Teslas Fabrikpläne in Brandenburg Es wird ungemütlich für die deutsche Autoindustrie

Mit seinen Plänen für eine Fabrik nahe Berlin dringt Tesla-Chef Elon Musk ins Herz der deutschen Autoindustrie vor. Damit steigt der Druck auf BMW und Co., sich von Grund auf zu erneuern.

John Thys/AFP

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Selbstverständlich muss man Elon Musks Versprechen immer mit Vorsicht genießen. Der Unternehmer und Tesla-Chef ist nicht gerade bekannt für bescheidenes Auftreten, manche seiner Visionen klingen wie jene Science-Fiction-Geschichten, die er als Kind so gern gelesen hat. Mal kündigt Musk an, ab 2025 den Mars mit Menschen zu besiedeln. Mal verspricht er, die Tesla-Autos ab 2020 in Robotaxis zu verwandeln.

Und doch ist Musks jüngste Ankündigung, eine Großfabrik ("Gigafactory") für Elektroautos und -batterien in Brandenburg sowie ein Design- und Entwicklungszentrum in Berlin zu bauen, ein Weckruf für die deutsche Autoindustrie. Dem Zaudern, das derzeit in etlichen Konzernzentralen vorherrscht, begegnet der Tesla-Chef mit ambitionierten Plänen.

Standort Deutschland - doch nicht so übel

Musk will am Standort Deutschland investieren - den viele seiner deutschen Wettbewerber als zunehmend unattraktiv betrachten. Während Hersteller wie Daimler und BMW mit ihren Betriebsräten über milliardenschwere Sparprogramme verhandeln, Zulieferer wie Continental ganze Werke schließen und die Branche in Summe die Produktion am Heimatmarkt reduziert, will Musk neue Standorte in und um die deutsche Hauptstadt aufbauen. Mehr noch: Deutschland soll offenkundig zum Brückenkopf für die Europaexpansion des E-Auto-Herstellers werden. Und das nicht ohne Grund.

Er habe großen Respekt vor der Kompetenz deutscher Ingenieure, sagt Musk. Dass dies kein Lippenbekenntnis ist, bewies der Tesla-Chef vor wenigen Jahren mit dem Kauf des deutschen Mittelständlers Grohmann. Die Hightechfirma liefert Musk Automatisierungstechnik für seine Fabriken. Konzerne wie BMW, die früher zu den Grohmann-Kunden zählten, gehen mittlerweile leer aus.

Auch beim Personal setzt Musk gern auf Know-how aus Deutschland: Als in seinen US-Fabriken Chaos herrschte (Musk selbst sprach von einer "Produktionshölle"), holte er für mehrere Jahre den ehemaligen Audi-Manager Peter Hochholdinger, der die Produktionsstätten auf Effizienz trimmte. Bei Tesla in Kalifornien arbeiten nicht wenige Ingenieure, die früher mal bei BMW oder Bosch waren.

Ob Tesla tatsächlich bis zu 10.000 Stellen in Deutschland schaffen wird, wie manche Medien jetzt spekulieren, ist zwar fraglich. Musk ist ein Fan hoher Automatisierung, seine Vision ist die einer "Maschine, die die Maschine baut". Insbesondere für den Bau von Elektrobatterien werden nur wenige Menschen benötigt, stattdessen erledigen Roboter wesentliche Teile der Arbeit.

Video: Tesla baut in Brandenburg

Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/DPA

Großspurig, aber erfolgreich

Doch aus den Produktionsproblemen der Anfangszeit hat Musk eines gelernt: Roboter können nicht alle Probleme lösen. Für seine zahlreichen neu geplanten Modelle braucht Musk auch Menschen, hoch qualifizierte Mechaniker, Techniker und Entwickler. Und die glaubt er offenkundig auch in Deutschland zu finden, dem Mutterland des Automobils. Es geht dabei wohl eher um Qualität als Quantität.

Der große Respekt, den Musk vor seinen etablierten Wettbewerbern in Deutschland hat, beruhte lange Zeit nicht auf Gegenseitigkeit. Automanager von Konzernen wie BMW oder Volkswagen haben Musk nicht ernst genommen, sie haben ihn für seine Großspurigkeit belächelt. Bis heute hat der Tesla-Chef - zu Recht - viele Kritiker, die auf die prekäre Ertragslage des US-Unternehmens verweisen. Die aggressive Expansion verschlingt Milliarden, und Musk muss erst noch beweisen, dass er auf Dauer profitabel wirtschaften kann.

