Tesla Model 3 Also sprach Elon

Der kalifornische Autobauer Tesla verspricht mit seinem Model 3 coole Elektromobilität zu kleinem Preis. Firmenchef Elon Musk wird dafür verehrt wie ein Heiland - aber kann er wirklich Wunder wirken? Ein Pro und Contra.

AP

Von den manager-magazin.de-Redakteuren und


115.000 Vorbestellungen in 24 Stunden - der US-Hersteller Tesla könnte mit seinem neuen Elektroauto Model 3 den Durchbruch schaffen. Sicher ist das keineswegs. Sechs Gründe sprechen dafür und sechs dagegen.

Pro

1. Tesla elektrisiert die Massen

Es sind Bilder wie man sie eher von Apple kennt: Wie zu Verkaufsbeginn eines neuen iphones drängten sich am Donnerstag die Fans vor den Tesla-Geschäften. An einigen Läden warteten 500 Menschen und mehr stundenlang darauf, 1000 Euro für ein Auto anzuzahlen. Das gab es noch nicht einmal zu sehen, ausgeliefert wird es erst in zwei Jahren. Insgesamt heimste Tesla 115.000 Reservierungen in den ersten 24 Stunden ein.

Elon Musk und seine PR-Strategen haben es damit geschafft: Ohne klassische Werbung haben sie Tesla zu einer Weltmarke gemacht. Der Autobauer hat sich ein Image als technologischer Vorreiter erarbeitet. Zudem stillt Tesla das wachsende Bedürfnis nach abgasfreien Autos und hat damit für viele Fans eine Art Weltretter-Status erlangt.

2. Investoren überschütten Musk mit Geld

Ein begnadeter Redner ist Elon Musk nicht gerade - und doch hängen ihm die Tesla-Fans an den Lippen. Mehr als drei Millionen Twitter-Follower hat bei weitem kein anderer Automanager. Die Tatsache, dass Musk seine wichtigsten Versprechungen bisher in die Tat umgesetzt hat, macht ihn zudem zum Liebling der Finanzmärkte. Die Verspätungen bei den Model-3-Vorgängern Model S und Model X haben Anleger verziehen. Banken und andere Investoren überschütten Musk bei einer Finanzierungsrunde nach der anderen mit Geld. Das dürfte dem Firmenchef dabei helfen, manchen Rückschlag beim Produktionshochlauf des Model 3 wegzustecken.

3. Das Ladenetz ist bisher konkurrenzlos

Tesla hat sich wie kein anderer Autobauer Gedanken gemacht, wie die Fahrer ihren Wagen wieder auftanken können. Während General Motors, Volkswagen, BMW und andere stark auf Energieversorger angewiesen sind, hat Tesla rasch ein eigenes Netz von Schnellladern aufgebaut. Es umfasst inzwischen 613 Standorte an Autobahnen mit 3600 Steckplätzen. Das Aufladen dort ist kostenlos und dauert nur 20 bis 30 Minuten. Bis Ende kommenden Jahres will Tesla die Zahl dieser Ladestationen verdoppeln. Zudem rollt Tesla ein zweites Ladesäulen-Netz mit etwas langsameren Stationen an Hotels und Restaurants aus. Die Chancen stehen gut, dass Tesla den Autofahrern so dauerhaft die Angst vorm Liegenbleiben nimmt.

4. Die Gigafactory verschafft wichtige Vorteile

In der Wüste von Nevada errichtet Tesla die größte Batteriefabrik der Welt. Das Werk soll dabei helfen, die Akkupreise um mindestens 30 Prozent zu senken und auf diese Weise das Model 3 zu einem bezahlbaren und profitablen Fahrzeug machen. Über eine vergleichbare Fabrik verfügt in absehbarer Zeit kein etablierter Autohersteller.

5. Der Direktvertrieb erhöht die Marge

Nicht beim Händler im Industriegebiet, sondern im schicken Innenstadt-Store kommen Tesla-Kunden in Kontakt mit den Elektroautos aus Kalifornien. Und diese Geschäfte sind Teil des Unternehmens. Konfiguriert und bestellt werden Tesla-Autos im Internet. Händlerprovisionen wie bei etablierten Herstellern fallen auf diese Weise weg. Zudem weigert sich Tesla bis jetzt recht erfolgreich, Rabatte zu gewähren. Das alles steigert die Marge pro Auto erheblich. Beim Model S liegt sie Schätzungen zufolge bei etwa 25 Prozent. So hoch dürfte sie beim Model 3 nicht ausfallen. Dennoch erhöht der Direktvertrieb die Chancen, dass der Wagen ein wirtschaftlicher Erfolg wird.

