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12. Juli 2019, 08:26 Uhr

Ältester Reisekonzern der Welt

Chinesen wollen Thomas Cook retten

Thomas Cook bekommt Hilfe aus China. Die Fosun-Gruppe bietet dem hochverschuldeten Reisekonzern rund 835 Millionen Euro für seine Reisesparte und einen Anteil an seiner Airline.

Der angeschlagene Traditionskonzern Thomas Cook kann auf frisches Kapital hoffen. Sein größter Aktionär, die Fosun-Gruppe, bietet dem britischen Tourismusunternehmen eine Geldspritze in Höhe von rund 835 Millionen Euro an.

Im Gegenzug könnte Fosun die Kontrolle des Reisegeschäfts und einen nicht unerheblichen Minderheitsanteil am Fluggeschäft übernehmen, teilte der Investor mit. Ihm gehören bereits jetzt 18 Prozent der Aktien am Thomas-Cook-Konzern.

Fosun ist das größte in Privatbesitz befindliche Konglomerat der Volksrepublik China. Die Gruppe mit Hauptsitz in Shanghai ist unter anderem an Versicherungen, Industriebetrieben und Tourismusfirmen beteiligt. Auch die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser befindet sich im Besitz der Chinesen.

Nach Angaben von Thomas Cook sind die Verhandlungen über eine Finanzspritze von Fosun in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Gespräche dauerten aber noch an, hieß es. Niemand habe gewollt, dass es soweit komme, sagte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser mit Blick auf die Geldspritze. Nun aber liege zumindest eine "pragmatische Lösung" auf dem Tisch.

Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau

Thomas Cook gilt als ältester Reiseanbieter der Welt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg sind die Briten bereits seit 1841 im Geschäft. Zuletzt aber war die Traditionsfirma immer mehr in die Krise geraten. Der Börsenwert des Reisekonzerns ist in den vergangenen zwölf Monaten um gut 87 Prozent eingebrochen.

Inzwischen gibt es sogar Zweifel an der Zahlungsfähigkeit von Thomas Cook. Laut Bloomberg belaufen sich die Schulden des Unternehmens auf rund 1,9 Milliarden Dollar. Die Erträge aus dem Reisegeschäft gehen gleichzeitig zurück. Die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's haben die Kreditwürdigkeit des Unternehmens bereits auf Ramschniveau heruntergestuft.

Die Briten hatten nach eigenen Angaben bereits zuvor mehrere Angebote für ihre Fluggesellschaften oder Teile davon erhalten, unter anderem von der Lufthansa, die vor allem am deutschen Ferienflieger Condor interessiert ist.

ssu

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