Teuerungswelle Ökonomen fürchten Inflation von vier Prozent

Bisher machten sich vor allem die Verbraucher Sorgen - nun schlagen auch Ökonomen Alarm: Die Inflationsrate in Deutschland könnte auf vier Prozent schnellen, prophezeien führende Bankvolkswirte. In Großbritannien dürften die Preise laut Notenbank sogar noch stärker steigen.
Euro-Scheine: Wird das Geld immer weniger wert?

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Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Berlin/London - Die Wirtschaft brummt, gleichzeitig pumpt die Europäische Zentralbank Milliardensummen in die Märkte: Das dürfte bald auch Auswirkungen auf die Verbraucherpreise haben. Führende Bankvolkswirte rechnen damit, dass auf Deutschland in den kommenden Jahren eine Teuerungswelle zukommt.

Der Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, fürchtet laut "Bild"-Zeitung mittelfristig eine Vervierfachung der Inflationsrate. "Ein Anstieg der Inflationsrate in den nächsten zwei bis drei Jahren bis auf vier Prozent ist durchaus möglich", sagte Mayer dem Blatt. Ein Grund sei, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der Euro-Krise zu einer "lockeren Geldpolitik ohne große Zinserhöhungen gezwungen sein könnte", sagte Mayer.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag die Inflationsrate laut Statistischem Bundesamt bei 1,1 Prozent.

Auch der Chefvolkswirt der Postbank, Marco Bargel, rechnet mit einem deutlich steigenden Preisniveau. In der "Bild" bezeichnete Bargel einen Anstieg der Inflationsrate auf vier Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren als "durchaus realistisch". Eine Inflationsrate in dieser Höhe könne es dann sogar "für mehrere Jahre" geben, sagte Bargel.

Notenbank steckt im Dilemma

Noch schneller dürften die Verbraucherpreise in Großbritannien steigen. Nach Einschätzung der Notenbank in London dürfte die Inflation schon in den kommenden Monaten auf bis zu fünf Prozent steigen. Dies sagte der Gouverneur der Bank of England (BoE), Mervyn King. Die Zentralbank werde sich bei ihren Zinsentscheidungen jedoch an langfristigen Zielen orientieren. Dies könnte man so interpretieren, dass die BoE einen Anstieg der Inflation auf fünf Prozent kurzfristig zulassen wird - wenn sie dafür langfristig eine geringere Teuerungsrate erwartet.

King verteidigte zudem die Geldpolitik der BoE gegen Kritik. Die Notenbank habe sich mit ihrem Beschluss im vergangenen Jahr, die Leitzinsen trotz des wachsenden Inflationsdrucks nicht zu erhöhen, richtig verhalten. Die verstärkte Inflation sei durch einmalige Faktoren wie höhere Importpreise, einen Anstieg beim Ölpreis und eine Erhöhung von indirekten Steuern verursacht worden.

Zwar müsse die Notenbank irgendwann den Schlüsselzins heraufsetzen. Dieser Schritt werde jedoch nicht durch Inflationszahlen eingeleitet. Mit anderen Worten: Die BoE will nicht nur auf die Verbraucherpreise schauen, sondern ein weiteres Ziel verfolgen - nämlich die kriselnde Konjunktur in Großbritannien zu stützen.

Die britische Wirtschaft hatte zum Ende des vergangenen Jahres einen schweren Rückschlag erlitten. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte von Oktober bis Dezember überraschend um 0,5 Prozent. Manche Ökonomen führen dies auf den radikalen Sparkurs der Regierung in London zurück. Dennoch will diese an ihrer Linie festhalten.

Hohe Importpreise

Die Notenbank hatte die Wirtschaft in der Krise mit milliardenschweren Geldspritzen aufgepäppelt. Dies hat jedoch steigende Preise zur Folge. So liegt die Inflationsrate im Vereinigten Königreich mit 3,7 Prozent schon jetzt fast doppelt so hoch wie von der Zentralbank angestrebt. Das Dilemma von BoE-Gouverneur King: Falls die Notenbank mit höheren Zinsen gegen den Preisdruck vorgeht, riskiert sie ein Abwürgen der Konjunktur.

Auch in Kontinentaleuropa sind es vor allem externe Faktoren, welche die Inflation anheizen. So war in Deutschland die Teuerung bei importierten Gütern 2010 so stark wie seit 2000 nicht mehr. Insgesamt stiegen die Einfuhrpreise im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Krisenjahr 2009 war das Preisniveau um 8,6 Prozent eingebrochen.

Im Dezember beschleunigte sich der Preisauftrieb sogar noch weiter. Im letzten Monat des Jahres stiegen die Einfuhrpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12,0 Prozent. Dies ist die höchste Rate seit Oktober 1981. Grund für die anziehende Teuerung waren vor allem die Preise für Energie, Rohstoffe, Metalle und Nahrungsmittel.

wal/Reuters/AFP/dpa-AFX
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