Gehypte Biotech-Unternehmerin Elizabeth Holmes muss mehr als elf Jahre ins Gefängnis

Sie wollte mit ihrem Start-up Theranos angeblich Bluttests revolutionieren – und wurde am Ende als Betrügerin verurteilt: In Kalifornien ist das Strafmaß gegen die schwangere Unternehmerin verkündet worden.
Elizabeth Holmes vor Gericht im November 2021

Elizabeth Holmes vor Gericht im November 2021

Foto: Amy Osborne / AFP

Die frühere US-Bluttest-Unternehmerin Elizabeth Holmes ist wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von elf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Ein Bundesrichter in der kalifornischen Stadt San José verkündete am Freitag das Strafmaß gegen die Gründerin des Biotech-Start-up-Unternehmens Theranos. Die schwangere 38-Jährige muss ihre Haftstrafe nicht vor dem 27. April kommenden Jahres antreten.

Die Staatsanwaltschaft hatte gefordert, Holmes zu 15 Jahren Gefängnis und mehr als 800 Millionen Dollar Entschädigung zu verurteilen. Die Verteidigung hatte dafür plädiert, der 38-Jährigen eine Haftstrafe zu ersparen.

Holmes war im Januar von einer Geschworenen-Jury in mehreren Punkten des Betrugs an Investoren schuldig gesprochen worden.

Der Prozess gegen Holmes, die es einst als große Innovationshoffnung der Tech-Hochburg Silicon Valley auf die Titelseiten der US-Wirtschaftsblätter geschafft hatte, sorgte in den USA für viel Aufsehen. Aufstieg und Absturz der Ex-Starunternehmerin wurden in Podcasts erörtert und in der TV-Serie »The Dropout« verfilmt. Holmes wies die Betrugsvorwürfe stets zurück und versicherte, dass sie aufrichtig an die Technologie von Theranos geglaubt habe. Dass sie kein Schuldgeständnis abgegeben habe, sei bei der Bestimmung des Strafmaßes ein Nachteil für sie gewesen, erklärte Richter Davila.

Holmes hatte 2003 im Alter von nur 19 Jahren die US-Elite-Universität Stanford verlassen, um Theranos zu gründen. Das Start-up versprach, Bluttests mit einer revolutionären Technologie zu vereinfachen, bei der für Proben nur wenige Tropfen genügten. Investoren waren begeistert, zeitweise wurde Theranos mit rund neun Milliarden Dollar bewertet. Holmes war – zumindest auf dem Papier – rund 4,5 Milliarden Dollar schwer. Die Firmengründerin wurde auf Magazin-Covern und Konferenzen als erfolgreiche Self-Made-Milliardärin gefeiert.

Doch auf den steilen Aufstieg folgte der spektakuläre Absturz: 2015 löste ein Investigativbericht des »Wall Street Journal« erhebliche Zweifel an der Technologie von Theranos aus. Auch wenn Holmes zunächst alle Vorwürfe hartnäckig abstritt, geriet ihr Kartenhaus immer weiter ins Wanken. Eine Serie weiterer Enthüllungsartikel entlarvten die vermeintliche Erfolgsgeschichte endgültig als Schwindel. Tatsächlich funktionierten die angeblichen Innovationen von Theranos nicht, stattdessen nutzte die Firma offenbar heimlich herkömmliche Testverfahren. 2018 folgte die Anklage wegen Betrugs.

kko/dop/AFP/dpa
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