6. Regierungen fördern Elektroautos

Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels, aber auch der Luftverschmutzung in großen Städten, verlangen Regierungen zunehmend saubere Autos. Dabei ist absehbar, dass sich Politiker und Bevölkerung nicht mehr mit sparsamen Benzin- und Dieselautos zufriedengeben. Norwegen, die Niederlande und Indien planen bereits faktische Verbote für Autos mit Verbrennungsmotor im kommenden Jahrzehnt. Für Deutschland haben die Grünen eine solche Maßnahme für das Jahr 2036 ins Gespräch gebracht. Das alles verschafft den Elektroautos in den kommenden Jahren voraussichtlich einen gewaltigen Schub. Als Batterieauto-Branchenführer dürfte Tesla davon überproportional profitieren.

Nils-Viktor Sorge

Kontra

1. Autokäufer sind konservativ

Seit Jahren beschwören Politiker, Manager und Unternehmensberater die Elektroauto-Revolution. Doch passiert ist bisher wenig, weil die Autofahrer sich nicht so recht auf die neue Technik einlassen wollten. Tesla hat mit seinen Modellen S und X auf Oberklasse-Käufer gezielt. Doch das halb so teure Model 3 spricht eine andere Kundenschicht an - die gehobene Mittelklasse. Beim Neuwagenkauf sind diese Kunden oft besonders konservativ. Die Suche nach der nächsten Ladesäule ist ihnen voraussichtlich zu umständlich. Zudem ist die Marke Tesla noch sehr jung. In der Autobranche braucht es aber üblicherweise Jahrzehnte, bis traditionelle Autokäufer einer neuen Marke vertrauen.

2. Benzin ist billig

Je höher die Kraftstoffpreise, desto schneller machen Elektroautos ihren hohen Kaufpreis wett. Doch bei den aktuell niedrigen Ölpreisen geht diese Rechnung nicht auf. Unter den Treibstoff-Billigpreisen wird die Elektroauto-Branche leiden, gibt auch Tesla-Chef Elon Musk zu. Sein Unternehmen, so Musk werde das Treibstoff-Tief aber weniger treffen als andere, da sich Tesla im Premium-Bereich bewege. Ob das auch für das Mittelklasse-Model 3 zutrifft, muss sich zeigen.

3. Der Produktionsanlauf wird Probleme bringen

Tesla ist für Produktionsprobleme und Verspätungen bekannt. Von seinem Model S fertigte Tesla anfangs weniger Fahrzeuge als angekündigt. Den Start des Model X verschoben die Kalifornier mehrfach. Tesla lernte auf die harte Tour, womit die Autobranche schon lange kämpft: Wer von einem neuen Wagen zehntausende Stück herstellen will, hat fast immer mit unerwarteten Problemen zu kämpfen. Das könnte auch beim Model 3 passieren. Sollte dabei auch etwas bei der Verarbeitung schiefgehen, könnte das Tesla viele Sympathien und letztlich den Erfolg kosten.

4. Die Konkurrenz ist aufgewacht

Als Tesla 2011 sein Model S mit bis zu 500 Kilometern Reichweite vorstellte, hatte kein anderer Autohersteller Vergleichbares anzubieten. Beim Model 3, das frühestens Ende 2017 auf den Markt kommen soll, ist das anders: So startet General Motors noch 2017 mit dem Chevrolet Bolt und dem Zwillingsmodell Opel Ampera-e. Mit 320 Kilometer Reichweite liegen die Wagen fast auf Model-3-Niveau. Und auch Audi, Mercedes und BMW planen reichweitenstarke E-Modelle - die Konkurrenz für Tesla wird also schärfer.

Ein Contrapunkt für Tesla, aber nicht für das E-Auto.

