Doppelt so teure Importe Gas aus Russland treibt Energiepreise nach oben

Teure Einfuhren haben die Preise für Energie in Deutschland im Februar kräftig steigen lassen. Dabei sind Entwicklungen infolge des Ukrainekrieges noch nicht einmal enthalten.
Arbeiter an Gaspipeline in der Ukraine (Archivbild): Preise extrem gestiegen

Arbeiter an Gaspipeline in der Ukraine (Archivbild): Preise extrem gestiegen

Foto: Sergey Dolzhenko / EPA

Bei den Energiepreisen hat es im Februar auf allen Wirtschaftsstufen einen enormen Anstieg gegeben – und das, obwohl die aktuelle Preisentwicklung nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine in den Ergebnissen noch nicht enthalten ist.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, war importierte Energie im Februar mit einem Plus von 129,5 Prozent mehr als doppelt so teuer wie im Vorjahresmonat.

Zu den hohen Energiepreissteigerungen trugen demnach »die Unsicherheiten auf den Energiemärkten und die angespannte Versorgungslage mit Erdgas vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine« bei.

Im Inland erzeugte Energie kostete 68 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Für Haushaltsenergie und Kraftstoffe mussten Verbraucherinnen und Verbraucher 22,5 Prozent mehr zahlen als im Februar 2021.

Laut den Statistikern war für den Anstieg der Energiepreise auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen jeweils die Entwicklung der Erdgaspreise hauptverantwortlich. Importiertes Erdgas war im Februar 2022 dreieinhalb Mal so teuer wie ein Jahr zuvor (plus 256,5 Prozent). Erdgas in der Verteilung kostete über alle Abnehmergruppen betrachtet 125,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die starken Preissteigerungen für Erdgas wirkten sich nach Angaben der Statistiker »vor allem auf die Abnehmer in der Industrie sowie die Wiederverkäufer aus«. Das sind Unternehmen, die Erdgas kaufen und an Kraftwerke, die Industrie, an Handel und Gewerbe sowie Haushaltskunden verkaufen. So hätten Wiederverkäufer für Erdgas im Februar 143,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor zahlen müssen, Industriekunden sogar 194,9 Prozent.

Die Börsennotierungen für Erdgas waren laut Bundesamt mehr als viereinhalb Mal so hoch wie im Februar 2021 (plus 358,8 Prozent).

Hohe Gaspreise machen auch Strom teurer

In den Jahren 2020 und 2021 sei die Preisentwicklung bei Erdgas stark vom wirtschaftlichen Einbruch durch die Coronapandemie sowie der rasch folgenden Erholung der Wirtschaft geprägt gewesen, erläuterte das Bundesamt.

In den vergangenen Monaten seien dann Unsicherheiten vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine hinzugekommen. Verschärft worden sei die ohnehin angespannte Lage zudem durch den geringen Füllstand der Gasspeicher in Deutschland. »Die aktuellen Preisentwicklungen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind in den Ergebnissen noch nicht enthalten«, fügte das Bundesamt hinzu.

Die hohen Preissteigerungen für Erdgas führten im Februar auch zu höheren Strompreisen – vor allem aufgrund der Abhängigkeit der Stromerzeugung vom Erdgas. Die Erzeugerpreise für Strom lagen demnach über alle Abnehmergruppen hinweg um 66,5 Prozent über dem Niveau im Februar 2021.

Dabei wirkten sich die Preissteigerungen auch hier unterschiedlich auf die einzelnen Abnehmergruppen aus. Während Weiterverteiler – also Unternehmen, die Strom kaufen und an Industrie, Handel und Gewerbe sowie Haushaltskunden verkaufen – 117,6 Prozent mehr bezahlen mussten als ein Jahr zuvor, stiegen die Preise für industrielle Abnehmer um 66,2 Prozent.

Für Privathaushalte kostete Strom nach Angaben der Statistiker 13 Prozent mehr als im Februar 2021.

Importiertes Erdöl kostete im Februar 70,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Verbraucherinnen und Verbraucher mussten für leichtes Heizöl 52,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat bezahlen, für Dieselkraftstoff 29,4 Prozent und für Benzin 24,2 Prozent.

Forscher warnen vor abruptem Gasstopp

Wirtschaftsforscher rechnen damit, dass die Auswirkungen des Ukrainekrieges und die hohen Energiepreise sich deutlich auf die Konjunkturentwicklung niederschlagen.

So geht das Forschungsinstitut IMK der Hans-Böckler-Stiftung davon aus, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr deutlich langsamer wachsen oder gar schrumpfen wird. Im Basisszenario rechnen die gewerkschaftsnahen Fachleute in ihrer neuen Prognose mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,1 Prozent.

Bei einem ungünstigeren Risikoszenario mit weitaus höheren Energiepreisen würde die Wirtschaft hingegen eine leichte Rezession erleben und könnte um 0,3 Prozent schrumpfen.

Im Dezember war das IMK noch von 4,5 Prozent Wachstum für 2022 ausgegangen. 2021 war das deutsche BIP um 2,9 Prozent gestiegen.

Die russische Invasion in der Ukraine habe den wirtschaftlichen Erholungspfad jäh blockiert, sagte der wissenschaftliche IMK-Direktor Sebastian Dullien. Nun prägten nicht mehr die langsame, aber kontinuierliche Entspannung der coronabedingten Lieferengpässe und deutliche Zuwächse beim privaten Konsum das Konjunkturbild 2022, sondern dramatisch steigende Energiepreise, außerordentlich hohe Inflationsraten, neue Belastungen von Lieferketten und große Unsicherheit: »Das bremst den privaten Konsum, den Außenhandel und die Bereitschaft von Unternehmen, zu investieren.«

Eine abrupte Unterbrechung von Energielieferungen aus Russland, sei es durch ein deutsches Embargo oder einen russischen Lieferstopp, würde laut IMK in diesem Jahr eine tiefe Rezession in Deutschland verursachen. In diesem Fall würde das BIP deutlich stärker schrumpfen als im Risikoszenario.

»Grundsätzlich wäre ein Energieembargo natürlich eine politische Entscheidung, bei der zahlreiche Erwägungen einfließen. Wir wollen aber darauf hinweisen, dass die wirtschaftlichen und auch die sozialen Folgen mit höchster Wahrscheinlichkeit gravierend wären und die Wirtschaftspolitik bereit sein muss, entsprechend zu reagieren«, sagte Dullien.

mmq/AFP/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.