Autowerk in Grünheide Vogelschutz könnte Bau der Tesla-Fabrik in Brandenburg verzögern

In Grünheide streiten die Bürger über das geplante Tesla-Werk. Gegner der Fabrik dürfen nun hoffen, denn Wirtschaftsminister Steinbach sieht noch Risiken für den Bau - eins bereits zum 1. März.
Tesla-Gegner in Grünheide: Wald kann nicht mehr lange gerodet werden

Tesla-Gegner in Grünheide: Wald kann nicht mehr lange gerodet werden

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Julian Stähle/ dpa

Tesla will bei Grünheide südlich von Berlin eine neue Fabrik bauen, der Kaufvertrag für das Gelände ist bereits beurkundet. Doch die geplante Ansiedlung des US-Elektroautobauers ist aus Sicht von Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach noch nicht vollständig gesichert. "Man sollte nie nie sagen", sagte der SPD-Politiker in einem "Handelsblatt "-Interview auf die Frage, ob er befürchte, dass Tesla abspringe, wenn die Landesregierung zu viel bremse. "So sehr ich mich über die grundsätzliche Standortentscheidung gefreut habe, wirklich freue ich mich erst in dem Augenblick, wenn der erste von Tesla beauftragte Arbeiter tatsächlich einen Spaten in die Erde sticht, um eine Baugrube auszuheben."

In der geplanten Tesla-Fabrik im Kreis Oder-Spree sollen ab Juli 2021 bis zu 500.000 E-Autos pro Jahr vom Band rollen. Das umweltrechtliche Genehmigungsverfahren läuft derzeit, Wald auf dem Gelände muss noch gerodet werden. Offene Fragen gibt es auch bei der Wasserversorgung. Vertreter von Tesla hatten Mitte dieser Woche erstmals auf einer Informationsveranstaltung Fragen von Bürgern beantwortet.

Für einen zügigen Baubeginn sieht der Minister noch Risiken. Er hatte bereits kurz nach der Ankündigung der Fabrikpläne von Tesla-Chef Elon Musk Mitte November die Frage aufgeworfen, ob die vom Unternehmen vorgesehene Zeitachse "hundertprozentig tragen wird". Diese Befürchtungen sind nun offenbar konkreter.

"Bis Mitte März muss die Rodung des Waldes spätestens erledigt sein. Sonst würde sich das Projekt um voraussichtlich ein Dreivierteljahr verzögern", sagte Steinbach. "Das wäre dann eine Situation, in der ich deutlich skeptischer wäre, ob wir Tesla noch bei der Stange halten können." Die Waldrodung ist zum Schutz von Vögeln, Tieren und Vegetation nur bis Ende Februar zugelassen , danach ist noch eine Verlängerung bis Mitte März möglich. Hinzu kommt: Bis zur Rodung muss laut Steinbach noch die Beseitigung von Kampfmitteln und die Entsorgung von Müll abgeschlossen sein.

Steinbach: Arbeit mit Tesla ist "echte Herausforderung"

Das von Tesla gekaufte Gelände hat eine Fläche von rund 300 Hektar und wurde vom Landesbetrieb Forst auf einen Wert von knapp 41 Millionen Euro bemessen. Der Haushaltsausschuss des Landtags hatte den Verkauf am 9. Januar gebilligt, zehn Tage später stimmte der Tesla-Vorstand zu. Das Gelände wird auf Kampfmittel untersucht, sieben US-Fliegerbomben wurden bereits gefunden und gesprengt.

Steinbach nannte die Arbeit mit Tesla eine "echte Herausforderung". Das Werk in Shanghai in China sei nicht vergleichbar. "Wir müssen dann manchmal sagen: Sorry, bestimmte Prozesse im Rahmen des Genehmigungsverfahrens bedürfen eben auch bestimmter zeitlicher Abläufe", sagte Steinbach. "Die nächsten Wochen bis Mitte März sind immer noch eine Herausforderung." Er sagte: "Ich habe aber bisher keine Anzeichen, die mir ernsthafte Sorgen bereiten."

Der Minister bekräftigte, beim Thema Umweltschutz liege der Ball bei Tesla. "Die Antragsunterlagen für die Genehmigung müssen überzeugend darlegen, dass alle materiell-rechtlichen Umweltanforderungen eingehalten werden und ein hohes Schutzniveau für die Umwelt insgesamt sichergestellt ist", sagte Steinbach. "Andernfalls ist das Projekt nicht genehmigungsfähig."

Facharbeiter aus Brandenburg, Baden-Württemberg und Polen

Das Projekt ist dem Politiker zufolge schon in der ersten Ausbaustufe die größte industrielle Ansiedlung seit der Wende für Brandenburg und ein "enormer Beschäftigungsmotor". Er geht davon aus, dass Facharbeiter zunächst aus Brandenburg kämen. Darüber hinaus werde ein Teil derer, die wegen des Strukturwandels in der Autoindustrie - etwa in Baden-Württemberg - ihren Arbeitsplatz verlieren, nach Brandenburg ziehen. "Ein weiterer Teil wird vielleicht aus Polen kommen."

Bei Bürgern in Grünheide und Umgebung gibt es Bedenken wegen der Rodung von Wald und wegen des Trinkwassers, das Tesla in der Fabrik benötigt. Tesla-Chef Musk hatte am Wochenende getwittert, die Fabrik werde unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und der Umwelt entwickelt.

apr/dpa
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