US-Autobauer Tesla ruft 475.000 Fahrzeuge zurück

Der US-Autobauer Tesla beordert fast eine halbe Million Fahrzeuge der Reihen Model 3 und Model S zurück in die Werkstätten. Zumindest beim Fabrikbau in Brandenburg macht Elon Musks Konzern Fortschritte.
Beim Model 3 (im Bild) gibt's Probleme mit dem Kabelbaum, beim Model S droht der Frunk hoch zu gehen

Beim Model 3 (im Bild) gibt's Probleme mit dem Kabelbaum, beim Model S droht der Frunk hoch zu gehen

Foto: TangKe / Barcroft Media / Getty Images

Wissen Sie was ein Frunk ist? Zumindest frühere Käfer-Fahrer dürften so ihre Erfahrungen mit ihm gemacht haben: Das englische Kofferwort besteht aus den Bestandteilen Front und Trunk – und beschreibt den Raum, der bei dem Auto mit Heckmotor – aber eben auch bei vielen Elektroautos nun im vorderen Teil des Wagens Verstaumöglichkeiten bietet.

Bei vielen Tesla Model S macht dieser Frunk nun ernsthafte Probleme: Knapp 120.000 von ihnen werden wegen einer fehlerhaften Montage des Frunks zurückgerufen. Durch die Fehler könne er sich plötzlich öffnen und die Sicht des Fahrers behindern, so der Hersteller.

Doch damit nicht genug: Beim Model 3 des US-Elektroautobauers kommt es noch dicker. Wegen Problemen mit der Rückfahrkamera werden fast 360.000 von ihnen in die Werkstätten beordert, wie aus einem Dokument der US-Fahrzeugsicherheitsbehörde NHTSA hervorgeht. Die Gesamtzahl der zurückgerufenen Fahrzeuge ist damit fast so groß wie die Zahl der Autos, die Tesla zuletzt pro Jahr auslieferte.

Der Kabelbaum der Rückfahrkamera könne durch das Öffnen und Schließen des Kofferraumdeckels beschädigt werden und die Rückfahrkamera ausfallen. Alle Model 3 der Modelljahre 2017 bis 2020 würden daher zurückgerufen, erklärte die Behörde. Der NHTSA zufolge sind Tesla keine Unfälle, Verletzungen oder Todesfälle im Zusammenhang mit den Problemen bekannt.

Der abermalige Rückruf bei Tesla belastet den Unternehmenswert an der Börse. Die Aktien verloren vorbörslich rund 1,1 Prozent. Zuletzt hatte Tesla im Frühjahr knapp 135.000 Fahrzeuge von Model S und Model X freiwillig zur Nachbesserung zurückgerufen – wegen für Defekte anfälliger Bildschirme, die die Sicht des Fahrers gefährden können. Hinzu kommt: Im August leitete die NHTSA eine formelle Sicherheitsuntersuchung wegen des Fahrerassistenzsystems von Tesla ein, nachdem es zu einer Reihe von Unfällen mit Tesla-Modellen gekommen war.

Woidke verlangt schnellere Genehmigungsverfahren

In Brandenburg, wo Tesla künftig in großem Stil Autos fertigen will, gibt es zumindest kleine Fortschritte beim Bau der Fabrik: Tesla reichte nach Angaben der Brandenburger Landesregierung die noch fehlenden Dokumente für das Genehmigungsverfahren für das Werk in Grünheide ein. »Zum Ende der 50. Kalenderwoche (13.-19.12.) sind die ausstehenden Unterlagen und Informationen eingegangen, die die Voraussetzung für eine Entscheidung über den Tesla-Antrag bilden«, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Doch eine Entscheidung über die Genehmigung wird es damit sehr wahrscheinlich nicht mehr in diesem Jahr geben. Die Unterlagen würden nun unter anderem vom Landesamt für Umwelt und der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Oder-Spree geprüft, sagte der Sprecher. »Ein Termin für die Entscheidung kann deshalb nicht benannt werden.«

Tesla-Chef Elon Musk hatte gehofft, dass die ersten Autos in Grünheide spätestens im Dezember 2021 von den Bändern rollen können. Dort werden schon Fahrzeuge produziert, aber für interne Tests. Der Start der Massenproduktion war laut Tesla stets für 2022 geplant.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke wirbt um Geduld. »Ich bin optimistisch, wir dürfen uns aber auch nicht auf den letzten Metern verstolpern«, sagte der SPD-Politiker, der grundsätzlich auf schnellere Genehmigungen dringt. »Wir brauchen dringend eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren in der Art und Weise, wie es sie vor 30 Jahren schon einmal in den ostdeutschen Ländern gab«, sagte Woidke. »Hierfür muss die Dauer der Verfahren in den Behörden und die Anzahl der rechtlichen Instanzen, bei denen man Widerspruch gegen die Projekte einlegen kann, deutlich begrenzt werden.«

»Wenn wir jetzt ein Weiter-so akzeptieren beim Ausbau der erneuerbaren Energien, beim Bau von Übertragungsnetzen und beim Ausbau von Schienenverbindungen, werden wir es nicht schaffen, Klimaneutralität und Wohlstand zu sichern«, sagte Woidke. SPD, Grüne und FDP haben im Koalitionsvertrag mehr Tempo bei Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinbart.

apr/Reuters/dpa
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