Jahresbilanz Billiger Stahl kostet ThyssenKrupp Gewinn

Die Finanzlage des Industriekonzerns ThyssenKrupp hat sich wieder verschlechtert. Wegen der anhaltend niedrigen Stahlpreise fiel das operative Jahresergebnis auf knapp 1,5 Milliarden Euro.

ThyssenKrupp-Flaggen am Konzernsitz in Essen
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ThyssenKrupp-Flaggen am Konzernsitz in Essen


Die lange schwachen Stahlpreise haben dem Industriekonzern ThyssenKrupp Gewinn gekostet. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr rutschte das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) um zwölf Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro ab, wie das Unternehmen in Essen mitteilte. Einsparungen von fast einer Milliarde Euro stabilisierten dabei das Ergebnis.

Der Umsatz ging um acht Prozent zurück auf 39,3 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente der Konzern 296 Millionen Euro, vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahlen lagen knapp im Rahmen der Erwartungen. Die Dividende will ThyssenKrupp mit 15 Cent pro Aktie allerdings nur stabil halten, Analysten hatten mit einer Erhöhung gerechnet.

Ursprünglich wollte der Konzern seinen operativen Gewinn auf bis zu 1,9 Milliarden Euro steigern. Wegen des heftigen Verfalls der Stahlpreise bis weit ins vergangene Geschäftsjahr hinein senkte das Management aber bereits im Mai seine Prognose auf nur noch gut 1,4 Milliarden Euro. Im neuen Geschäftsjahr strebt der Vorstand nun einen bereinigten Gewinn vor Steuern und Zinsen von rund 1,7 Milliarden Euro an. Allein 850 Millionen Euro sollen dabei weitere Sparanstrengungen liefern.

Hiesinger will Konzern weiter umbauen

Konzernchef Heinrich Hiesinger will jetzt den Umbau des Konzerns vorantreiben. "Die großen Schwankungen auf den Werkstoffmärkten zeigen, dass wir die Transformation zu einem starken Industriekonzern fortsetzen müssen", sagte der Manager bei der Vorlage der Bilanz.

Der 56-Jährige war Anfang 2011 Vorstandschef des Traditionskonzerns geworden. Der frühere Siemens-Manager richtet ThyssenKrupp seitdem weniger auf das Stahlgeschäft aus, sondern auf die Technologiegeschäfte mit Aufzügen, Autoteilen, Anlagen oder U-Boote. "Wir wollen den Anteil der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte ausbauen und profitabel wachsen", kündigte Hiesinger nun an.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich allerdings auch die Finanzlage des Konzerns wieder verschlechtert: Das Eigenkapital verringerte sich um mehr als ein Fünftel auf 2,6 Milliarden Euro. Dafür machte ThyssenKrupp vor allem das anhaltende Zinstief verantwortlich - der Konzern musste deshalb seine Pensionsverpflichtungen neu bewerten. Die Schulden stiegen leicht um drei Prozent auf 3,5 Milliarden Euro an.

Damit lag das Verhältnis der Schulden zum Eigenkapital bei gut 134 Prozent und damit rund 30 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor. Seit Jahren schon ringt ThyssenKrupp mit der wichtigen Marke von 150 Prozent. Wird dieser Wert übertroffen, können Banken nämlich einige Kreditverträge kündigen. ThyssenKrupp betonte angesichts von acht Milliarden Euro jederzeit verfügbarer Gelder solide finanziert zu sein.

nck/dpa/Reuters

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