5. Die Fördergelder in den USA laufen aus

Zwar gewinnen Elektroautos als Umwelthoffnung an Bedeutung. Doch auf Teslas Heimatmarkt, den USA, laufen die Subventionen in Höhe von bis zu 7500 Dollar pro Auto aus: Wenn ein Hersteller mehr als 200.000 E-Autos verkauft hat, fließt kein Geld mehr. Das dürfte bei Tesla bis zum Auslieferungsstart des Model 3 der Fall sein, während die Konkurrenz möglicherweise noch in den Genuss der Förderung kommt. Gerade bei dem Mittelklassemodell sinkt der Kaufpreis nach Abzug der Förderung relativ betrachtet stärker als bei den doppelt so teuren Oberklassemodellen. Immerhin diskutieren US-Politiker, wie sie die Stromer-Förderung umbauen und zeitlich strecken können.

6. Der Massenmarkt verzeiht keine Service-Fehler

Elektroautos benötigen weniger Wartung als Wagen mit Verbrennungsmotor, doch vor Blechschäden oder Materialermüdung sind sie nicht gefeit. Traditionelle Autohersteller haben dafür Werkstätten-Netzwerke. Tesla setzt bisher auf eine Kombination aus Service-Centern und Fernwartung. Doch wenn die Kalifornier hunderttausende Autos auf den Straßen haben, werden sie dafür noch mehr Servicekräfte brauchen. Die suchen sie händeringend per Stellenausschreibung. Wenn es beim Service ernsthaft knirscht, verliert Tesla womöglich sein höchstes Gut - die Zuneigung seiner Fans.

Wilfried Eckl-Dorna

Im Video: Tesla Model 3 - das erste E-Auto für den Massenmarkt



insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
1lauto 01.04.2016
1. in der Zellen und Batteriefertigung
liegt des Rätsels Lösung. Hier muss unsere Regierung klotzen und sich nicht nur von Subventionsabgreifern hinter die Fichte führen lassen. Bis 1945 war Deutschland führend auf diesem Gebiet. Ein 100 kWh Akku mit 10.000 Vollladezyklen für 10.000€ wäre ein heres Ziel.
MisterD 01.04.2016
2.
Was übrigens kaum Jemand sagt... Tesla gibt keinen bzw. kaum Rabatt. Dort zahlt der geneigte Kunde wirklich fast den Preis, den der Konfigurator am Ende ausspuckt. Bei BMW, Daimler Benz und Co kann man pauschal schonmal 12% vom Bruttolistenpreis abziehen. Wer sich traut zu handeln, kriegt seinen neuen BMW problemlos 15 bis 18% unter BLP. Noch etwas ist grundlegend falsch: Privatkunden spielen auf dem automobilen Luxusmarkt schon seit Langem eine sehr kleine Rolle. Die großen Abnehmer für Luxuskarossen der 4 bis 5 Premiumhersteller sind Mietwagenflotten, Firmenflotten und Leasingfahrzeuge. Dort muss Tesla überzeugen. Und überzeugt wird dort vor allem über den Preis. Das kann Tesla aber nicht, weil man eine Rabattschlacht gegen die etablierten Hersteller nicht gewinnen kann. Zu groß sind dir Reserven, viel zu viel kann der deutsche Automobilbau noch einsparen, denn in Sachen Lohnkosten produziert Herr Musk ja auch nicht gerade in einem Billigstlohnland. Er wird nicht bankrott gehen, keine Frage. Aber bevor er den deutschen Automobilgrößen gefährlich werden kann, werden noch viele Jahre ins Land gehen... Sehr viele...
Pepsi 01.04.2016
3. Marge?
Im Text ist von Gewinnmargen die Rede. In der Realität macht Tesla mit jedem verkauften Fahrzeug horrende Verluste, die dem Unternehmen wegen seiner Zukunftsträchtigkeit noch verziehen werden.
mirdochwurscht 01.04.2016
4. Service?
Den miesen Service einiger deutscher Premiumhersteller zu unterbieten wird schwer sein. Wenn Tesla es noch schaffen sollte die Garantie über die 24 Monate hinaus anzubieten werden sie noch einige Käufer mehr gewinnen. Übrigens war es Audi , welcher es geschafft hatte seinen Marktanteil durch extrem niedrige Leasingraten deutlich zu erhöhen. Da musste die Konkurrenz passen. Die Zeiten sind dank Abgasaffäre vorbei. Ich hoffe das die deutschen Hersteller deutlich unter Druck kommen.
rodriguez b. bender 01.04.2016
5. Kleiner Preis
30000++ sind jenseits von gut und böse und nicht klein. Wenn die Firma dabei noch Verluste einfährt, scheint dies tatsächlich ein Erfolgsmodell, für Spekulanten, zu sein.
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