Reiseveranstalter Auch deutsche Tochter von Thomas Cook stellt Insolvenzantrag

Nach der Pleite des britischen Unternehmens Thomas Cook ist nun auch die deutsche Tochtergesellschaft zahlungsunfähig. Aktuell sind etwa 140.000 Urlauber mit dem Unternehmen unterwegs.
Thomas-Cook-Reisebüro (Archivbild): Mit den Marken Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen

Thomas-Cook-Reisebüro (Archivbild): Mit den Marken Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen

Foto: Revierfoto/ imago images

Der deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte die Tochter des insolventen britischen Touristikkonzerns   mit. Der deutsche Veranstalter mit den Marken Thomas Cook, Neckermann Reisen, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen sei zu diesem Schritt gezwungen, um sich aus den "finanziellen Verflechtungen und Haftungsverhältnissen" mit dem insolventen Mutterkonzern lösen zu können, teilte die deutsche Gesellschaft mit Sitz im hessischen Oberursel mit.

Etwa 140.000 Urlauber sind aktuell mit dem Unternehmen unterwegs. Kunden sollen nun von ihren Urlaubszielen zurückgebracht werden. "Wir sind derzeit im Austausch mit dem Auswärtigen Amt, dem Reiseinsolvenzversicherer und weiteren Partnern, mit dem Ziel, eine geordnete Rückführung der Gäste zu ermöglichen", hieß es.

Dafür zahlen muss der Versicherer Zurich, der die in Deutschland obligatorischen Reisesicherungsscheine für Thomas Cook-Kunden ausgegeben hat. In Großbritannien bezahlt dagegen der Staat die Rückholung gestrandeter Urlauber aus dem Ausland. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps sprach deshalb von der "größten Rückführungsaktion des Vereinigten Königreichs in Friedenszeiten".

Sie haben bei einem Thomas-Cook-Unternehmen Ihren Urlaub gebucht? Hier lesen Sie, was jetzt passiert:

Die Insolvenz der Muttergesellschaft hatte auch die eng mit ihr verbundenen Gesellschaften in Deutschland in Bedrängnis gebracht. "Wir hätten diesen gerichtlichen Schritt natürlich lieber vermieden", sagte Geschäftsführerin Stefanie Berk, "doch leider ließ sich auf dem Verhandlungsweg keine kurzfristige Lösung erreichen".

Marken sollen bestehen bleiben

Man habe das Ziel, das Reiseveranstaltergeschäft künftig selbstständig weiterzuführen. In den vergangenen zwei Tagen seien intensive Gespräche mit Investoren, Hotelbetreibern und Vertriebspartnern geführt worden. Sie hätten Thomas Cook zumindest die Zuversicht gegeben, dass die Marken des Unternehmens eine Zukunftschance hätten.

Das für das Insolvenzverfahren zuständige Gericht werde voraussichtlich noch am Mittwoch einen erfahrenen Restrukturierer einsetzen, teilte Thomas Cook in Deutschland mit. Er solle die Neuausrichtung des Geschäfts im Rahmen eines Insolvenzverfahrens federführend begleiten.

Der britische Mutterkonzern hatte in der Nacht zum Montag Insolvenz angemeldet. Wie die durch diese Pleite ebenfalls bedrohte Airline Condor hatte auch die deutsche Thomas Cook einen Überbrückungskredit beantragt. "Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um den Fortbestand unseres Unternehmens zu sichern", sagte Berk.

Während die Flugtochter Condor eine Zusage über eine Bürgschaft von 380 Millionen erhalten hat, gibt es zum Veranstalter Thomas Cook bisher keine Entscheidung. Da Condor jedoch nun Teil eines Schutzschirmverfahrens ist, hat Thomas Cook keinen Zugriff mehr auf die Fluggesellschaft.

Der Veranstalter hat den Verkauf von neuen Reisen bereits am Montag gestoppt.

apr/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.