Großer Stellenabbau statt Fusion Aktienkurs von Thyssenkrupp steigt um bis zu 28 Prozent

Thyssenkrupp streicht 4000 Stellen in Deutschland und sagt die lange geplante Fusion mit Tata Steel aus Indien ab. Die Investoren belohnen das.

Firmenzentrale von Thyssenkrupp in Essen
REUTERS

Firmenzentrale von Thyssenkrupp in Essen


So schnell kann's gehen: Als die Börse in Frankfurt am Freitagmorgen eröffnete, da lag die Marktkapitalisierung des Industriekonzerns Thyssenkrupp noch unter sieben Milliarden Euro. Wenige Stunden später und kurz vor Handelsschluss waren es dagegen zwischenzeitlich fast zwei Milliarden Euro mehr.

Der Kurs der Thyssenkrupp-Aktie stieg um bis zu 28 Prozent. Auslöser war eine krasse Wende des Managementkurses: Der Industriekonzern hält ein Veto der EU-Wettbewerbshüter gegen die lange geplante Fusion seines Stahlgeschäfts mit Tata Steel aus Indien für unvermeidbar.

Deshalb soll nun auch die geplante Aufspaltung des Konzerns abgesagt werden, wie Thyssenkrupp am Freitag in Essen ankündigte. Statt der Teilung strebt das Unternehmen nun den Börsengang des Aufzuggeschäfts an - und streicht im Zuge der strategischen Neuausrichtung weltweit 6000 Stellen.

In Deutschland sind davon 4000 Stellen betroffen. Weitere Einzelheiten dazu soll es nach Angaben von Vorstandschef Guido Kerkhoff im August geben. Personalvorstand Oliver Burkhard sagte, angesichts der Größenordnung der geplanten Streichungen könne er "betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen".

Thyssenkrupp ist nach dem Kurssprung an der Börse nun nicht länger der Konzern mit der geringsten Marktkapitalisierung im Dax. Schlusslicht im deutschen Leitindex ist in puncto Unternehmenswert nun das Spezialchemieunternehmen Covestro mit rund 8 Milliarden Euro.

beb/dpa



insgesamt 27 Beiträge
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frank57 10.05.2019
1. Ja klar
die Investoren belohnen das! Aber die betroffenen Mitarbeiter?
eichenbohle 10.05.2019
2. Wie steigert ein Konzern seinen Aktienwert?
Richtig! Durch Ankündigung Tausende Mitarbeiter zu entlassen.
liquimoly 10.05.2019
3. Hurra!
Da freuen wir uns aber alle !!! Ist der Chefradakteur im Wochenende, wird veröffentlicht auf Teufel komm raus. So wie bei den Fridays- for-Future-Artikeln und dann wieder BANG! - der neue SUV von soundso - ein Gefühl der Freiheit.
rocky_heike 10.05.2019
4.
Im Laufe der Diskussionen um Kollektivismus ist ja immer wieder von vielen Kommentatoren daran appelliert worden, sich doch auch Aktien zu zulegen. Aber genau diese Zwangsläufigkeit, dass der Aktienkurs durch Stellenabbau in die Höhe schnellt, hat mich immer wieder davon abgehalten, in Aktien zu investieren. Weil ich es nicht für richtig halte, dass es so ist. Mag ein Spleen von mir sein, für den ich sicher viel Gegenwind bekommen werde.
Zukunft3.0 10.05.2019
5.
Das ist Kapitalismus pur, Arbeiter u. Angestellte verlieren ihren Job. Die Aktionäre profitieren und sind hocherfreut.
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