Eines aber ist ihm schon jetzt gelungen: Tesla ist zum Vorreiter für elektrisch betriebene, digital vernetzte Fahrzeuge geworden. Das hätte noch vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten. Selbst im Volkswagen-Konzern gilt Tesla mittlerweile als Vorbild. Der US-Rivale habe sich längst von einem Nischenplayer zu einem Massenhersteller gewandelt, sagte unlängst VW-Chef Herbert Diess.

Über die neu geplanten Standorte in und um Berlin sind bislang kaum konkrete Fakten bekannt. Dennoch sind Musks Pläne ein klares Signal an BMW, Daimler und Volkswagen: Neue Anbieter wie Tesla dringen immer weiter in ihr angestammtes Geschäft vor - mittlerweile sogar an ihren heimischen Standorten. Der Wettbewerb wird härter, nicht nur um die Kunden, sondern auch um Mitarbeiter.

Wenn es die Platzhirsche nicht schaffen, sich grundlegend zu reformieren und attraktive Autos mit alternativen Antrieben und digitaler Vernetzung zu bauen, dann werden sie im Geschäft mit den Autos der Zukunft keine Hauptrolle mehr spielen.

insgesamt 587 Beiträge
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fehleinschätzung 13.11.2019
1. gähn, immer wieder die gleiche Leier
Tesla müsste erst dies oder erst das, ist in 3 Monaten pleite... bla, bla, bla. Teslla hat Produkte die sich wie geschnitten Brot verkaufen lassen und nimmt kann Zertifikate verkaufen. wer jetzt immer noch denkt, der Diesel hätte eine Zukunft, der glaubt wahrscheinlich alles
Sensør 13.11.2019
2. Wo ist das Problem?
Wenn Tesla in Deutschland Autos baut, ist dies ein neuer Teil der deutschen Automobilindustrie. Das VW. Audi, Mercedes und Porsche uns mit getürkten Dreckskisten veräppeln wollten, während dessen die Zukunft verschnarchen und nun (hoffentlich) daran zu Grunde gehen, geschieht diesen Firmen wirklich recht.
mhuz 13.11.2019
3.
Ungemütlich ? Was am Ende dabei raus kommt wird sich zeigen.Nur weil Tesla jetzt in Brandenburg produziert, dreht sich die Welt nicht anders. Bei Opel ist die Amerikanische Firma verschwunden, jetzt kommt halt Tesla. Die Zeit wird es zeigen.
dennis.hilgersom 13.11.2019
4. Keine Konkurrenz bis dato
Solange die Fahrzeuge von der Verarbeitung als auch im Innenraumdesign so fürchterlich sind, ist das nur Nischen Konkurrenz für Menschen die unbedingt angeben wollen. Bei Preisen zwischen gehobenen 60.000 und bis über 120.000 passt Werterhaltungen, Leasing Gebühr und Weiterverkaufs Preis mal überhaupt nicht zusammen. Wartung und Karosserie Werkstatt sind nicht mal Tesla sondern nur Partner, ein Flickwerk statt kompetente Servicestruktur. Bei dem Preis sicherlich für bestimmte Menschen interessant, aber derzeit noch keine taugliche Konkurrenz, wer soviel Geld für Autos hat wird sicherlich andere Optionen in der Regel vorziehen.
Mike Hardy 13.11.2019
5. Tesla fahren ist ...leider geil!
Jaja, da kommen sie gleich die benzineitrigen Dampfmaschinenfans, die noch nie einen Tesla gefahren sind, aber meinen, zu wissen, dass 100 Jahre alte Technik besser sein. Aber nö, wer im Leben steht und die Realität nicht verdrängt, hat schon lange erkannt, dass elektrisches Fahren ohne Konkurrenz ist. Bei mir war das Thema Dampfdroschke mit der ersten Fahrt im Tesla Roadster 2006 aus und vorbei. Es ist ...leider geil!
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