Empörung über Umgang mit Urlaubsunfall Shitstorm gegen Thomas Cook

"Buchen Sie nicht bei Thomas Cook" fordern Kritiker im Internet. Grund für den Ärger: Angeblich strich der Reiseveranstalter nach einem tödlichen Urlaubsunfall eine höhere Entschädigung ein als die Eltern der verunglückten Kinder. Der Konzern gibt sich reumütig.

Thomas-Cook-Logo: Kritik am Umgang mit tödlichem Urlaubsunfall
DPA

Thomas-Cook-Logo: Kritik am Umgang mit tödlichem Urlaubsunfall


Internetnutzer laufen Sturm gegen den Reiseveranstalter Thomas Cook. Sie kritisieren die Art, wie das britische Unternehmen nach dem Tod von zwei Kindern in deren Familienurlaub mit Entschädigungszahlungen umgegangen ist. In sozialen Netzwerken rufen Kritiker zum Boykott auf.

Medienberichten zufolge soll der Konzern selbst eine höhere Wiedergutmachung bekommen haben als die Eltern der verunglückten Kinder. Diese hatten im Jahr 2006 zusammen mit ihren Eltern Urlaub auf Korfu gemacht. Im Apartment der britischen Familie war der Gasboiler defekt, das Geschwisterpaar wurde durch austretende Dämpfe vergiftet.

Das Unternehmen hat nach eigener Auskunft 1,5 Millionen Pfund (2,09 Millionen Euro) von dem griechischen Hotelbetreiber erhalten. Nach Medienberichten bekamen die Eltern nur einen Bruchteil der Summe. Thomas Cook wollte das erhaltene Geld für gemeinnützige Zwecke stiften.

In sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter machen Nutzer nun ihrem Ärger Luft und posten beispielsweise auf der Thomas-Cook-Facebook-Seite Boykottaufrufe gegen das Unternehmen.

Ein Kunde verkündete dort, er habe seinen Urlaub bei dem Konzern storniert.

Disgrace just cancelled my holiday with you as I have kids !!!

Posted by Paul Morrison on Mittwoch, 20. Mai 2015
Eine Frau kündigte an, sie wolle nie wieder bei Thomas Cook buchen.

I will never use your services again after your recent behaviour regarding that poor family

Posted by Sharla Gates on Mittwoch, 20. Mai 2015
Laut Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser schlägt sich die öffentliche Empörung aber bisher nicht im Geschäft nieder. "Bis jetzt sehen wir keinen Effekt bei unseren Buchungen", sagte Fankhauser.

Zugleich räumte er ein, dass es beim Umgang mit der Familie der Kinder in der Vergangenheit einige Fehler gegeben habe. "Zuallererst möchte ich mein tiefes Bedauern über den tragischen Tod dieser Kinder zum Ausdruck bringen", sagte der Manager in einem Interview.

Für das erste Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres wies Thomas Cook einen operativen Verlust von 173 Millionen Pfund (240 Millionen Euro) aus. Aktien des Reiseveranstalters fielen um mehr als ein Prozent, nachdem sie schon am Montag rund drei Prozent verloren hatten. Das Management bekräftigte die Prognose, im Gesamtjahr währungsbereinigt mit Wachstum zu rechnen. Die Buchungen für den Sommer seien ermutigend.

kpa/Reuters



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tkedm 20.05.2015
1.
Dass dieses Unternehmen auch noch stolz antwortet, dass der Unfall keine negativen Auswirkungen auf die Buchungen hat. Ein einfaches "kein Kommentar" wäre angebrachter gewesen.
teaki 20.05.2015
2. Gut zu wissen...
Cook kann mich als Kunde schonmal streichen - mag sie nicht jucken, da ihre Buchungen ja so toll sind aber mich juckt es.
obertroll 20.05.2015
3.
Thomas Cook bekam 3 Million Pfund als Wiedergutmachung vom Hotel und spendete 1,5 Millionen an Unicef. Die Familie bekam gerade mal 300,000 Pfund. Den Rest wollte Thomas Cook behalten, um die Rechtsanwälte zu bezahlen.
juanth 20.05.2015
4. TC ist generell nicht die 1.Wahl
Wer schoeneren/besseren Urlaub sucht, nimmt eh hoeherwertige Veranstalter, wer es bei gleicher Leistung billiger will, der findet sehr viele. Allgemein der Veranstalter mit dem schlechtesten Preis/Leistungsverhaeltnis. Viel Marketing, wenig Service, schlechteste Personal der Branche. P.S. und ja ich arbeite in der Reisebranche, aber nicht bei einem Veranstalter und kann meine Aussage daher guten Gewissens machen.
PeterPan95 20.05.2015
5.
"Ein Kunde verkündete dort, er habe seinen Urlaub bei dem Konzern storniert. Eine Frau kündigte an, sie wolle nie wieder bei Thomas Cook buchen." Dank der asozialen Medien wird heutzutage aus jeder Einzelmeinung ein Shitstorm und öffentliche Empörung. Früher(tm) waren das einfach nur Trolle und wurden (insbesondere von den "Qualitätsmedien") geflissentlich ignoriert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.