Arbeitsbedingungen im Fokus Krankenstand bei Tesla hat sich verdoppelt

Schnellt der Krankenstand bei Tesla hoch, weil die Produktion ohne Rücksicht auf die Belegschaft ausgeweitet wird? Topmanager widersprechen. Die Chefin der Behörde für Arbeitssicherheit hält die Zahlen für "alarmierend".

Tesla Ladestationen in Kalifornien
REUTERS

Tesla Ladestationen in Kalifornien


Beschäftigte des US-Elektroautobauers Tesla haben im vergangenen Jahr 2018 fast dreimal mehr Tage wegen Krankheit gefehlt als im Vorjahr. Das geht aus Daten hervor, die der Konzern an die US-Bundesbehörde für Arbeitssicherheit und Gesundheit übermittelt hat und über die die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet.

Allein in der Fabrik im kalifornischen Freemont ist die Zahl der Fehltage demnach binnen einem Jahr von 7.600 auf mehr als 22.000 gestiegen. Zwar hat Tesla im gleichen Zeitraum auch die Zahl der Stellen erhöht, die Fehltage verteilen sich also auf eine größere Mitarbeiterzahl als im Vorjahr. Allerdings kann das den Anstieg laut "Bloomberg" nur zu einem kleinen Teil erklären. Bereinigt um die Zahl der Angestellten ergebe sich immer noch eine Verdoppelung des Krankenstands.

Die Zahlen seien "alarmierend", zitiert die Agentur Deborah Berkowitz, die unter Präsident Barack Obama Chefin der Behörde für Arbeitssicherheit und Gesundheit gewesen war. Vor allem der Anstieg der durchschnittlichen Fehltage von 35 auf 66 Tage sei ein "Alarmzeichen".

Tesla hatte im vergangenen Jahr die Fahrzeugproduktion in seinen Werken deutlich erhöht, um die eigenen Ziele zu erreichen. Das Unternehmen selbst weise laut "Bloomberg" allerdings darauf hin, dass die Zahl der Arbeitsunfälle im Verhältnis zu den gearbeiteten Stunden nicht gestiegen sei, so das für Arbeitsschutz zuständige Vorstandsmitglied Laurie Shelbie. Im Übrigen "ist die wichtigste Kennziffer die Zahl der Todesfälle, und unsere Zahl ist null", so Shelbie.

beb



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yxos 21.03.2019
1. Man bleibt am Leben...
"...ist die wichtigste Kennziffer die Zahl der Todesfälle, und unsere Zahl ist null" Das Unternehmen wirbt also damit, dass man wenigstens nicht stirbt, wenn man da arbeitet...? Ok, man kann ja auch nicht alles haben... _
s.l.bln 21.03.2019
2. Zitat Musk:..
..."eure Familien seht Ihr noch genug, wenn wir pleite sind". Wahrscheinlich läuft sowas bei dem unter Mitarbeitermotivation.
E-Mover 21.03.2019
3. Kennzahlen richtig interpretieren
Schade, dass sich Spiegel Online hier wieder nur an die Agenturmeldung dranhängt! Die Unfälle pro Arbeitsstunde sind nicht gestiegen, das ist aber unter Berücksichtigung der in 2018 drastisch gestiegenen Kapazitäten die relevante Kennzahl!
c.PAF 21.03.2019
4.
Aha, schön mit Zahlen arbeiten, die dramatisch klingen, aber die man weiter nicht einordnen kann. Ich persönlich habe meine Krankentage im Vergleich zum letzten Jahr sogar verfünffacht! Letztes Jahr war ich 1 Tag krank, dieses Jahr durch eine kleine OP 5 Tage. Und nun? Also, wieviele Krankheitstage gibt es bei Tesla pro Mitarbeiter und Jahr? Und wieviele Krankheitstage gibt es allgemein in der Automobilbranche pro Mitarbeiter und Jahr?
s.l.bln 21.03.2019
5. Achso?
Zitat von E-MoverSchade, dass sich Spiegel Online hier wieder nur an die Agenturmeldung dranhängt! Die Unfälle pro Arbeitsstunde sind nicht gestiegen, das ist aber unter Berücksichtigung der in 2018 drastisch gestiegenen Kapazitäten die relevante Kennzahl!
"Unfälle pro Arbeitsstunde" nimmt die gestiegene Kapazität doch aus der Rechnung. Das Problem dort ist bekanntermaßen, daß die Leute nach allem, was heute über sinnvolle Arbeitsbedingungen gedacht wird, viel zu viele Arbeitsstunden am Stück ableisten und das über sehr lange Zeiträume. Daß "Unfallrate pro Arbeitsstunde" DIE relevante Kennzahl für die Überlastung einer Belegschaft sein soll,der Krankenstand aber offenbar irrelevant sei, ist wohl ein Witz.
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