Thrombosefälle Johnson & Johnson verschiebt Auslieferung von Coronaimpfstoff in Europa

Wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen verzögert sich die Auslieferung des Coronaimpfstoffs von Johnson & Johnson in Europa. Zuvor hatten US-Gesundheitsbehörden einen Stopp der Impfungen empfohlen.
Leere Johnson-&-Johnson-Ampullen: Seltene Fälle von Sinusvenenthrombosen zwischen 6 und 13 Tagen nach der Impfung

Leere Johnson-&-Johnson-Ampullen: Seltene Fälle von Sinusvenenthrombosen zwischen 6 und 13 Tagen nach der Impfung

Foto: Michael Ciaglo / Getty Images

Hunderttausende Dosen hätten in den kommenden Wochen geliefert werden sollen: Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) verschiebt wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen die Auslieferung seines Coronaimpfstoffs in Europa. »Wir haben die Entscheidung getroffen, die Markteinführung unseres Impfstoffs in Europa aufzuschieben«, teilte der Konzern mit. Zuvor hatten die US-Gesundheitsbehörden eine Pause bei den Impfungen mit der J&J-Vakzine empfohlen.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson war Mitte März in der EU zugelassen worden, ist dort aber im Gegensatz zu den USA noch nicht im Einsatz. Die EU-Kommission war zuletzt davon ausgegangen, dass der Wirkstoff ab dem 19. April geliefert wird. Anders als bei den anderen Impfstoffen ist hier nur eine Impfspritze für einen umfassenden Schutz nötig.

Weiterer Rückschlag für Impfkampagne in Deutschland

Nun verzögert sich die Ankunft des J&J-Impfstoffs in Europa. Hintergrund sind Fälle von extrem seltenen Blutgerinnseln bei Menschen. Diese sollten nun zusammen mit den europäischen Gesundheitsbehörden überprüft werden.

Die vorläufige Aussetzung der Lieferung ist ein herber Rückschlag für die Impfkampagne in Europa – und auch in Deutschland. Die EU-Kommission hatte bis Ende Juni europaweit mit 55 Millionen Dosen des J&J-Impfstoffs gerechnet. Die Behörde fordert nun Aufklärung von J&J über die »komplett unerwartete« Ankündigung der Verzögerung, wie ein EU-Beamter der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Gut zehn Millionen Dosen des J&J-Impfstoffs sollen nach Deutschland gehen. Zuvor hatte es Lieferprobleme vor allem bei der Vakzine des britisch-schwedischen Konkurrenten AstraZeneca gegeben.

Die US-Bundesgesundheitsbehörden hatten den Stopp von Coronaimpfungen mit J&J-Seren ins Spiel gebracht. Die Arzneimittelbehörde FDA und die Gesundheitsbehörde CDC verwiesen auf eine laufende Untersuchung zu sechs Fällen von Blutgerinnseln in den USA. Bis zum Abschluss der Untersuchung werde »vorsichtshalber« eine »Pause« bei den Impfungen empfohlen. Der J&J-Impfstoff hatte in den USA Ende Februar eine Notfallzulassung erhalten.

Am Freitag hatte die FDA noch erklärt, bisher keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den Impfungen und Blutgerinnseln gefunden zu haben. Nun sollen die Fälle genauer untersucht werden.

Frauen zwischen 18 und 48 Jahren betroffen

Bei allen sechs Betroffenen handelt es sich um Frauen, bei denen es zwischen 6 und 13 Tagen danach zu Sinusvenenthrombosen gekommen sei. In drei Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen, gemeldet worden. Die Betroffenen waren zwischen 18 und 48 Jahren alt. Eine Frau starb und eine zweite Frau in Nebraska wurde in einem kritischen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert.

Die europäische Arzneimittelbehörde hatte zuvor bereits angekündigt, seltene Blutgerinnsel bei vier Personen in den USA zu untersuchen, die eine Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten hatten. Einer war tödlich verlaufen. Der Impfstoff sei in den USA bislang mehr als 6,8 Millionen Mal verabreicht worden.

Johnson & Johnson ist nicht der einzige Pharmakonzern, dessen Coronaimpfstoff wegen Thrombosegefahr in die Schlagzeilen geraten ist . Aus dem gleichen Grund gerieten die AstraZeneca-Vakzinen in die Kritik. In Deutschland wurde die Empfehlung für den Einsatz dieses Impfstoffs geändert – ihn sollen nur noch über 60-Jährige erhalten.

apr/AFP/Reuters/dpa