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24. Juli 2018, 18:52 Uhr

Betrugsverdacht

Offenbar neue Ermittlungen gegen Thomas Middelhoff

Vergangenes Jahr erst wurde der ehemalige Topmanager Thomas Middelhoff aus der Haft entlassen. Nun gibt es nach Medienberichten ein neues Verfahren gegen ihn. Vor seiner Insolvenz soll er Millionen beiseitegeschafft haben.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat offenbar ein neues Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Spitzenmanager Thomas Middelhoff und gegen seinen Rechtsanwalt Hartmut Fromm eingeleitet. Das berichten der WDR und die "Süddeutsche Zeitung" und beziehen sich auf die Staatsanwaltschaft.

Middelhoff soll demnach vor seiner Privatinsolvenz 2015 Millionensummen an eine Firma überwiesen haben, die seiner Frau und seinen Kindern gehörte, und Gläubiger betrogen haben. Fromm soll ihn dabei unterstützt haben. Das habe die Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigt, berichteten WDR und "Süddeutsche" am Dienstag. Die beiden Beschuldigten bestritten demnach die Vorwürfe. Der SPIEGEL hatte bereits 2015 ausführlich über den Fall berichtet.

Middelhoff, auch "Big T" genannt, zählte zu den deutschen Topmanagern, leitete zwischenzeitlich den Bertelsmann-Konzern und die Karstadt-Mutter Arcandor.

Im November 2014 wurde Middelhoff vom Landgericht Essen wegen Veruntreuung von Konzernvermögen und Steuerhinterziehung zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt, die er 2016 antrat. 2017 kam er vorzeitig frei. Parallel zu seiner Haftstrafe musste er sich in weiteren Prozessen verantworten, unter anderem wegen seiner Rolle bei der Arcandor-Insolvenz. Dieser Prozess gegen ihn wurde jedoch vorzeitig eingestellt.

Middelhoff habe dem Bericht zufolge keine Kenntnis von den neuen angeblichen Ermittlungen. Der Vorwurf des Bankrotts sei bereits abschließend durch die Staatsanwaltschaft Bochum geprüft und eingestellt worden, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld würden seines Erachtens zu demselben Ergebnis führen. Fromm gab ebenfalls an, keine Kenntnis von dem Verfahren zu haben.

Den Recherchen zufolge soll es in dem Fall jedoch neue Hinweise geben. Deshalb habe Middelhoffs Insolvenzverwalter, Thorsten Fuest, Klage beim Landgericht Bielefeld eingereicht. Grundlage der Klage sei ein Gutachten einer Wirtschaftskanzlei, die die Vermögenstransfers Middelhoffs zwischen 2011 und 2015 durchleuchtete.

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