Insolvenz Reiseveranstalter buhlen um Kunden von Thomas Cook

Bis Jahresende musste die deutsche Thomas Cook nach ihrer Pleite alle Reisen streichen - ab 2020 will sie wieder ins Geschäft einsteigen. Das wird schwierig, sagt ein Branchenkenner. Die Konkurrenz ist stark.

Die Konkurrenz schläft nicht: Reisebüro von Thomas Cook in Berlin
Sean Gallup/Getty Images

Die Konkurrenz schläft nicht: Reisebüro von Thomas Cook in Berlin


Die deutsche Thomas Cook will nach ihrer Insolvenz möglichst schnell wieder ins Geschäft einsteigen. Das bislang zweitgrößte deutsche Reiseunternehmen war in den Strudel der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten und musste im Zuge seiner Insolvenz alle Reisen bis zum Jahresende absagen. Thomas Cook plant nun, ab 1. Dezember wieder operativ tätig zu sein und Reisen ab Jahresbeginn 2020 anbieten zu können.

Branchenkennern zufolge dürfte das nicht einfach werden - andere Reiseveranstalter haben bereits damit begonnen, ihre Kapazitäten auszubauen. "Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die deutsche Thomas Cook zu alter Stärke zurückkehrt", sagt Torsten Kirstges, Professor der Tourismuswirtschaft an der Jade-Hochschule in Wilhelmshafen. "Die durch die Insolvenz geschädigten Reisebüros werden von den anderen Veranstaltern umworben. Verunsicherte Kunden werden sich umorientieren."

So hofft der größte deutsche Reiseveranstalter TUI im kommenden Jahr auf 500.000 neue Kunden. In Ländern wie der Türkei und Griechenland, auf den Balearen sowie den Kanaren würden neue Verträge mit Hotels geschlossen, teilte TUI mit. Zudem will der weltgrößte Touristikkonzern mehr Flüge aus Deutschland anbieten.

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Auch Schauinsland Reisen hat nach eigenen Angaben zusätzliche Hotels unter Vertrag genommen. Konkurrent Alltours hat sich nach eigenen Angaben bereits einen großen Teil der Hotel- und Bettenkontingente der deutschen Cook-Töchter Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin gesichert.

Thomas Cook will mithilfe von Neckermann neu starten

Pauschalurlauber von Thomas Cook können bislang bis einschließlich 31. Dezember nicht starten. Das gilt auch, wenn sie schon bezahlt haben, weil die Durchführung des Trips nicht garantiert werden kann. Für zusätzlichen Ärger sorgt, dass Betroffene nicht mit einer vollen Erstattung ihres Geldes rechnen können. Die Versicherungssumme von insgesamt 110 Millionen Euro wird nach Einschätzung des Versicherers Zurich Deutschland nicht ausreichen.

Die deutsche Thomas Cook buhlt derzeit um staatliche Unterstützung und hat beim Bund und beim Land Hessen einen Überbrückungskredit in Höhe von 375 Millionen Euro beantragt. Um diesen zu erhalten, braucht das Unternehmen auch ein Überlebensszenario - dafür hat es Neckermann ins Spiel gebracht. Unter der Traditionsmarke, so hofft das Management, könne ein Neustart gelingen.

"Selbst wenn es gelingt, Anfang Dezember den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen, dürfte dies auf sehr kleiner Flamme erfolgen", sagt Tourismusexperte Kirstges. Besonders betroffen durch die Insolvenz sind Partner der deutschen Thomas Cook in den Urlaubsgebieten wie Hotels, Reiseleiter oder Busunternehmen - sie fürchten Millioneneinbußen, einige bangen um ihre Existenz.

kko/dpa

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