Teure Schienen Stahlfirmen sollen Bahn abgezockt haben

Hat die Deutsche Bahn über Jahre zu viel Geld für ihre Schienen bezahlt? Diesem Verdacht gehen zumindest Staatsanwälte und Kartellwächter nach. Sie ermitteln gegen 30 Beschuldigte in zehn Unternehmen. Es könnte eines der größten Verfahren seit Jahren werden.
Bahngleise am Frankfurter Hauptbahnhof: 300.000 Tonnen Stahl pro Jahr

Bahngleise am Frankfurter Hauptbahnhof: 300.000 Tonnen Stahl pro Jahr

Foto: Boris Roessler/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Hamburg/Essen - Sie nannten sich die "Schienenfreunde". Hinter diesem harmlosen Begriff könnte sich ein mächtiges Wirtschaftskartell verbergen. Zehn Firmen sollen durch unerlaubte Absprachen über mindestens zehn Jahre die Preise für Bahnschienen in Deutschland bestimmt haben. Das berichten die Zeitungen der "WAZ-Gruppe" am Donnerstag. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte die Meldungen gegenüber SPIEGEL ONLINE.

"Wir ermitteln gemeinsam mit dem Bundeskartellamt gegen 30 Personen in zehn Unternehmen", sagte Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek. Die Ermittlungen stünden allerdings noch am Anfang. Zur möglichen Schadenshöhe könne man daher noch keine Angaben machen.

Die "WAZ-Gruppe" berichtet, allein die Deutsche Bahn habe pro Jahr bis zu 300.000 Tonnen Stahl zu überhöhten Kartellpreisen bezogen. Allein 2006 ließen Abrechnungen einen Schaden von bis zu 100 Millionen Euro vermuten. Das Kartell habe bis 2008 bestanden.

Zu den zehn von den Ermittlungen betroffenen Firmen gehören laut "WAZ" die österreichische Voestalpine sowie die ThyssenKrupp-Tochterfirma GFT Gleistechnik in Duisburg. ThyssenKrupp   habe mittlerweile Konsequenzen gezogen und fast die gesamte Führungsmannschaft der GfT Gleistechnik ausgetauscht. "Unser Interesse ist es, den Fall schnell und umfassend aufzuklären", zitieren die Zeitungen einen Unternehmenssprecher. Die Staatsanwaltschaft Bochum wollte sich nicht dazu äußern, welche Firmen betroffen sind.

stk/dpad