Insolventer deutscher Reiseveranstalter Thomas Cook zieht Antrag auf Staatskredit zurück

Condor wird mit Staatsmillionen gerettet. Für die deutsche Reiseveranstalter-Tochter des britischen Thomas-Cook-Konzerns fließt dagegen kein Geld. Grund sollen "insolvenzrechtliche Schwierigkeiten" sein.

Kein Herz für Thomas Cook: Welcher Investor springt ein?
Sean Gallup / Getty Images

Kein Herz für Thomas Cook: Welcher Investor springt ein?


Der insolvente deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook muss vorerst ohne staatliche Hilfe auskommen. Die Tochter des ebenfalls zahlungsunfähigen britischen Touristikkonzerns Thomas Cook hat ihren Antrag auf einen staatlichen Brückenkredit zurückgezogen, wie die vorläufigen Insolvenzverwalter mitteilten.

Als Grund wurden "insolvenzrechtliche Schwierigkeiten" angegeben. Weitere Details wurden nicht genannt. "Der bereits vorliegende Antrag kann daher in dieser Form nicht weiter betrieben werden", hieß es. Dem Vernehmen nach bestand das Hauptproblem darin, dass der Antrag nicht von der Gesellschaft selbst hätte gestellt werden dürfen.

Die Bundesregierung muss somit auch nicht über Hilfe für Thomas Cook mit den Marken Thomas Cook, Neckermann Reisen, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen entscheiden. Die ebenfalls zu Thomas Cook gehörende Fluggesellschaft Condor hat hingegen aus Brüssel die Genehmigung für einen staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro erhalten. Für das von der Staatsbank KfW bereitgestellte Geld bürgen Bund und das Land Hessen zu jeweils gleichen Teilen.

Option auf neuen Antrag auf Staatsgeld offengelassen

Auch Management und Belegschaft der deutschen Thomas Cook hatten auf einen staatlichen Überbrückungskredit nach dem Vorbild der Schwesterfirma Condor gesetzt. Die Nachrichtenagentur dpa hatte unter Berufung auf Regierungskreise von einer geforderten Summe in Höhe von 375 Millionen Euro berichtet.

Ob es auch bei Thomas Cook einen verbesserten oder neuen Antrag auf Staatshilfe geben wird, ließen die vorläufigen Verwalter, die Rechtsanwälte Fabio Algari, Ottmar Hermann und Julia Kappel-Gnirs, offen. Die tatsächlichen und rechtlichen Voraussetzungen würden weiter überprüft. Auch den laufenden Investorenprozess treibe man gemeinsam mit der Geschäftsführung unter Hochdruck voran.

Das Veranstaltergeschäft der deutschen Thomas Cook würden Konkurrenten gerne selbst übernehmen und haben ihre Hotelkapazitäten bereits entsprechend ausgeweitet. Derzeit fänden laufend Gespräche mit Interessenten statt, teilten die vorläufigen Insolvenzverwalter des angeschlagenen Reiseveranstalters mit. Dazu zählten strategische Investoren aus der Branche ebenso wie Finanzinvestoren.

Die deutsche Thomas Cook mit rund 2000 Beschäftigten hatte am 25. September beim Amtsgericht Bad Homburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Veranstalter und die zugehörigen Marken sagten sämtliche Reisen für dieses Jahr ab. 140.000 Touristen müssen nun auf Entschädigungen hoffen, für die die Zurich-Versicherung mit einem Volumen von 110 Millionen Euro zuständig ist. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind früheren Angaben zufolge bis Ende November 2019 durch Insolvenzgeld gesichert.

apr/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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liberaleroekonom 16.10.2019
1. Die deutsche Thomas Cook kann man doch nicht mit Condor vergleichen
Reiseveranstalter wie die deutsche Thomas Cook gibt es doch genügend, da gibt es doch überhaupt keinen Grund diesen zu schützen. Bei der Condor ist die Wettbewerbssituation doch völlig anders. Es Ist doch Interessant und nicht verwunderlich, dass sich derzeit mehrere Reiseveranstalter sehr wohlwollend zu einer möglichen Condor-Beteiligung äußern. DER Touristik, Schauinsland Reisen und Alltours signalisieren alle ihre Bereitschaft für eine Beteiligung an Condor, da sie als Reiseveranstalter das Überleben der deutschen Thomas-Cook-Airline als wichtig für einen gesunden Wettbewerbs ansehen. DER-Touristik-Europachef Ingo Burmester sagte: "Eine anteilige Beteiligung würde ich nicht grundsätzlich ausschließen". Condor sei sehr verlässlich und gerade im Moment bei Kunden sehr beliebt. Man stelle aktuell steigende Buchungen für Sommer und Winter auf Condor-Flügen fest. Das Interesse von DER liege in einer "eigenständigen, dauerhaft erfolgreichen Airline". Der Überbrückungskredit reicht zum Überwintern und spätestens im Frühjahr hat Condor dann unter Beteiligung einiger Reiseunternehmen auch wieder einen solventen Investor an seiner Seite. Alles wird gut, aber eben nur für Condor und nicht für den deutschen Reiseveranstalter Thomas Cook.
kumi-ori 17.10.2019
2.
"Condor wird mit Staatsmillionen gerettet" Wird Condor wirklich gerettet? Oder ist es nicht einfach so, dass zum Jahresende noch dringend Budget ausgegeben werden muss?
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