Tesla erzielt Rekordgewinn Die späte Rache des Elon Musk

US-Elektroautobauer Tesla widerlegt seine Kritiker: Das Unternehmen hat den größten Gewinn seiner Geschichte erzielt. Dahinter steckt der Erfolg des Model 3 - und ein nicht eingehaltenes Versprechen.
Elon Musk

Elon Musk

Foto: ROBYN BECK/ AFP

Vor ein paar Wochen kam scheinbar schon wieder so eine Katastrophenmeldung von Tesla. Das Unternehmen habe nicht genügend Autotransporter, um seine Fahrzeuge auszuliefern, schrieb Unternehmenschef Elon Musk einem Kunden, der entnervt auf sein Model 3 wartete. In typisch überheblicher Manier versprach Musk, Tesla werde solche Transporter nun eben selbst bauen.

Das alles zeige mal wieder die "armselige Planung" bei dem US-Elektroautobauer, urteilte das Wirtschaftsmagazin "Forbes". Die Marke werde dafür "einen hohen Preis zahlen".

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Weit gefehlt. Tatsächlich handelte es sich bei den Lieferverzögerungen eher um ein Luxusproblem. Im vergangenen Quartal setzte Tesla so viele Autos ab wie noch nie und schrieb einen Rekordgewinn von 312 Millionen Dollar, den dritten überhaupt seit dem Börsengang 2010. Die Aktie kletterte am Donnerstag zeitweise um mehr als neun Prozent in die Höhe.

Allen Eskapaden von Musk zum Trotz - sein Unternehmen hat einen Lauf. Während der Chef kiffend im Radiostudio saß oder am Steuer seines Wagens per Twitter mal eben den Rückzug von der Börse ankündigte - und später peinlich zurückruderte -, schaffte eine Heerschar von Mitarbeitern und freiwilligen Helfern Zigtausende Model 3 irgendwie zu den Kunden. Den Umsatz steigerte Tesla so um 130 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar.

Teslas auf dem Weg zu Kunden

Teslas auf dem Weg zu Kunden

Foto: Smith Collection/Gado/ Getty Images

Damit ist Tesla Historisches gelungen: Ein Elektroauto ist in den Vereinigten Staaten inzwischen das meistverkaufte Autos eines US-Herstellers im Pkw-Segment, zu dem allerdings nicht die beliebten SUV und Pick-ups zählen. Besonders stolz ist Musk, dass er die deutsche Konkurrenz von BMW (3er), Audi (A4) und Mercedes (C-Klasse) längst abgehängt hat. Für die deutschen Autobauer seien die Verkaufszahlen in den USA ein Weckruf, erklärte Analyst Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI.

Was den Markt aber noch stärker elektrisiert: Mit dem Model 3, aufgrund zahlreicher Produktionsprobleme lange als Problemvehikel eingestuft, lässt sich offenbar Geld verdienen. Viel Geld. Auf unglaubliche 20 Prozent beziffert Tesla die Bruttomarge des Autos. Derweil klagen andere Automanager weltweit, Elektroautos seien ein politisch verordnetes Zuschussgeschäft.

Kunden zahlen 60.000 Dollar - statt angekündigter 35.000

Tesla könnte es gelungen sein, die Schwelle zur Finanzierung seines Geschäfts aus eigenen Mitteln zu überschreiten, schreibt dagegen das Analysehaus RBC nüchtern in einer Studie. Mit anderen Worten: Nach Jahren, in denen das Unternehmen geliehene Milliardensummen mit vollen Händen für Fabriken, das Ladesäulennetz und Niederlassungen ausgab, stellt sich heraus: Ein Großteil des Geldes ist womöglich ganz ordentlich investiert und nicht "verbrannt", wie Kritiker immer wieder behaupteten.

Über die Gewinnschwelle verhilft Tesla unter anderem die schiere Größe, die das Unternehmen durch den jahrelangen Kraftakt erreicht hat. In seiner Gigafactory baut Panasonic Batteriezellen, die laut Branchenkennern günstiger als die der Wettbewerber sind. "Tesla zerstört die Konkurrenz", urteilten in dieser Woche die ehemals extrem skeptischen Analysten von Citron Research.

Musks späte Rache an seinen verhassten Kritikern wurde allerdings auch deshalb möglich, weil er ein zentrales Versprechen bis heute nicht eingelöst hat. Das Model 3 kostet viel mehr als die ursprünglich angekündigten 35.000 Dollar. Um nicht allzu lange auf ihr Fahrzeug zu warten, legen viele Kunden 60.000 Dollar und mehr für ein leistungsstarkes, gut ausgestattetes Modell hin.

Erst seit ein paar Tagen ist in den USA ein etwas günstigeres Modell mit kleinerer Batterie bestellbar. In die Nähe des einstmals genannten Preises kommt das Model 3 aber nur noch, wenn die US-amerikanischen Elektroautosubventionen von 7500 Dollar und - je nach Bundesstaat - mehr einberechnet werden.

Große Fragezeichen hinter der Qualität

Diese Subventionen zählen auch zu den größten Risiken, denen Tesla jetzt ausgesetzt ist - denn sie laufen aus. Käufer, die ihren Tesla bis zum Jahresende in Empfang nehmen, kommen noch in ihren Genuss. Danach gibt es nur noch die Hälfte. Über die weitere Zukunft der Steuervergünstigung streiten die Parteien im Kongress.

Für den Jahreswechsel ist also erneut eine Auslieferungswelle in den USA zu erwarten - und wohl auch wieder ein Gewinn. Den hat Musk zumindest angekündigt.

Danach beginnt ein neues Spiel für den exzentrischen Milliardär. Vor allem der europäische und der chinesische Markt rücken ins Zentrum. In der Volksrepublik hat Tesla die selbst gesteckten Erwartungen bisher nicht erfüllt. Eine eigene Fabrik soll Mitte kommenden Jahres den Durchbruch bringen. Doch angesichts des Handelsstreits zwischen den USA und der Volksrepublik warnen Analysten vor Unsicherheiten.

Daheim müssen die Herstellungskosten pro Auto weiter sinken, wenn die Kunden verstärkt günstigere Model 3 nachfragen. Verschiedene chronische Qualitätsmängel sollte das Unternehmen unbedingt in den Griff bekommen, da die Fans Mängel nicht ewig verzeihen werden.

Stark professionalisieren muss Musk dazu die Produktion, die er zuletzt auf halsbrecherische Weise gesteigert hatte. Unter anderem ließ er eine komplette Fertigungslinie in einem Zelt aufbauen, um endlich genügend Model 3 vom Hof zu bekommen.

Auf welch schmalem Grat Tesla mit derartigen Provisorien wandert, zeigte sich im August. Da fraß ein Feuer in einer ähnlichen Konstruktion auf dem Firmengelände Teile des Daches weg.