Hoffnung auf Neustart Thomas Cook will mithilfe von Neckermann weitermachen

Thomas Cook will seine Tochter Neckermann als Schutzschirm nutzen. Mit der Traditionsmarke soll die Wiederbelebung des insolventen Reiseveranstalters gelingen. Doch noch fehlt ein Staatskredit.

Reiseshop in Berlin mit den Logos von Thomas Cook und Neckermann Reisen
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Reiseshop in Berlin mit den Logos von Thomas Cook und Neckermann Reisen


Der insolvente deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook setzt seine Hoffnungen auf die Tochter Neckermann Reisen. Unter der Traditionsmarke, so hofft das Management, könne ein Neustart gelingen. "Ich sehe gute Chancen, die glorreiche Vergangenheit wiederzubeleben", sagte Stefanie Berk, Geschäftsführerin der deutschen Thomas Cook der "Deutschen Presse-Agentur".

Neckermann sei nach wie vor die volumenstärkste Reisemarke des Unternehmens in Deutschland. "Es muss uns allerdings gelingen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen", sagte Berk. "Wir alle bei Thomas Cook, aber auch bei der Zurich Versicherung versuchen, unsere betroffenen Kunden so viel wie möglich zu unterstützen."

Die deutsche Thomas Cook, zu der unter anderem Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen gehören, war in den Sog der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten. Mitte vergangener Woche stellten drei deutsche Thomas-Cook-Gesellschaften Insolvenzantrag. Die Zurich Deutschland hat Urlaub und Rückreise der Thomas-Cook-Kunden abgesichert.

Neckermann ins Spiel zu bringen, mutet wie eine Werbekampagne an, um Thomas Cook in Deutschland das Überleben zu sichern. Der Reiseveranstalter buhlt um staatliche Unterstützung und hat beim Bund und beim Land Hessen einen Überbrückungskredit in Höhe von 375 Millionen Euro beantragt. Um diesen zu erhalten, braucht das Unternehmen auch ein Überlebensszenario. Ohne den Kredit, einen Verkauf oder einen Investor geht Thomas Cook bald die Luft aus - dann gibt es auch unter dem Signet von Neckermann keine Zukunft. Neckermann selbst steht darüber hinaus selbst unter starker Konkurrenz.

Der Staatskredit solle der Firma die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs ermöglichen, sagte Berk. "Parallel dazu werden Gespräche mit Investoren geführt." Nach dem ersten Schock der Insolvenz überwiegt bei den Mitarbeitern inzwischen die Hoffnung. Alle seien bemüht, die Folgen für die Kunden so gering wie möglich zu halten und sie umfassend zu informieren.

"Die Situation für die rund 2000 Beschäftigten ist hart, aber man merkt Aufbruchstimmung", sagte die Managerin. "Der Auftritt der vorläufigen Insolvenzverwalter vergangene Woche auf der Betriebsversammlung hat den Eindruck hinterlassen, dass die Sanierung gelingen kann." Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind den Angaben zufolge bis Ende November 2019 durch das Insolvenzgeld gesichert.

Thomas Cook Deutschland hatte vergangene Woche den Insolvenzantrag gestellt. Etwa 140.000 Urlauber waren zuletzt mit dem Unternehmen mit den Marken Thomas Cook, Neckermann, Öger Tours, Air Marin und Bucher Reisen unterwegs. Thomas Cook Deutschland strebt mit der Insolvenz eine Sanierung an.

Die deutsche Charterlinie Condor hat sich vom britischen Mutterkonzern Thomas Cook losgerissen und braucht nun einen Käufer - Interessenten gibt es einige. Die Bundesregierung verschaffte Condor mit einem Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro etwas Spielraum.

Die Beschäftigten in Deutschland hatten Berk zufolge bis zuletzt auf eine Rettung des Mutterkonzerns gehofft. "Die Abfolge der Ereignisse war so nicht erwartet worden. Es war ein Schock für die Mitarbeiter." Berk zufolge war eine Einigung in wesentlichen Punkten erreicht worden. "Doch in der Schlussphase sind die Verhandlungen gescheitert". Zu den genauen Gründen wollte sich die Managerin nicht äußern. Die britische Thomas Cook hatte mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund verhandelt.

Die Reisebranche als solche sieht Berk weiterhin auf Wachstumskurs. "Das Bedürfnis zu reisen ist nach wie vor stark und ungebremst."

kig/dpa-AFX

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mantrid 30.09.2019
1. Den Großen hilft man, die Kleinen lässt man verrecken
So leid es mir um die Angestellten von Neckermann-Reisen tut, als letztens bei uns ein Betrieb mit 20 Mitarbeitern pleite ging, gab es auch keinerlei staatliche Hilfen. So etwas geschieht in Deutschland jeden Tag, nur dass es eben kleine Unternehmen sind. Ob nun 2.000 Menschen ihren Job verlieren oder 100 x 20 Menschen, führt zum gleichen Ergebnis,
Markus Frei 30.09.2019
2. Unklar
Es ist ja nicht so das die Insolvenz vom Thomas Cook so eine große Überraschung war. Damit hatte man schon länger gerechnet. Und es sind ja nicht irgendwelche mysteriösen äussere Einflüsse die dazu geführt haben, man hat bei Thomas Cook viel zu lange am klassischen Reisevermittlermodell festgehalten während der große Konkurrent TUI sein Geschäftsmodell immer der Zeit angepasst hat. Mir ist völlig unklar was dieser Staatskredit bewirken soll, das Geschäftsmodell ist ja immer noch das gleiche und das kann man nicht mal so eben umbauen, dafür bräuchte man sehr viel Geld zum investieren und viel Zeit. Es bringt recht wenig jetzt mit Millionen diese Firmen künstlich am Leben zu halten, es gibt Teilbereiche im Konzern um die sich Investoren prügeln werden, wie Condor z.B., die haben beste Chancen auf eine Zukunft.
toledo 30.09.2019
3. Wie kann sich eine
Airline den so einfach vom Mutterkonzern losreißen..? Nach meinem Verständnis gehört Condor der englischen Thomas Cook und dürfte doch damit zur Insolvenzmasse gehören... oder nicht..?
three-horses 30.09.2019
4. Pleite so genau wo es dann weniger wird.
"irgendwelche mysteriösen äussere Einflüsse"...immerhin beklagen die Hotels, seit Monaten kein Geld bekommen zu haben. In der Hochsaison wo das meiste Geld fließt. Das sollen so 3 Milliarden sein. Wenn Sie wissen wo das alle Geld ist, war es keine dunkle Macht am Werk.
static_noise 30.09.2019
5.
Unterstützung nur für die Entschädigung von Opfern (Reisende, Dienstleister, Hoteliers) danach bitte den Konzern dem 'Markt' vorwerfen und pleite gehen lassen. Ich dachte wir sind im Kapitalismus?
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