tatsächlich die beste Idee. Der Chaos-Tweet, mit dem Musk das vorschlug, wäre immerhin der beste Beweis dafür.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.