Kriselnder Tourismuskonzern Thomas Cook bittet angeblich um Staatshilfen

Vor nicht einmal einem Monat hat der Reiseveranstalter Thomas Cook sich 900 Millionen Pfund gesichert. Doch das Rettungspaket scheint nicht zu reichen. Medienberichten zufolge bat der Konzern um Staatshilfen.

Die Flüge finden laut Thomas Cook normal statt
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Die Flüge finden laut Thomas Cook normal statt


Der britische Reiseveranstalter Thomas Cook hat Medienberichten zufolge die Regierung in London um Finanzhilfe gebeten. Das berichteten die Fernsehsender BBC und Sky News.

Die Thomas-Cook-Führung um Konzernchef Peter Fankhauser arbeitet mit Banken und Investoren seit Monaten an einem Rettungspaket von inzwischen 1,1 Milliarden britischen Pfund (1,25 Mrd Euro). Dem Konzern droht, bald das Geld auszugehen.

"Es wird weiter hart verhandelt", sagte ein Konzernsprecher, äußerte sich aber nicht zu Details. Geplant sei weiterhin, die Rekapitalisierung bis Mitte Oktober umzusetzen.

Flüge sollen weiterhin stattfinden

Gleichzeitig versucht Thomas Cook, verunsicherte Urlauber zu beruhigen. "Flüge der Thomas Cook Airlines sind davon nicht betroffen und finden normal statt", twitterte das Unternehmen.

Die Rekapitalisierung des Unternehmens mit Marken wie Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor solle finanzielle Stabilität bringen. Die konzerneigenen Fluggesellschaften gelten als Gewinnbringer von Thomas Cook. Sorgen macht vor allem das britische Veranstaltergeschäft.

Sky News zufolge schließt die britische Regierung einen Staatskredit für Thomas Cook zwar nicht aus, sieht diese Option aber in weiter Ferne. Der Konzern hatte am Freitag bestätigt, dass er zusätzlich zu dem ausgehandelten Rettungspaket von 900 Millionen Pfund versucht, weitere 200 Millionen Pfund für die reise- und daher finanzschwache Wintersaison zu bekommen.

Geldgeber abgesprungen

Insidern zufolge haben beteiligte Banken, darunter die Royal Bank of Scotland, diesen Puffer gefordert. Ein Hedgefonds, der als Geldgeber im Spiel war, sei jedoch inzwischen abgesprungen, meldete Sky News. Auch über einen schnellen Verkauf des Nordeuropa-Geschäfts werde wieder nachgedacht, um dem Konzern frisches Geld zu beschaffen.

Zum Ende der Sommersaison befinden sich noch immer Hunderttausende Kunden mit Thomas Cook in Urlaub. Laut Medienberichten sollen es 600.000 sein, davon etwa 150.000 aus Großbritannien. Bei einer Insolvenz müssten sie mit großem Aufwand zurückgeholt werden.

Während bei Pauschalreisenden aus Deutschland im Fall einer Insolvenz des Veranstalters ein Versicherer einspringt, bezahlt in Großbritannien der Staat für die Rückholung gestrandeter Urlauber aus dem Ausland. Daher müsste die britische Regierung im Fall einer Insolvenz des Konzerns Medienberichten zufolge mit Kosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Pfund rechnen.

Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits Jahr 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und leidet unter der hohen Zinslast.

brt/dpa

insgesamt 25 Beiträge
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claus7447 21.09.2019
1. Flüge sind damit nicht betroffen?
Diese Aussage stimmt nicht. Ich hatte im März eine Reise für Ende Dezember nach La Palma gebucht. Vor 6 Wochen informierte mich mein Reisebüro, das andere Gäste festgestellt haben, dass Condor/Thomas Cook ab Anfang Dezember diese Route ersatzlos gestrichen hat. Selbst die TC Zentrale in München wusste fast 2 Wochen davon nichts. Letztlich war es das Reisebüro, das Alternativen fand, TC reagierte sehr unkooperativ. Man muss sich fragen, wie sicher sind derzeit Reisen mit TC.
j1958 21.09.2019
2. Drum prüfe wer sich ewig bindet...
Die Sommersaison ist vorbei und für Airlines und Reiseveranstalter beginnt die schwere Zeit. Bei Individualbuchungen sollte man vor Buchung im Netz checken, ob die betreffende Airline als wackelig eingestuft ist und entsprechend vorsichtig sein. Was TC betrifft, so ist Condor eine eigene deutsche Airline, die als recht erfolgreich gilt. Sollte TC zusammenbrechen müßte das nicht automatisch ihr Ende beideuten (so wie z.B. die Air Berlin Tochter Laudair weiter munter herumfliegt). Trau, schau, wem gilt besonders bei Reisebuchungen.
marclarsen 21.09.2019
3.
Kann ich, wenn ich mein Konto überzogen habe und die Bank mir nix mehr gibt auch bei Väterchen Staat nach Hilfe fragen?
tom.berger200 21.09.2019
4. Zentrale in München
seit wann ist die TC Zentrale in München? Verstehe ich nicht?
seamanslife 21.09.2019
5. dann kann ja die Lufthansa die Condor übernehmen
fürn Appel und nen Ei wird ihnen die Airline in den Schoß fallen. Die Maschinen sind schon etwas betagt aber die Rechte an den Strecken sind gefragt, den Brexiteers sei Dank.
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