ThyssenKrupp Arbeiter kämpfen gegen Fusion mit Tata

Die Stahlarbeiter von ThyssenKrupp begehren gegen die Fusion ihres Konzerns mit dem indischen Konkurrenten Tata auf. In Bochum wollen sie mit einer Großdemonstration die Öffentlichkeit mobilisieren.

Stahlwerker vor dem ThyssenKrupp-Werk Duisburg
REUTERS

Stahlwerker vor dem ThyssenKrupp-Werk Duisburg


Vor einer geplanten Großdemonstration gegen die Stahlfusionspläne von Thyssenkrupp haben Beschäftigte des größten deutschen Stahlkonzerns am Freitag die Produktion weitgehend zum Erliegen gebracht. Die Anlagen seien mit Beginn der Frühschicht heruntergefahren worden, berichtete ein Sprecher des Betriebsrats am Freitagmorgen. Im Werk sorge lediglich eine Notbesatzung dafür, dass es zu keinen Schäden komme. Erst am Nachmittag werde dann voraussichtlich der normale Betrieb wieder aufgenommen.

Für den Freitag haben Betriebsrat und IG Metall zu einer Großdemonstration in Bochum aufgerufen, zu der mindestens 5000 Teilnehmer erwartet werden. In dieser Woche hatte der Konzern eine Absichtserklärung für eine Fusion der Thyssenkrupp-Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata veröffentlicht und den Wegfall von 2000 Arbeitsplätzen in Deutschland angekündigt. Der Betriebsrat befürchtet aber die Streichung von deutlich mehr Jobs und lehnt die Fusionspläne ab.

Ein weiterer heikler Punkt der Fusion ist die geplante Verlegung des Konzernsitzes in die Niederlande. Das Land an der Nordsee ist für ausländische Firmen und Superreiche eine beliebte Steueroase. Hier können sie ganz legal die Zahlung von hohen Steuern umgehen. Nach einer Studie der Hilfsorganisation Oxfam Novib sind die Niederlande nach den Bermudas das zweitgrößte Steuerparadies.

Zu der Kundgebung werden neben Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), der NRW-Chef der IG Metall Knut Giesler sowie die Betriebsratsvorsitzenden Willi Segerath und Günter Back erwartet.

mik/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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kopi4 22.09.2017
1.
Das die Zentrale in die Niederlande verlegt wird hat,laut Thyssen Krupp, doch nur logistische und kosmetische Gründe! Tata sitzt in Großbritannien,TK in Deutschland, da ist Amsterdam quasi die neutrale Ecke. Steuern zu sparen ist da bestimmt nur ein,wahrscheinlich sogar unangenehmer!!, Nebeneffekt. Auch die Auslagerung des Stahls geschieht nur zum besten der Malocher! Das hat ja schon der Kohlenkonzern RAG vorbildlich hingekriegt: die lukrativen Geschäftszweige in die Evonik auslagern,die Kumpel dürfen weiter als RAG Miese machen.Okay, ohne das die den Knochenjob gemacht haben gebe es keine lukrativen Konzernteile die man auslagern könnte, das man Kumpel und Stahlkocher deswegen auf ewig mit durchschleppt steht aber so nicht im Handbuch für den kleinen Kapitalisten. So wie man den lieben ,aber leider tüddeligen Opa ins Altersheim abschiebt so werden auch Kumpel und Stahlkocher geparkt: mit vielen heuchlerischen Komplimenten versehen sollen und dürfen sie ihre letzten Jahre unter gleichgesinnten verbringen.
observerlbg 22.09.2017
2. Einfach mal ansehen.....
.... was Tata so in Großbritanien mit der Stahlindustrie gemacht hat. Genau DAS blüht nun ThyssenKrupp-Metallern. Tja, da hätte die Kruppführung nach dem Krieg vielleicht nicht auf Waffenproduktion verzichten sollen. Dann währen sie "Systemrelevant" und von staatswegen "geschützt". Wir lernen: jede gute Tat wird irgendwann bestraft. Nicht nur China und Süd-Korea sitzt europäischen Arbeitern im Nacken. Auch die Inder sind schwer im Kommen.
Nordstadtbewohner 22.09.2017
3. Es wird einfach zu viel Stahl produziert
Und genau diese Überkapazitäten müssen vom Markt verschwinden. Wer ehrlich ist, ist zu dieser Erkenntnis schon lange gekommen. Die Arbeiter bei ThyssenKrupp sollten sich einfach beruflich umorientieren, wie das Arbeitnehmer in anderen Branchen seit den 90ern auch getan haben.
ptb29 22.09.2017
4. ThyssenKrupp produziert Waffen
Hier geht es um Gewinnmaximierung für die Aktionäre. Und dass jetzt plötzlich Holland ein Steuerparadies ist, ist mir auch neu. Ich dachte, Island sind die Bösen und nach vollzogenem Brexit wird GB das Paradies.
Da Ge 22.09.2017
5. Richtig
Zitat von NordstadtbewohnerUnd genau diese Überkapazitäten müssen vom Markt verschwinden. Wer ehrlich ist, ist zu dieser Erkenntnis schon lange gekommen. Die Arbeiter bei ThyssenKrupp sollten sich einfach beruflich umorientieren, wie das Arbeitnehmer in anderen Branchen seit den 90ern auch getan haben.
Wer den Markt etwas kennt und das kleine 1x1 beherrscht, weiß seit Langem, dass die hiesigen Standorte nicht bis in alle Ewigkeit gehalten werden können. Die Aktionen und die Rhetorik der Arbeitnehmervertreter kommen mir dabei reichlich rückwärtsgewandt und regelrecht wie das krampfhafte Festhalten an jahrzehntelang liebgewonnener Folklore vor. Freilich wird allerdings auch ein noch so langer "Arbeitskampf" mit brennenden Mülltonnen und starken Reden und das traditionelle Geschimpfe auf "die hohen Herren" und die Aktionäre die Realitäten nicht verändern können. Viele der Arbeiter haben eine Menge Grips und diesen dazu genutzt, sich beachtliche Qualifikationen zu erarbeiten. Sie werden es sicher in den meisten Fällen auch schaffen, sich erfolgreich umzuorientieren, wie das viele viele andere Arbeiter in den unterschiedlichsten Branchen auch schon mussten. Und nicht selten hat es die Situation nicht verschlechtert. Ich kann dies aus eigener Erfahrung sagen.
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