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30. September 2019, 13:14 Uhr

Hoffnung auf Neustart

Thomas Cook will mithilfe von Neckermann weitermachen

Thomas Cook will seine Tochter Neckermann als Schutzschirm nutzen. Mit der Traditionsmarke soll die Wiederbelebung des insolventen Reiseveranstalters gelingen. Doch noch fehlt ein Staatskredit.

Der insolvente deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook setzt seine Hoffnungen auf die Tochter Neckermann Reisen. Unter der Traditionsmarke, so hofft das Management, könne ein Neustart gelingen. "Ich sehe gute Chancen, die glorreiche Vergangenheit wiederzubeleben", sagte Stefanie Berk, Geschäftsführerin der deutschen Thomas Cook der "Deutschen Presse-Agentur".

Neckermann sei nach wie vor die volumenstärkste Reisemarke des Unternehmens in Deutschland. "Es muss uns allerdings gelingen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen", sagte Berk. "Wir alle bei Thomas Cook, aber auch bei der Zurich Versicherung versuchen, unsere betroffenen Kunden so viel wie möglich zu unterstützen."

Die deutsche Thomas Cook, zu der unter anderem Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen gehören, war in den Sog der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten. Mitte vergangener Woche stellten drei deutsche Thomas-Cook-Gesellschaften Insolvenzantrag. Die Zurich Deutschland hat Urlaub und Rückreise der Thomas-Cook-Kunden abgesichert.

Neckermann ins Spiel zu bringen, mutet wie eine Werbekampagne an, um Thomas Cook in Deutschland das Überleben zu sichern. Der Reiseveranstalter buhlt um staatliche Unterstützung und hat beim Bund und beim Land Hessen einen Überbrückungskredit in Höhe von 375 Millionen Euro beantragt. Um diesen zu erhalten, braucht das Unternehmen auch ein Überlebensszenario. Ohne den Kredit, einen Verkauf oder einen Investor geht Thomas Cook bald die Luft aus - dann gibt es auch unter dem Signet von Neckermann keine Zukunft. Neckermann selbst steht darüber hinaus selbst unter starker Konkurrenz.

Der Staatskredit solle der Firma die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs ermöglichen, sagte Berk. "Parallel dazu werden Gespräche mit Investoren geführt." Nach dem ersten Schock der Insolvenz überwiegt bei den Mitarbeitern inzwischen die Hoffnung. Alle seien bemüht, die Folgen für die Kunden so gering wie möglich zu halten und sie umfassend zu informieren.

"Die Situation für die rund 2000 Beschäftigten ist hart, aber man merkt Aufbruchstimmung", sagte die Managerin. "Der Auftritt der vorläufigen Insolvenzverwalter vergangene Woche auf der Betriebsversammlung hat den Eindruck hinterlassen, dass die Sanierung gelingen kann." Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind den Angaben zufolge bis Ende November 2019 durch das Insolvenzgeld gesichert.

Thomas Cook Deutschland hatte vergangene Woche den Insolvenzantrag gestellt. Etwa 140.000 Urlauber waren zuletzt mit dem Unternehmen mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen unterwegs. Thomas Cook Deutschland strebt mit der Insolvenz eine Sanierung an.

Die deutsche Charterlinie Condor hat sich vom britischen Mutterkonzern Thomas Cook losgerissen und braucht nun einen Käufer - Interessenten gibt es einige. Die Bundesregierung verschaffte Condor mit einem Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro etwas Spielraum.

Die Beschäftigten in Deutschland hatten Berk zufolge bis zuletzt auf eine Rettung des Mutterkonzerns gehofft. "Die Abfolge der Ereignisse war so nicht erwartet worden. Es war ein Schock für die Mitarbeiter." Berk zufolge war eine Einigung in wesentlichen Punkten erreicht worden. "Doch in der Schlussphase sind die Verhandlungen gescheitert". Zu den genauen Gründen wollte sich die Managerin nicht äußern. Die britische Thomas Cook hatte mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund verhandelt.

Die Reisebranche als solche sieht Berk weiterhin auf Wachstumskurs. "Das Bedürfnis zu reisen ist nach wie vor stark und ungebremst."

kig/dpa-AFX

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