Frühere Lieferung von Daten Reuters soll Turbo-Händler bevorzugt haben

In Zeiten des Hochfrequenzhandels können zwei Sekunden viel Geld wert sein. Diesen Zeitvorsprung soll die Finanznachrichtenagentur Thomson Reuters ausgewählten Kunden eingeräumt haben. Ein Mitarbeiter alarmierte deshalb das FBI - und zieht nun wegen seiner Entlassung vor Gericht.

Reuters-Zentrale in London (Archivbild): Angebot mit "ultraniedriger Wartezeit"
AP

Reuters-Zentrale in London (Archivbild): Angebot mit "ultraniedriger Wartezeit"


Hamburg - In der Welt der Wirtschaft zählt Thomson Reuters Chart zeigen zu den klangvollen Namen. Der Medienkonzern gehört weltweit zu den wichtigsten Lieferanten von Finanzdaten. Bei der Übermittlung dieser Daten habe Reuters bestimmte Kunden bevorzugt, behauptet jetzt ein Ex-Mitarbeiter.

Laut einem Bericht der "Financial Times" (FT) alarmierte Mark Rosenblum im Juni 2012 zunächst einen FBI-Agenten und anschließend seine Vorgesetzten. Seine Beschwerde habe sich auf den Konsumklimaindex der Universität Michigan bezogen. Dieser wird zweimal im Monat von Reuters veröffentlicht und gilt als wichtiger Konjunkturindikator für die USA.

Reuters dürfe die Daten laut einem Vertrag um 9.55 Uhr Ostküstenzeit veröffentlichen, schreibt die "FT". Das sei ein Vorsprung von fünf Minuten gegenüber der Veröffentlichung auf der Homepage der Universität. Der Vertrag erlaube Reuters aber auch, die Informationen zwei Sekunden früher an Kunden mit "ultra-niedriger Wartezeit" zu liefern. Zu diesen Kunden gehörten Hochfrequenzhändler, die für den Service einen Aufpreis zahlten.

Beim Hochfrequenzhandel werden Börsendeals mit Hilfe von Computerprogrammen im Millisekundentakt abgewickelt. Ein Zeitraum von zwei Sekunden kann für die Händler einen entscheidenden Vorsprung bedeuten - und damit viel Geld. Der Handel mit Höchstgeschwindigkeit geriet in den vergangenen Jahren in die Diskussion, weil die verwendeten Computerprogramme wiederholt für dramatische Kursbewegungen sorgten.

Nach Ansicht von Ex-Mitarbeiter Rosenblum verletzt der von Reuters gewährte Vorsprung Regeln gegen Insidergeschäfte. Seine Vorgesetzten sahen das offenbar anders. Einige Wochen nach seiner Beschwerde sei Rosenblum ohne Abfindung entlassen worden. Rosenblum reichte vor einem New Yorker Gericht eine Beschwerde gegen die Entlassung ein und fordert Schadensersatz.

Thomson Reuters wollte sich der "FT" zufolge nicht zu Details des Verfahrens äußern. Das Unternehmen teile aber mit, die Vorwürfe seien "unbegründet und nutzlos - wir werden sie energisch anfechten".

dab



insgesamt 22 Beiträge
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iffel1 05.04.2013
1. Das dürfte so auch passiert sein
Aber Finanz-Datenhandel und Veröffentlichungstermine von Unidaten unterliegen nur vertraglichen Rechten, nicht der Börsenaufsicht. Allerdings ist das Auslegungssache, was den Insiderhandel betrifft. Wenn die vertraglich vereinbarte Veröffentlichung einen 2 Sekunden-Abstand zuläßt, dann kann durchaus die erste Veröffentlichung für einen kleinen Kreis schon dem Sachverhalt der Veröffentlichung entsprechen und ist damit kein Insiderhandel. Naja, mal sehen.
Stelzi 05.04.2013
2. Tjo
Im Westen gibts also auch nix neues.
wildwasser 05.04.2013
3. Tja, wenn man
das Leben auf solchen Wirtschaftsterror reduziert, kann sowas schon mal passieren. Schöne Zukunft wünsch ich.
tobyrd72 05.04.2013
4. Reuters teilte mit die Vorwürfe seien
Wenn es in dem Vertrag die 2 Sekunden Regelung gibt ist der Vorwurf wohl nicht unbegründet. Das der Vorwurf nutzlos (=bringt kein Geld) für Reuters ist, daran besteht selbstverständlich kein Zweifel.
McUtty 05.04.2013
5. In Bayern wäre er Zellnachbar vom Mollath
, als 'Querulant' lebenslang in die Psychatrie gesteckt. Ich Drücke dem Herrn Rosbaum die Daumen, dass er seinen Prozess gewinnt.
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