Kursfeuerwerk Tesla ist jetzt so viel wert wie BMW und VW zusammen

"Bitcoin auf Rädern" wird Tesla mitunter genannt. Anleger scheint's nicht zu stören: Nach guten Zahlen schnellt die Aktie um bis zu 20 Prozent empor. Dahinter steckt auch ein bekannter Börsen-Mechanismus.
Tesla-Fahrzeug

Tesla-Fahrzeug

Foto: KIM KYUNG-HOON/ REUTERS

Der erste Quartalsgewinn seines Batterie-Joint-Ventures mit Panasonic beschert Tesla satte Gewinne an der Börse. Die Aktie des Elektroautobauers durchbrach nicht nur erstmals die Marke von 700 Dollar - sie stieg danach noch kräftig weiter, zeitweise um 20 Prozent, auf bis zu 760 Dollar. Wer morgens eine Tesla-Aktie gekauft hätte, der wäre damit im Verlaufe des Tages um mehr als 100 Dollar reicher geworden.

Das Kursfeuerwerk wirkte zudem wie eine Art Machtübernahme am globalen Automarkt: Der Marktwert von Tesla kletterte zwischenzeitlich auf mehr als 132 Milliarden Dollar. Die US-Firma war damit mehr wert als BMW und Volkswagen zusammen. Tatsächlich steckt hinter dem jähen Boom wohl vor allem ein bekannter Börsenmechanismus.

Experten sprachen von einem sogenannten Short-Squeeze. Dabei werden sogenannte Leerverkäufer auf dem falschen Fuß erwischt. Leerverkäufer leihen sich für einen bestimmten Zeitraum Aktien bei Banken und anderen Investoren. Sie verkaufen diese - in der Hoffnung, dass die Kurse fallen und sie sich später Aktien zu einem günstigeren Preis zurückkaufen können. Die Differenz würden sie dann als Gewinn einstreichen.

Wenn nun die Frist für die Rückgabe der Aktien abläuft und die Kurse zu dieser Zeit steigen, dann geraten die Leerverkäufer ins Schwitzen. Je mehr die Kurse steigen, desto größer werden ihre Verluste gegenüber dem ursprünglichen Kaufpreis. Es kommt in der Folge zu einem regelrechten Run auf die Aktien - und je höher der Kurs steigt, desto mehr Leerverkäufer werden gezwungen, sich ebenfalls mit Aktien einzudecken.

Es kommt zu einer Kettenreaktion - und zu einem plötzlichen Kursfeuerwerk. So war es wahrscheinlich auch bei Tesla.

"Bitcoin auf Rädern"

Mit der tatsächlichen Substanz des Unternehmens haben solche Kapriolen wenig zu tun. Was Tesla wirklich wert ist, wird unter Branchenkennern schon lange kontrovers diskutiert.

Manche Experten zweifeln, ob der Hype um das Unternehmen von Gründer Elon Musk gerechtfertigt ist. Gordon Johnson, Chef der Investmentfirma GLJ Research, etwa bezeichnete Tesla kürzlich in einem Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender Fox Business als "Bitcoin auf Rädern".

Wenn man die reinen Geschäftszahlen betrachte, dann habe Teslas Nettoverlust im vergangenen Jahr bei gut 900 Millionen Dollar gelegen, sagte Johnson. Auch seien die Umsätze im vierten Quartal nur noch um etwas mehr als zwei Prozent gestiegen. "Wir glauben, dass das Jahr 2020 für sie eine Katastrophe sein wird", schlussfolgerte Johnson.

Andere Experten sind optimistischer. Bill Selesky vom Analysehaus Argus Research etwa verwies auf die zu erwartenden Umsätze der Fahrzeugmodelle S und X sowie auf eine starke Nachfrage nach dem Modell 3, das im vierten Quartal mehr als 80 Prozent zum Gesamtumsatz beitrug.

Auch die derzeitigen Bilanzergebnisse von Tesla stimmen Anleger optimistisch. Ende Januar hatte das Unternehmen dank einer hohen Nachfrage in Europa und China das zweite Quartal in Folge einen Gewinn bekannt gegeben. Zugleich zeigte sich Tesla zuversichtlich, 2020 mehr als 500.000 Fahrzeuge auszuliefern - nach 367.500 Autos im vergangenen Jahr. 

"Die Zeit klassischer Automobilhersteller ist vorbei."

Seine anfänglichen Produktionsprobleme hat das Unternehmen aus dem Silicon Valley inzwischen ebenfalls besser im Griff. Es rollt nun sein Angebot an aufladbaren Autos weltweit aus. In der ersten Gigafabrik in China ist vor Kurzem die Fertigung angelaufen, mit der Musk den weltgrößten Markt für E-Autos erobern will. Auch in Brandenburg ist eine solche Fabrik geplant.

"Tesla ist der Hersteller der weltweit größten E-Fahrzeugflotte", heißt es im "Electromobility Report 2020" des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, in dem die zentralen Trends der E-Mobilität kontinuierlich bilanziert werden. Das Unternehmen sei derzeit "der Innovationsführer im Bereich Elektromobilität", konstatiert Studienleiter Stefan Bratzel. Es sei anderen Autobauern zwei bis drei Jahre voraus.

In der deutschen Autobranche wird Tesla mit Respekt beobachtet. "Wir werden wie ein Automobilunternehmen bewertet. Tesla wie ein Tech-Unternehmen", sagte VW-Chef Herbert Diess kürzlich vor anderen Automanagern. "Die Zeit klassischer Automobilhersteller ist vorbei."

Volkswagen wolle "genau dorthin", wo Tesla sei, fuhr Diess fort. "Die große Frage lautet: Sind wir schnell genug? Die ehrliche Antwort lautet: Vielleicht, aber es wird immer kritischer."

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