Thomas-Cook-Pleite Spekulanten hoffen auf Millionengewinne

Mittels Kreditausfallversicherungen wetten Investoren auf Pleiten von Großkonzernen. Im Fall der Thomas-Cook-Insolvenz könnte ihnen das Ausschüttungen in Höhe von insgesamt 250 Millionen Dollar bescheren.

Einige Hedgefonds könnten an der Pleite von Thomas Cook kräftig verdienen
Christopher Furlong / Getty Images

Einige Hedgefonds könnten an der Pleite von Thomas Cook kräftig verdienen


Aus der Insolvenz von Thomas Cook könnten offenbar einige Hedgefonds als Gewinner hervorgehen. Spekulanten wie Sona Asset Management und Xaia Investment hatten auf eine Pleite des Reisekonzerns gewettet, von der 21.000 Mitarbeiter und Hunderttausende Urlauber betroffen sind.

Dazu investierten sie in Finanzderivate, die im Fall einer Insolvenz möglicherweise eine Ausschüttung in Höhe von rund 250 Millionen US-Dollar bescheren, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Ob dies tatsächlich der Fall sei, sei jedoch noch offen.

Die Investoren könnten dabei von der Einzahlung in sogenannte Credit Default Swaps (CDS - Kreditausfallversicherungen) profitieren. Sie werden häufig dazu verwendet, um auf mögliche Zahlungsausfälle oder Pleiten von Unternehmen zu wetten.

Mit dem Kauf von CDS können sich Investoren etwa auch gegen den Ausfall von Staatsanleihen absichern - seit der Finanzkrise sind diese Absicherungsgeschäfte umstritten. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 folgte eine Kettenreaktion - damals hatten sich Anleger mit CDS in Höhe von mehr als 500 Milliarden Euro abgesichert. Weil es keine Registrierungspflicht für die Papiere gibt, sind die Risiken schwer einzuschätzen.

Thomas Cook mit rund 1,9 Milliarden Euro verschuldet

Im Fall von Thomas Cook beziehen sie sich auf Unternehmensanleihen, mit denen der Konzern bei Anlegern Geld eingesammelt hat. Ob der Insolvenzantrag aus der Nacht zu Montag für eine Auszahlung der Summe an die Hedgefonds ausreicht, ist aber noch nicht entschieden. Dies ist nun Aufgabe eines Komitees.

Der Konzern ist mit rund 1,7 Milliarden britischen Pfund (1,9 Milliarden Euro) verschuldet.

Ein Rettungsplan, demzufolge der chinesische Mischkonzern Fosun zusammen mit Banken und Anleihegläubigern die Mehrheit an dem Unternehmen übernehmen sollte, war in der Nacht zum Montag gescheitert. Thomas Cook meldete daraufhin in der Nacht Insolvenz an.


Banken hatten gefordert, dass der Reisekonzern zusätzlich zu dem geschnürten Rettungspaket von 900 Millionen Pfund weitere 200 Millionen Pfund für das schwierige Winterhalbjahr auftreibt. Die Suche nach weiterem Geld scheiterte jedoch, auch die britische Regierung lehnte einen Hilfskredit ab. Zudem gestalteten sich die Verhandlungen wegen des hohen Einsatzes einiger Hedgefonds schwierig.

flg/dpa-AFX

insgesamt 35 Beiträge
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syracusa 23.09.2019
1. genau so viele Gewinner wie Verlierer
Zitat: "Aus der Insolvenz von Thomas Cook könnten offenbar einige Hedgefonds als Gewinner hervorgehen. Spekulanten wie Sona Asset Management und Xaia Investment hatten auf eine Pleite des Reisekonzerns, von der 21.000 Mitarbeiter und Hunderttausende Urlauber, betroffen sind, gewettet." Das ist irrelevant, denn jeder Cent, den die Spieler im Börsencasino gewinnen, verliert ein anderer Casinospieler. Das ist ein Nullsummenspiel.
marthaimschnee 23.09.2019
2.
Zitat von syracusaZitat: "Aus der Insolvenz von Thomas Cook könnten offenbar einige Hedgefonds als Gewinner hervorgehen. Spekulanten wie Sona Asset Management und Xaia Investment hatten auf eine Pleite des Reisekonzerns, von der 21.000 Mitarbeiter und Hunderttausende Urlauber, betroffen sind, gewettet." Das ist irrelevant, denn jeder Cent, den die Spieler im Börsencasino gewinnen, verliert ein anderer Casinospieler. Das ist ein Nullsummenspiel.
Und da fleißig Geld gedruckt wird, um die Finanzmärkte zu befriedigen, gewinnen immer die selben und es verlieren immer die selben. Und aus dem Grund steht über dem ganzen Kapitalkonstrukt: Was wird auf dem Weg in eine bessere Zukunft unbedingt loswerden müssen!
Pango 23.09.2019
3. Soso, "Spekulaten" ...
... Wahrheit ist doch, dass Thomas Cook schon seit langen Jahren nicht mehr als eine 'cash cow' war, bei denen vor allem am Personal gespart wurde. D.h. zum Beispiel schön die Arbeitsverträge über die Schweiz laufen lassen (auch wenn der Mitarbeiter beispielsweise in Spanien arbeitet) und auch entsprechend versichern. Soll heißen der Konzern sparte ordentlich, während der Mitarbeitende nur Nachteile hatte (u.a. Hütchen-Spiel der Zuständigkeiten, geringe Löhne bei wenig Schutz des Arbeistplatzes). Von der miesen internen Führungskultur braucht man da gar nicht erst zu reden. Was da bewusst gegen den Arbeitsschutz verstoßen wurde, geht auf keine Kuhhaut. Insofern war es überfällig, dass dieser Seelenverkäufer sein verdientes Ende findet!
TS_Alien 23.09.2019
4.
Die Börse ist kein Nullsummenspiel. Das kann man selbst an einfachen Beispielen erkennen. "Ausfallversicherungen" sind Wetten und werden von anderen Marktteilnehmern angeboten. D.h. es hat auch Marktteilnehmer gegeben, die darauf gewettet haben, dass TC nicht pleite geht. Diese haben sich nun verzockt. Und wenn sie deswegen ebenfalls pleite gehen, ist die "Ausfallversicherung" auch nichts mehr wert. Je absurder die Wette ist, desto unseriöser dürfte der Emittent sein.
stephan87 23.09.2019
5. Das ist ein Problem
Der Artikel wirkt auf den ersten Blick als hätte er einen moralisierenden Unterton ("Mit dem Jobverlust anderer Leute machen die bösen Hedgefunds Kohle"). Für sowas bin ich nicht empfänglich. Ich sehe hier aber doch einen Systemfehler. Hätte Thomas Cook ohne die Hedge-Fund-Wetten möglicherweise doch einen rettenden Kredit bekommen? Haben die in Frage kommenden Institute Abstand davon genommen den Konzern vor der Pleite zu retten, weil sie im Umkehrschluss Represalien der mächtigen Hedge Funds befürchtet haben? So etwas darf nicht sein, denn es verzehrt den Markt.
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